Ich erinnere mich noch gut, als ich zum ersten Mal einen Ausflug nach Konstanz machte. Es war Sommer, wir kamen mit dem Zug an und gingen direkt zum Hafen. Dort legte ein Ausflugsschiff zur Mainau ab, später bummelten wir über die Marktstätte, von der ich damals keine Ahnung hatte, dass sie so heißt. Ich dachte nur: Wow, das ist wie in Italien.

An die Begeisterung von damals musste ich diese Woche denken, als ich mich genervt durch diverse Touristengruppen auf der Marktstätte kämpfte, um noch den Seehas zu erwischen. Ich wollte in diesem Moment dort leben und arbeiten, wo andere bitte keinen Urlaub machen.

Die Touristen, das sind immer die anderen

Das geht offenbar nicht nur mir so, paradox ist es dennoch. Reisen finden auch die Konstanzer super, nur um am Ende wieder sagen zu können: Hier ist es doch viel schöner. Reisende aber mag keiner so richtig. Die Touris, das sind immer die anderen. Und sie sind – ob Pauschalurlauber oder vermeintlich individuelle Rucksackreisende – weltweit zu einer peinlichen Erscheinung geworden, die allenfalls als Wirtschaftsfaktor willkommen ist. Dabei bringen sie Konstanz nicht nur Geld, Arbeitsplätze und die Gewerbesteuer ein, die durch den Rückzug der großen Industrie verloren ging – sondern auch einen anderen Blick auf die Stadt.

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Besuch von außen hat der Stadt schon immer gut getan

Da sind die Touristengruppen aus China, die sich begeistert zeigen, dass man in diesem See offenbar auch schwimmen kann. Oder die Familie aus Berlin mit den beiden Kindern, die weniger am Kultur-Programm ihrer Eltern und der spätgotischen Erneuerung des Konstanzer Münsters interessiert sind, sondern mehr an guten Fotos für Instagram. Oder die 20-köpfige Männer-Gruppe mit teilweise durchaus ausgefallenem Kleidungsstil, die an jenem Tag mit im Seehas saß, einer mit dem T-Shirt: "Schwules Sommercamp 2018". Besuch von außen hat der Insel Konstanz schon immer ganz gut getan, und selbst, wenn es mal voller wurde, konnte es lustig werden – man denke da nur an das Konzil vor 600 Jahren.

Die Stadt muss die Entwicklung künftig nur gut steuern

Tourismus wird dann zum Problem, wenn die Stadt an ihrem eigenen Erfolg erstickt – davon ist Konstanz aber noch weit entfernt. Noch stapeln sich rund um das Münster oder am Hafen keine Souvenirläden, im Gegenteil: Viele kleine, inhabergeführte Geschäfte, die gerade auch die Konstanzer schätzen, könnten ohne die Einnahmen der (Einkaufs-)touristen nicht überleben.

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Genauso ist es mit den Kultur-Angeboten, von denen auch die Einheimschen profitieren. Die Stadt muss die Entwicklung in den kommenden Jahren nur klug steuern, Antworten auf den Investitionsboom bei den Hotels finden und auf ein nachhaltiges Tourismuskonzept setzen. Dann können die Konstanzer auch weiterhin das italienische Lebensgefühl genießen. Besser als in Venedig.