Über einen entsprechenden Antrag beraten Ortschaftsrat und Technischer Ausschuss heute und am Donnerstag. Ab 2028 ist dann eine ganz neue Lösung anvisiert. 30 Jahre nach dem Aufbau könnte das Glashaus am Schloss, das wegen der Optik umstritten ist, dann tatsächlich verschwinden. Ohne Winterschutz kommen allerdings die historischen Palmen dort nicht aus, heißt es auf Nachfragen bei der Pressestelle der Insel Mainau.

1998 wurde das Glashaus am Schloss als Winterschutz für exotische Pflanzen errichtet. Immer über die Sommermonate solle das Gebäude im Lager verschwinden. Dank diverser nachträglicher Genehmigungen ist aus dem Glashaus längst ein ganzjährig genutzter Ausstellungs-, Tagungs- und Gastronomieraum geworden. Diesen will sich die Blumeninsel nochmals für 12 weitere Jahre dauerhaft sichern. Nur im Sommer 2017 will die Mainau das Palmenhaus tatsächlich einmal abbauen, denn es benötigt eine Generalsanierung. Danach soll das Glashaus bis 2028 weiter ganzjährig stehen bleiben – so wünscht sich das die Mainau. Sie hatte seit dem Bau 1998 zunächst mit jährlichen Ausnahme-Genehmigungen den Abbau über den Sommer abwenden können, 2008 hatte der Gemeinderat der multifunktionalen, ganzjährigen Nutzung bis 2016 zugestimmt – nicht aber bis 2028, wie dies die Mainau bevorzugt hätte. Denn dann ist der Bau abgeschrieben. Die Mainau argumentierte damals mit ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage und die hohen Kosten für einen Auf- und Abbau des Glashauses. Mainau-Sprecher Florian Heitzmann nennt auf Nachfragen die Summe von 500 000 Euro. Heute stehe die Mainau zwar wirtschaftlich wieder besser da, doch der Umsatzausfall und die Montagekosten fielen weiter ins Gewicht, heißt es im schriftlichen Antrag von Gräfin Bettina Bernadotte.

Björn Graf und Bettina Gräfin Bernadotte, Geschäftsführer der Insel Mainau, inmitten einer Urwaldpracht. <em>ArchivBild: Schutzbach</em>
Björn Graf und Bettina Gräfin Bernadotte, Geschäftsführer der Insel Mainau, inmitten einer Urwaldpracht. ArchivBild: Schutzbach | Bild: Nikolaj Schutzbach

Diese stellt für die Zeit nach 2028 eine ganz neue Lösung in Aussicht: Die Generalsanierung der Gärtnerei in der Nähe des Schmetterlinghauses, die sich Besuchern öffnen will, und den eventuellen Neubau von Schauhäusern in dem Bereich. Auch das heutige Palmenhaus am Schloss könnte dann an eine andere Stelle verlagert werden. Eine Konzeption müsse noch erarbeitet werden, sagt Sprecher Heitzmann. Die bis zu 16 Meter hohen Palmen am Schloss, die nicht winterfest sind, und die auch nicht versetzt werden können, müssten allerdings weiter vor der Winterkälte geschützt werden. Es gebe die Möglichkeit einer "einfachen, kleinflächigen Einhausung."

Seit der letzten Dauergenehmigung von 2008 hat die Mainau ihre gastronomischen Angebote generalsaniert und ausgeweitet. Dennoch spielt das Palmenhaus nach Heitzmanns Angaben eine wichtige Rolle: "Es bietet ein einzigartiges Ambiente in der Bodenseeregion für Veranstaltungen diverser Art und ist bei Hochzeitpaaren für die Ausrichtung der Feier sehr beliebt".

 

Das Palmenhaus

Seit 18 Jahren entzünden sich immer wieder die Gemüter am Glashaus am Schloss der Insel Mainau. Denn es beeinträchtigt den Blick auf das historische Ensemble Schloss und Schlosskirche. Allerdings hat auch das Glashaus für die Palmen an der Südseite des Schlosses schon eine lange Tradition. Nach Angaben in den Sitzungsunterlagen wurde die erste demontierbare und beheizbare Orangerie dort im Jahr 1867 errichtet. (rin)