Es wird geschliffen und gesägt, verlegt und montiert. An den Wänden lehnen Bretter, aus den Decken hängen Kabel, Musik dudelt aus vielen verschiedenen Radios. Während die neue Gemeinschaftsschule Gebhard von außen schon fertig ist, herrscht im Inneren geschäftiges Treiben. Sieben bis acht Gewerke sind momentan dabei, die Schule bezugsfertig zu machen. Denn schon nach den Sommerferien nehmen die Gemeinschaftsschüler und ihre Lehrer sie in Beschlag.

"Jetzt sind wir in der heißen Phase", sagt Ralph Bothe, stellvertretender Hochbauamtsleiter. "Die meisten Böden sind verlegt, viel Holz ist schon verbaut. Jetzt geht es um Millimeter. Die Handwerker müssen aufpassen, dass sie das Fertige mit ihren schweren Maschinen nicht wieder kaputt machen." Bislang lief alles nach Plan, ungewöhnlich für einen Bau in dieser Größenordnung. "Nur ein paar Fensterscheiben gingen kaputt", erzählt Bothe. Durch die Dreifachverglasung wiegt eine Scheibe 500 Kilogramm. Der Architekt führt in einen Raum, den die Handwerker als Musterklassenzimmer eingerichtet haben. So wird es bald überall aussehen in der neuen Gemeinschaftsschule: Graue Sichtbetonwände, graue Decke aus Holzfaserplatten, helles Weißtannenholz für die Einbauschränke und ein cremefarbener Teppich mit grauer Musterung, der die gedeckten Farben der Umgebung wieder aufnimmt. Erst die Jugendlichen bringen durch ihre Anwesenheit und durch im Kunstunterricht entstehende Bilder Farbe in die Schule. "Außerdem sind die Stühle gelb, rot, blau und orange", sagt Schulleiterin Elke Großkreutz.
 

Fast fertig: Die neue Gemeinschaftsschule in Konstanz nimmt Formen an, auch das Außengelände ist Ende Juni 2016 schon beinahe fertig gestellt.
Fast fertig: Die neue Gemeinschaftsschule in Konstanz nimmt Formen an, auch das Außengelände ist Ende Juni 2016 schon beinahe fertig gestellt. | Bild: Kirsten Schlüter
Hier wird unverkennbar gearbeitet: In den beiden oberen Stockwerken liegen schon die Böden, im Erdgeschoss noch nicht.
Hier wird unverkennbar gearbeitet: In den beiden oberen Stockwerken liegen schon die Böden, im Erdgeschoss noch nicht. | Bild: Kirsten Schlüter

In den Einbauschränken kommen nicht nur Lernmaterialien unter, sondern hinter dem edlen Weißtannenholz, das kaum nachdunkelt, versteckt sich auch die Technik für die Nachtkühlung. Elke Großkreutz ist begeistert vom neuen Gebäude. "Sehr gut gefallen mir auch die hölzernen Sitzleisten unter den großen Fenstern", schwärmt die Schulleiterin. Die dahinter befindliche Absturzsicherung, senkrechte Holzlamellen, lassen das Gebäude von außen filigran wirken, meint sie. Dass der Schulneubau bislang ohne große Pannen auskam, schreibt Großkreutz nicht nur dem Glück zu: "Alle Beteiligten, also die Stadt, unsere Schule und Eltern sowie die Handwerker, haben sehr konstruktiv zusammengearbeitet", sagt die Rektorin. "Durch diesen tollen gemeinsamen Geist bin ich jetzt total entspannt." Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann bestätigt: "Man sieht es einem fertigen Gebäude an, ob die Stimmung während der Bauphase gut war."

Bis wirklich die ersten Schüler und Lehrer einziehen können, warten aber noch einige Herausforderungen. "Der Umzug ist eine Herkulesaufgabe", so Großkreutz. Schließlich muss die gesamte Ausstattung, die bis Ende August noch im Telekomhochhaus untergebracht ist, in Kisten verpackt, sauber beschriftet und in den neuen Räumen wieder ausgepackt werden. Erst in zwei Wochen entscheidet die Schule nach einem längeren internen Prozess, welche Lerngruppen ins neue Gebäude umziehen und welche am alten Standort Zähringerplatz bleiben. Denn obwohl die Schule neu entsteht, ist sie zu klein. Angelegt wurde sie auf vier Züge, doch die Gebhardschule nahm durch den großen Ansturm schon mehrfach sechs Parallelklassen auf.
 

