Lukas ist blass. Der 11-Jährige sitzt auf dem Sofa und sieht ein bisschen gelangweilt auf einen Zeichentrickfilm, der eher seine zweijährige Schwester begeistert. Lukas hat im Moment viel Zeit, kann aber wenig damit anfangen. Im Februar wurde bei ihm ein lymphoblastisches Lymphom diagnostiziert. Die Chemotherapie schwächt ihn.

Dass ihr Sohn Krebs hat, hat Yvonne Träber, seine Mutter, erst völlig aus der Bahn geworfen

Angefangen hat alles vor etwa drei Monaten. Lukas habe über starke Schmerzen im Rippenbereich geklagt, später auch an der Lunge, an seiner Seite ist ein kleiner Knoten zu ertasten.

Yvonne Träber ist beunruhigt und spricht mit Lukas direkt in der Notaufnahme vor. Dort winkt die Ärztin ab, das seien Schmerzen an den Muskeln, nichts Bedenkliches. "Ich war verunsichert, habe mich aber auf die Ärzte verlassen", berichtet die Mutter.

Immer öfter klagt Lukas über Lungenschmerzen, er ist kurzatmig. In der Nacht zum 11. Februar kommt Lukas nachts dann zu seiner Mutter, "er war ganz grün im Gesicht", erinnert sich Yvonne Träber. Am Morgen bringt sie ihn zum Orthopäden, der alarmiert ist und die beiden zum Kinderarzt schickt.

Von dort geht es schnell ins Klinikum, ein Röntgenbild, ein CT wird gemacht. Das CT ergibt nichts Gutes: auf der Lunge ist ein riesiger Schatten zu sehen, es ist Wasser in der Lunge. "Der Arzt kam ins Zimmer und sagte mir, dass es ein Tumor ist", erinnert sich Yvonne Träber an diesen Moment, "es war schrecklich, ich konnte damit nicht umgehen".

Behandelt wird Lukas an der Uniklinik in Freiburg – und ist dort in guten Händen

Inzwischen hat die Familie den Schrecken der bösartigen Erkrankung ein ganzes Stück verarbeiten können. Bekämpft wird das lymphoblastische Lymphom an der Uniklinik Freiburg mit Cortison, jetzt ist Lukas Träber tumorfrei. Für Entwarnung ist es allerdings zu früh, zu aggressiv ist die Art von Tumor, die Behandlung hat zum Ziel, dass alle Krebszellen zerstört werden.

Viermal pro Woche muss Lukas nach Freiburg gebracht werden und bekommt dort Chemotherapie, in längeren Abständen auch eine Lumbalpunktion, die verhindert, dass Tumorzellen ins Gehirn wandern. Zehn Monate lang wird diese intensive Form der Behandlung dauern. Die Heilungschancen sind allerdings sehr gut.

Lukas' Kommentar zur Krankheit: "Es nervt."

Der Elfjährige geht mit der Gelassenheit eines Heranwachsenden mit seiner Krankheit um. Körperlich ist er schwach, seinen Humor hat er aber bewahrt und die Ängste um sein Leben seiner Mutter überlassen. "Es nervt", sagt er über die Krankheit und meint die vielen Fahrten nach Freiburg und, dass im Moment große Teile des Alltags ohne ihn stattfinden. Keine Schule, kein Fußballtraining und, dass "schönes Wetter ist, seit ich krank bin".

Keine Klage aber über die Nebenwirkungen der Chemotherapie, über Schmerzen oder die stete Müdigkeit, die ihn begleitet.

Yvonne Träber hat ihren Alltag vollständig umstellen müssen

Die Mutter von vier Kindern ist alleinerziehend und leitet seit zwei Jahren einen kleinen Friseursalon in Dettingen. "Dort haben im Moment meine zwei Teilzeitkräfte fast den gesamten Betrieb übernommen", sagt sie und ist dankbar für die Unterstützung. Seit sieben Wochen kümmert sie sich um ihren Ältesten und nicht um ihre Kunden.

Das ist finanziell kein gutes Konzept, im Moment hat die Familie kaum ein Einkommen bis auf den Unterhalt, den Lukas Vater für ihn und seine Schwester zahlt. Unterstützung bekommt Yvonne Träber von Lukas' Tante und ihrem Mann, Annuschka und Andrea Vitali. Sie fahren Lukas an manchen Tagen nach Freiburg, so dass seine Mutter wieder zu arbeiten beginnen kann. "Wenn ich die beiden nicht hätte, würde ich das nicht schaffen", macht Träber klar.

