Es sind kleine Anekdoten, die das große Ausmaß der maroden Geschwister-Scholl-Schule zeigen. Wie die von Gisela Kusche. Die Stadträtin der Freien Grünen Liste ist seit vielen Jahren Lehrerin an der Wollmatinger Schule, die in einem Schulverbund aus Werkrealschule, Realschule und Gymnasium besteht.  Eine Schule, der man an kalten Wintertagen in der ersten Stunde den Mantel anbehalten müsse und es im Sommer in der Hitze kaum aushalte, wie sie in der Sitzung des Schulausschusses berichtete. Lüftung und Heizung dort funktionierten nicht richtig. Auf den Toiletten hängen bei den Urinalen drei verschiedene Modelle, da die Anlagen immer nur schrittweise erneuert wurden, sagte Anja Rothöhler vom Haupt- und Liegenschaftsamt. Pro Jahr stehen ihr für die Geschwister-Scholl-Schule 113.000 Euro zur Verfügung. Das Allernötigste werde damit gemacht, meist waren das die undichten Stellen im Dach, durch die es regelmäßig rein regnet.

Bildunterschrift
Im Schulausschuss

"Wir haben die Schule damals als neu und innovativ erlebt", sagte Hans-Jürgen Müller von der Initiative ehemaliger Schüler, die sich für eine dringende Generalsanierung einsetz.en: "Uns schmerzt es einfach, dass es jetzt ist, wie es ist." Wie, das zeigte sich dem Schulausschuss in Bildern. Zugewucherte Außenanlagen, blinde Fenster, Moos auf den Lüftungsrohren, das Dach undicht. Die Geschwister-Scholl-Schule gibt ein trauriges Bild ab. Wenn auch der Schulleiter Thomas Adam, seit gut einem Jahr im Amt, immer wieder betont: "Es gibt einen Unterschied zwischen der Qualität der Ausbildung und dem Zustand des Gebäudes." Der Zusammenhalt an seiner Schule sei umso besser.

Fest steht: Würde der Politik der vergangenen Jahrzehnte in Sachen Geschwister-Scholl-Schule ein Zeugnis ausgestellt werden, hieße es wohl von vielen Seiten: Mangelhaft. Ausreichend jedenfalls waren die bauunterhaltenden Arbeiten, die gemacht wurden, nicht. Die Generalsanierung wurde immer wieder nach hinten verschoben, um die allgemeine Schulentwicklung in Konstanz abzuwarten, das Projekt Gemeinschaftsschule hatte aufgrund der Landesförderung Priorität. Umso teurer ist jetzt die Rechnung für die Geschwister-Scholl-Schule. Als die Stadt 2010 eine Kostenschätzung für die Generalsanierung von Schule und Halle erstellen ließ, kam man auf 17,5 Millionen Euro. Inzwischen ist das Gebäude in einem so schlechten Zustand, dass die Stadt mit rund 24 Millionen Euro für die Generalsanierung der Schule und nochmal vier Millionen Euro für die Halle rechnet. Oben drauf kommen die Kosten für die Umgestaltung und Sanierung der Außenflächen – und die Befürchtung einiger Stadträte, dass am Ende sowieso alles teurer wird, je nachdem, wie lange die Bauarbeiten dauern.

Noch ist unklar, wie das Ende des Werkrealschul-Zweigs an der GSS genau aussehen soll.
Die Geschwister-Scholl-Schule | Bild: Oliver Hanser

Lohnt es sich da nicht, die Schule abzureißen und neu zu bauen? Eine Frage, die zumindest Alexandra Bek als Vorsitzende des Konstanzer Gesamtelternbeirates stellte. "Wir waren doch sehr irritiert, als wir von dieser Summe für eine Generalsanierung hörten", so Bek. "Wie kann ein Gebäude so gebaut werden, dass es nach 40 Jahren nahezu auf den Nullwert heruntergewirtschaftet ist?" Bek befürchtet, dass sich die Geschwister-Scholl-Schule aufgrund ihrer Bausubstanz zu einem Investitionsgrab entwickelt. Eine Sanierung über acht Jahre, wie von der Stadt vorgesehen, erhöhe zudem die Attraktivität der Schule nicht – im Gegenteil.

Die Geschwister-Scholl-Schule sei die Schule mit dem größten Potential in Konstanz, und ein Neubau, der gleichzeitig groß genug ist für den künftigen Bedarf des Neubaugebietes Hafner "wäre ein Gewinn für die Schullandschaft", so Bek. Mit entsprechenden Fördermitteln, schätzt sie, rechne sich ein zügiger Neubau, der dann auch den Bedarf des Neubaugebiets Hafner deckt, mehr. Denn "bei den ganzen Sanierungskosten haben wir noch nicht die Erweiterungsmaßnahmen eingerechnet, die noch oben drauf kommen,
um das Raumdefizit auszugleichen." Die dringendsten Erstmaßnahmen müssten selbstverständlich umgesetzt werden - egal, wie es insgesamt weitergeht.

Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn sagte letztlich zu, diesen Vorschlag zu prüfen. Auf Zustimmung stieß der Gesamtelternbeirat aber längst nicht bei allen Stadträten und in der Verwaltung. Auch der Leiter des Hochbauamtes, Thomas Stegmann, sieht einen Neubau mit anschließendem Abriss des bisherigen Gebäudes kritisch. Er erinnerte daran, dass die halb so große Gemeinschaftsschule ohne Außenanlagen und Inneneinrichtung allein schon 19 Millionen Euro gekostet habe. Ein Neubau der Geschwister-Scholl-Schule dürfte damit weit mehr als 40 Millionen Euro kosten, schätzt Stegmann. Heinrich Fuchs (CDU) hält die Schule für durchaus sanierungswürdig. "Das ist nicht einfach nur ein Glaskasten im Wald, die Schule hat was." Er merkte zudem an: "Wenn wir uns jetzt für einen Neubau entscheiden, passiert in den nächsten fünf Jahren Planung bautechnisch gar nichts."

Schulen aus den 70er Jahren

  • Die Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz wurde 1976 gegründet und für seine "zukunftsoffene Gestaltung sehr gelobt", heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Eine der großen Sanierungsmaßnahmen war 2010 die Erneuerung von Teilen der Glasfassade. Jetzt hat die Stadt einen Fahrplan für die Generalsanierung ausgearbeitet, über den letztlich der Gemeinderat entscheidet. Demnach sollen die ersten Maßnahmen im Sommer 2018 umgesetzt werden. Auf der Liste der dringenden Erstmaßnhamen stehen der Brandschutz, die Barrierefreiheit, Arbeiten an der Glasfassade und Renovierungsarbeiten im Inneren.
  • Die Staudinger-Gesamtschule in Freiburg wurde im ähnlichen Stil in den 70er-Jahren gebaut und galt als marodeste Schule der Stadt. Die Stadt entschloss sich schließlich für den Abriss und Neubau. Kostenpunkt: Rund 90 Millionen Euro.
  • Die Wentzinger Schule in Freiburg wurde 1972 gegründet. Die Rundumerneuerung von Realschule und Gymnasium im Stadtteil Mooswald hat sieben Jahre gedauert und rund 30 Millionen Euro gekostet – die bislang teuerste Schulsanierung in Freiburg.