Die Lampen hängen schon, ansonsten ist noch viel zu tun im Inneren der neuen Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz. Sieben bis acht verschiedene Gewerke sind gleichzeitig bei der Arbeit.
Die Lampen hängen schon, ansonsten ist noch viel zu tun im Inneren der neuen Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz. Sieben bis acht verschiedene Gewerke sind gleichzeitig bei der Arbeit. | Bild: Kirsten Schlüter
Das wird die Lehrküche. Erkennbar sind schon die Abzugshauben sowie die Stromkabel.
Das wird die Lehrküche. Erkennbar sind schon die Abzugshauben sowie die Stromkabel. | Bild: Kirsten Schlüter

Stegmann freut sich, dass die zweitgrößte städtische Baustelle (nach dem Klinikum) im geplanten Zeit- und Kostenrahmen bleibt. "Schön ist vor allem auch, dass wir eine Modellschule gebaut haben, die nicht mehr aussieht wie eine Schule von 1900 mit einem Flur und vielen Klassenzimmern", so Stegmann. Das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule erfordert eine flexible Raumaufteilung, die durch Schiebetüren gewährleistet ist. Dezentrale Lehrerarbeitsräume, die in die Lerngruppen integriert sind, ersetzen ein großes Lehrerzimmer. "Das Lernen verändert sich ja auch in den anderen Schularten, solche Gebäude wird es künftig öfter geben", sagt der Amtsleiter. Er erwartet eine große Resonanz auf das Haus: "Bei einem Rundgang mit der Architektenkammer haben jedenfalls alle ganz große Augen gemacht."
 

Noch ist dieser Raum grau und leer. Ab September speisen in der Mensa die Schüler der Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz.
Noch ist dieser Raum grau und leer. Ab September speisen in der Mensa die Schüler der Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz. | Bild: Kirsten Schlüter
Blick in das Musterklassenzimmer: Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann (links), sein Stellvertreter Ralph Bothe und Schulleiterin Elke Großkreutz zeigen die Schrankwände und den neuen Teppichboden, der eine ähnliche Farbe hat wie Decke und Wände.
Blick in das Musterklassenzimmer: Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann (links), sein Stellvertreter Ralph Bothe und Schulleiterin Elke Großkreutz zeigen die Schrankwände und den neuen Teppichboden, der eine ähnliche Farbe hat wie Decke und Wände. | Bild: Kirsten Schlüter

So groß und teuer ist die neue Schule


Das Schulgebäude: Es hat vier Geschosse. Für die 11 200 Quadratmeter Boden und Deckenplatten werden 4400 Kubikmeter Beton und 820 Tonnen Stahl verbaut. Die Schule stützt sich auf 140 Bohrpfähle. Sie kostet mit Einrichtung rund 20 Millionen Euro. 732 Kinder werden hier lernen. Entworfen hat das Gebäude das Architekturbüro Broghammer, Jana, Wohlleber.

Sporthalle und Außengelände: Die Dreifeld-Sporthalle hat eine besondere Holzdeckenkonstruktion, Tribüne, Gymnastikraum und Küche.
Der Boden wird grün und erhält eine Fußbodenheizung. Im Wesentlichen ist die Halle fertig. Sie benötigt 1050 Kubikmeter Beton, 280 Tonnen Stahl und 141 Bohrpfähle und kostet mit Einrichtung rund sieben Millionen Euro. Das Außengelände mit Sitzgelegenheiten und Klettergeräten ist ebenfalls fast fertig. Noch fehlen die unzähligen Fahrradständer. Schule und Halle werden Anfang Dezember eingeweiht.

Die Einrichtungskosten: Alle Möbel, die bisher im Telekomhochhaus stehen, ziehen in den Neubau um. Zusätzlich hat die Stadt neues Mobiliar bestellt, darunter 402 Stühle für die Lernräume (676 im Bestand), 336 Schülerrollcontainer, je 157 Tische mit und ohne Rollen (im Bestand 260 bzw. 300 Tische), 105 Mülleimer, 35 interaktive Tafeln und weitere unzählige Schränke und Regale. Dazu kommt die Ausstattung für die Lehrküche und weitere Fachräume, für Küche und Mensa und die Verwaltung. Dies kostet laut städtischem Schulamt insgesamt 1,68 Millionen Euro. Größte Posten sind die Fachraumausstattung (810 000 Euro), Möbel für Lerngruppen, Lehrer und Aula (340 000 Euro) und Technik wie Tafeln, EDV und Lautsprecheranlage (240 000 Euro). (kis)