Der SV Litzelstetten hält zu Lukas – und hilft der Familie

Es gibt noch mehr Unterstützung: Lukas Träber spielt beim SV Litzelstetten Fußball, zuvor war er in Dettingen im Verein. Bei der D-Jugend ist er Torwart, ein Job, der ihm mehr liege als die Position des Verteidigers, wie er grinsend einräumt.

An Fußballspielen ist im Moment nicht zu denken, vergessen hat ihn sein Team aber nicht: "Ich kenne Lukas von klein auf", berichtet Maurizio Caré, Trainer der D-Jugend, "er ist immer beim Training dabei und sehr engagiert".

Jetzt möchte sein Verein etwas für die Familie tun, die so plötzlich in Bedrängnis gekommen ist. Am Samstag soll es ein Benefiz-Turnier für Lukas Träber geben, dessen Einnahmen an die Familie gehen. Maurizio Care hat es gemeinsam mit den anderen Jugendtrainern organisiert, es helfen außerdem die Eltern der Spielgemeinschaft Dettingen-Dingelsdorf, die Eltern der D-Jugend des SV Litzelstetten und das DJK Konstanz.

Maurizio Caré war selbst erstaunt über die Resonanz, die sein Facebook-Post, der über Lukas' Erkrankung und das Benefiz-Turnier informierte, hatte. "Ich bin ganz perplex. Viele haben angefragt, ob sie auch unabhängig vom Spiel etwas spenden können", berichtet er. Bisher sind bereits mehr als 2000 Euro zusammen gekommen. "Es ist ein schönes Gefühl, dass es dieses Vertrauen gibt".

Fußball spielen bleibt für Lukas vorerst ein Traum

Geld wird Lukas' Behandlungszeit nicht einfacher machen. Es kann aber den Alltag der Familie erleichtern, Yvonne Träber kann ihr Einkommensdefizit ausgleichen, vielleicht ist die Anschaffung einer Spülmaschine möglich. Lukas wird wieder zu Kräften kommen müssen, die Chemo verarbeiten, im Heimunterricht den Schulstoff nachholen.

Und irgendwann, nach Monaten, wird er wieder Fußball spielen. Darauf freut er sich jetzt schon.

Das Turnier und die Krankheit

  • Zum Turnier: Der SV Litzelstetten will gemeinsam mit der DJK Konstanz und der SG Dettingen-Dingelsdorf die Familie unterstützen und veranstaltet daher am Samstag, 30. März, ein F-Junioren Turnier. Folgende Mannschaften nehmen teil: SG Dettingen-Dingelsdorf, DJK Konstanz, FC Tägerwilen, SC Konstanz-Wollmatingen, SV Litzelstetten. Anstoß ist um 14 Uhr. Die Erlöse aus der Bewirtung gehen an Familie Träber.
  • Zur Krankheit: Lymphome sind Krebserkrankungen, die von Zellen des lymphatischen Systems ausgehen und als Hauptmerkmal Lymphknotenschwellungen zeigen, so erklärt es Peter Gessler, Chefarzt der Kinderklinik am Konstanzer Krankenhaus. Es handele sich mit einem Anteil von etwa 11 Prozent um die dritthäufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Es gibt bundesweit etwa 200 Neuerkrankungen pro Jahr. Die Lymphome werden in das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) und die große Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) eingeteilt. Fast alle Non-Hodgkin-Lymphome im Kindesalter sind hochgradig bösartig. Das heißt, sie breiten sich schnell im ganzen Körper aus und verursachen schwere Erkrankungen, die unbehandelt zum Tod führen, schreibt Gessler. Jungen erkranken mehr als doppelt so häufig wie Mädchen. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt.
  • Zur Behandlung: Im Mittelpunkte der Therapie stehe die Chemotherapie, so Gessler, meist werden Kombinationen verschiedener Chemotherapeutika eingesetzt, die über mehrere Monate gegeben werden müssen, gefolgt von einer Erhaltungstherapie über zwei Jahre. Komplikationen können entstehen einerseits wegen der Grunderkrankung und hängen mit der Schwächung der körpereigenen Abwehr zusammen. Es besteht die Gefahr von schweren Infektionen. Zudem könne die Chemotherapie Nebenwirkungen auf Nieren, Leber und Herz haben. Die Prognose ist abhängig vom Typ der NHL, allgemein kann man von einer Überlebensrate mit Chemotherapie von über 90 Prozent ausgehen.