Konstanz Maßgeschneidert zum Erfolg: Konstanzer Unternehmen forscht zum Fortbestehen des Lebens

Von der Natur entworfen und für biotechnologische Anwendungen maßgeschneidert: Das Konstanzer Unternehmen myPOLS – eine Ausgründung der Universität und im BioLago-Netzwerk aktiv – fertigt maßgeschneiderte DNA-Polymerasen an.

Hört sich kompliziert an – ist es auch. DNA-Polymerasen sind Enzyme, die eine Schlüsselrolle bei der Verdoppelung des Erbguts spielen, also für das Fortbestehen des Lebens mitverantwortlich sind.

Die jungen Forscher entwerfen und produzieren neue Generationen dieser Enzyme, um zum Beispiel Krankheitserreger besser und schneller nachzuweisen oder zerfallene DNA zu entschlüsseln, und verkaufen die Enzyme an Universitäten und Unternehmen weiter. An der Entwicklung sitzen sie teils mehrere Monate, die Produktion von fertig entwickelten Enzymen geht dann recht schnell, anschließend folgt die Qualitätskontrolle. Kunden haben die Wissenschaftler vom Bodensee auf der ganzen Welt: Japan, USA, Indien, Afrika, Australien, Deutschland.

Für ihre Idee, Enzyme zu gefriertrocknen und in stecknadelkopfgroße Kugeln zu verpacken, haben sie nun vom Dr.-Rudolf-Eberle-Innovationspreis eine Anerkennung erhalten. Die Kugeln, genannt "PCR lyo beads", erinnern äußerlich an Styropor, bestehen aber aus den Enzymen und Reaktionskomponenten, die für eine sogenannte Polymerase-Ketten-Reaktion nötig sind. Der Clou an dieser Entwicklung: Die Enzyme müssen nicht mehr kühl gelagert werden. Ärzte können sie in einem Gefäß in ihrer Tasche herumtragen und auf diese Weise umgehend Diagnostik-Tests durchführen. Außerdem gibt es keine Kühlkette, die beim Transport zum Beispiel nach Afrika unterbrochen werden könnte. Geschäftsführer Ramon Kranaster sagt: "Das macht die Handhabung viel praktikabler."

Der ehemalige Student und Doktorand der Uni Konstanz ist vor drei Jahren aus London an die Hochschule zurückgekehrt, um zusammen mit Professor Andreas Marx das Unternehmen myPOLS Biotec zu gründen. Ursprünglich ging es darum, eine Früherkennung für Darmkrebs zu entwickeln, erklärt Ramon Kranaster. "Doch wir mussten feststellen, dass wir das nicht schaffen. Meine zwei Mitstreiter sind dann in die Industrie gegangen." Ramon Kranaster selbst hat sich entschlossen, anders weiterzumachen und sich voll auf die Enzyme zu spezialisieren; heute forscht er immer noch an der Universität, die die Ausgründung gefördert hat. Mitarbeiterinnen Judith Kohler und Angela Schäfer sowie Jana Lorenz und Noel Ramsperger, studentische Praktikanten, unterstützen derzeit den Wissenschaftler und Unternehmer.

Warum Ramon Kranaster sich auf Enzyme spezialisiert hat? Erbgut und DNA haben ihn schon immer gefesselt, erklärt er. "Das Konzept in der Zelle ist ziemlich faszinierend." Es gebe mehr als drei Milliarden Basen in einer menschlichen Zelle, die vor jeder Zellteilung kopiert werden müssen. "Es ist unglaublich, mit welch einer extrem hohen Geschwindigkeit und Genauigkeit das von diesen Enzymen, DNA-Polymerasen, gemacht wird. Das hat die Natur schon prima eingerichtet und über Jahrmillionen an Evolution diese Enzyme optimiert. Und jetzt kommen wir und nehmen diese natürlichen Enzyme und passen diese nochmal für unsere eigenen Anwendungen an."

Die Förderung durch die Universität ist mittlerweile ausgelaufen, die Suche nach einem Standort für die Zukunft angelaufen. Kranaster erklärt: "Wir stehen jetzt wirklich auf eigenen Beinen. Aber es läuft – und es läuft gut."

Aufgaben der Enzyme

Enzyme treiben im Körper biochemische Reaktionen an. Sie werden deshalb auch als Biokatalysatoren bezeichnet, die chemische Reaktionen innerhalb eines Organismus beschleunigen. Die meisten Enzyme sind Proteine und ihre Wirkung ist in der Regel sehr spezifisch. Die wohl grundlegendste Aufgabe übernehmen die Verdauungsenzyme. Sie sind dafür verantwortlich, dass die aufgenommene Nahrung in kleine Grundbausteine wie Aminosäuren, Fettsäuren und Zuckermoleküle zerlegt wird.

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