Fast 30 Jahre ist es her, da gehörte Heidrun Deuschle zu den Mitbegründerinnen der „Brücke“, dem Tagestreff für psychisch Kranke in einem der Cherisy-Blöcke. An ihrem ersten Tag dort, so erinnert sich die frühere hauptamtliche Mitarbeiterin, sei sie zusammen mit einer älteren Frau aus der Kochgruppe zum Einkaufen fürs Mittagessen gegangen.

Diese habe viel aus ihrem Leben berichtet, und vor allem darüber, wie vergesslich sie geworden sei. Es sei dann aber diese Frau gewesen, die sie an der Kasse erinnerte, dass das Wichtigste fehlte: die Blätter, aus denen die Lasagne zum Mittagessen entstehen sollte.

Für Freizeitangebote werden Spenden gebraucht

Die Frau, die bisher vor allem den Blick auf all das hatte, was sie nicht konnte, habe plötzlich erlebt, dass sie doch einige Fähigkeiten hat. Die Menschen in dem bestärken, was sie können, das ist eines der Ziele der „Brücke“, die um Spenden für die vielfältigen Freizeitangebote bittet.

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Spenden für neue Liederbücher benötigt

Unter anderem will der Treffpunkt neue Liederbücher beschaffen. Die alten sind zerblättert und das Liedgut darin nicht mehr aktuell. Auch einige Küchengeräte sind am Ende ihrer Lebenszeit angelangt, ebenso die Bildschirme im Computerzimmer, wo Besucher ins Internet gehen können.

Sachspenden könne die Brücke nicht entgegennehmen, sagen Heidrun Deuschle und die Mitarbeiterin Anke Brednich. Immer gesucht seien aber ehrenamtliche Mitarbeiter, die bei bestehenden Angeboten helfen oder neue Ideen einbringen. Wer die Fähigkeiten dazu habe, könne gern Kreatives anbieten, dies sei aber kein Muss: „Man kann hier auch nur den Tisch decken.“

Das Wichtigste sei eine gewisse Fähigkeit, auf andere zuzugehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und sie da abzuholen, wo sie stehen. Die Besucher schätzten es, dass sie jederzeit kommen, und wenn ihnen danach ist, mitmachen oder auch nur zuschauen können.

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Ausflüge sind für Betroffene ein besonderes Erlebnis

Für manche sei die Brücke zur Heimat geworden, sagt eine Betroffene. Eine andere berichtet, ihr seien vor allem die Ausflüge wichtig: „Für mich sind die das Nonplusultra. Ich komme ansonsten nie heraus aus Konstanz. Für mich ist das ein ganz wichtiges Angebot.“

Ohne Spenden würde es vor allem die Freizeiten nicht geben. Die meisten Besucher der Brücke hätten geringe Einkommen, könnten sich selbst also kaum Ausflüge leisten, sagt Anke Brednich. Manchmal stünden auch Ängste und mangelndes Zutrauen in die eigenen Kräfte Freizeitaktivitäten entgegen.

Der Tagestreff biete Raum, sich zu entfalten. „Man kann über sich reden und sich öffnen“, sagt Heidrun Deuschle. Diese ist bis heute der „Brücke“ verbunden. Seit gut 15 Jahren leitet sie eine Frauengruppe dort.

In den Anfangszeiten hätten viele Erkrankte noch Nischen auf dem Arbeitsmarkt gefunden, in denen sie eine Beschäftigung fanden und so auch Bestätigung. Heute seien solche Möglichkeiten rar geworden. Betroffenen fehle die Erfahrung, was an Potenzialen weiter bestehe.

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Für jeden ein Angebot

Die „Brücke“ hat an jedem Wochentag Angebote, an manchen Tagen von 9 bis 21 Uhr. Es gibt offene Zeiten und Gruppen-Angebote. Besucher können günstig frühstücken und zu Mittag essen. Eine Kochgruppe mit Betroffenen bereitet für bis zu 15 Personen die Gerichte zu.

Es gibt Zeiten für gemeinsame Spiele, für den Austausch unter Frauen, fürs Backen, fürs kreative Gestalten, fürs Theaterspielen, fürs offene Singen. Auch Ausflüge stehen immer wieder auf dem Programm. Mal geht es zum Bowling, mal in die Druckerei des SÜDKURIER, mal in ein Museum. Höhepunkt bei den Freizeitaktivitäten sind mehrtägige Ausflüge.

Krankheit ist vielen Betroffenen nicht anzusehen

Vielen der Menschen, die in die „Brücke“ kommen, ist die Krankheit nicht anzusehen. Dennoch seien viele chronisch krank, also beispielsweise depressiv, schizophren oder litten unter einer bipolaren Störung, sagen die Mitarbeiter.

Eine Betroffene hat den Eindruck, dass über psychische Erkrankungen noch immer nicht offen in der Gesellschaft gesprochen werde. „Da ist eine Abwehrhaltung. Vieles hat mit Ängsten zu tun.“ Sie zeigt sich froh über die Anlaufstelle: Die „Brücke“ ermögliche die Teilhabe an Aktivitäten in den eigenen Räumen, aber auch an anderen Orten, und die Begegnung mit Menschen außerhalb des geschützten Raumes.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.

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