Marie ist drei Monate alt und inzwischen das kulturbeflissenste Baby Südbadens. Es gibt nicht viele Säuglinge, die in diesem zarten Alter bereits das Stadttheater besuchen. Das wird Marie künftig zugute kommen. Beim ersten Schulaufsatz. Im Abitur. Man sollte nie unterschätzen, wie wirksam frühkindliche Bildung ist.

Auch junge Mütter sind kulturhungrig

Miriam Steimer ist Maries Mutter. Ihr ging es am Freitagabend weniger um Maries Bildung als um ihr eigenes Kulturvergnügen. Die junge Mutter hat lang auf Theaterbesuche verzichtet. Also kauft sie eine Theaterkarte für „Zwei Tage, eine Nacht“.

Nicht eine, sondern zwei Karten

Nein, sie kauft zwei Karten. Denn an der Kasse wird ihr erklärt, dass sie für ihr Baby auch eine Karte erwerben muss, „aus versicherungsrechtlichen Gründen“. Für acht Euro. Miriam Steimer verspricht außerdem, die Vorstellung sofort zu verlassen, sobald ihr Kind schreit oder unruhig wird. Ein wenig wundert sie sich über den Preis von acht Euro für die Kinderkarte – aber was tut man nicht für die frühkulturelle Erziehung?

Das Theater nimmt Stellung

Auf Nachfrage des SÜDKURIER nimmt das Stadttheater wenig später Stellung zu dem Vorgang: Aus Gründen der Kulanz habe man die Besucherin mit ihrem Säugling zur Vorstellung zugelassen. „Doch aus versicherungstechnischen Gründen müssen wir wissen, wie viele Personen sich im Zuschauerraum befinden – deshalb eine Karte für das Baby“, schreibt Dani Behnke, Pressesprecherin des Theaters.

Babys sollten nichts zahlen müssen

Bisher gebe es keine explizite Regel für den Einlass von Eltern mit Säuglingen, heißt es in der Stellungnahme weiter. Kinder auf dem Arm ihrer Eltern müssten nichts bezahlen, kostenpflichtig sei der Besuch erst, wenn ein Kind einen Platz beanspruche. „Der Besucherin wurde an der Kasse für den Säugling irrtümlicherweise eine Karte zum ermäßigten Preis verkauft. Die betroffene Kundin erhält den Eintrittspreis für den Säugling zurückerstattet.“

Der Intendant entschuldigt sich

Christoph Nix, Intendant des Stadttheaters, erfährt erst etwas später von dem Vorfall. „Ich würde mich gern persönlich bei der Besucherin entschuldigen“, sagt er am Telefon. Ihm und den Theatermitarbeitern sei die Sache sehr peinlich. Junge Eltern seien ihm jederzeit willkommen, er habe ein großes Interesse daran, ihnen ein offenes Haus zu bieten. Nicht umsonst habe er das Kinder- und Jugendtheater so stark ausgebaut während seiner Intendanz. „Eltern mit Babys nicht hereinzulassen, liefe meiner Philosophie völlig zuwider.“

Das Angebot des Intendanten an Miriam Steimer steht: „Sie ist herzlich eingeladen, auf einen Kaffee bei mir vorbeizukommen – mit ihrer Tochter – und ich zeige ihr das Theater“.

Marie wiederum wird sich erinnern. Ganz sicher. Spätestens, wenn die Bewerbung für die Schauspielschule ansteht. Und dann wird sich ihre ganz eigene Interpretation von „Zwei Tage, eine Nacht“ entfalten. Ein Besuch im Theater ist niemals umsonst.