Es gibt da eine Sache, vor der sich Smartphone-Besitzer fürchten: Das Spinnennetz. Ein falscher Griff, und schon liegt das teure Handy auf dem Boden, mit einem zebrochenenen Display. Viele schützen ihr Smartphone deshalb mit speziellen Folien. Einer der führendsten europäischen Hersteller solcher Schutzfolien kommt nicht etwa aus Hamburg, London oder Madrid – sondern aus Konstanz.

Das Geschäft entsteht in einer Studentenbude

"Angefangen hat alles während des Studiums", sagt Gründer Thomas Berkenkämper.
"Angefangen hat alles während des Studiums", sagt Gründer Thomas Berkenkämper. | Bild: Pfanner, Sandra

2003 studiert er in den letzten Zügen an der Konstanzer Hochschule HTWG Wirtschaftsinformatik und hat sich gerade eine neue Digitalkamera gekauft. Weil er keine passende Schutzfolie für deren Display findet, schneidet er sich selbst eine zu. Die restliche bearbeitete Folie stellt er bei eBay ein.

Die Nachfrage ist groß – und Berkenkämper produziert weiter. Zunächst alleine in seiner 20-Quadratmeter-Studentenwohnung. Kurze Zeit später steigt Studienkollege Dominik Oriwall mit ein. Die Versandtaschen kuvertieren sie in der Küchenecke der Studentenbude.

Bestellung aus dem Bundeskanzleramt

Das war 2003. Heute, 15 Jahre später, sitzt die Firma Bedifol von Thomas Berkenkämper und Dominik Oriwall mit 75 Mitarbeitern auf dem Campus Konstanz im Industriegebiet, liefert in fast alle Länder weltweit und hat nach eigenen Angaben mehr als sieben Millionen Kunden.

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Grob gesagt: Für alles, was ein Display hat, stellt die Firma Schutzfolien her. Darunter Smartphones, Tablets, aber auch Küchenmaschinen wie den Thermomix, Fahrradcomputer oder Blutzuckermessgeräte. Zu den Kunden zählt laut Berkenkämper ein Großteil der DAX-Unternehmen wie beispielsweise BMW, Allianz, Siemens, Lufthansa oder die Deutsche Telekom.

Aber auch Kliniken auf der ganzen Welt beliefert die Konstanzer Firma, etwa mit antibakteriellen Schutzfolien für medizinische Geräte. Ein besonderer Auftrag kam auch aus Berlin: Das Bundeskanzleramt orderte spezielle Handy-Folien mit Blickschutz. Auch Privatkunden können solche Folien kaufen – um zum Beispiel zu verhindern, dass der Sitznachbar im Roten Arnold beim WhatsApp-Schreiben mitliest.

Konstanzer Herausforderungen für die Mitarbeiter: Verkehr und bezahlbarer Wohnraum

Unternehmen wie Bedifol sind genau die, von denen Konstanz gerne mehr hätte: Studenten verlassen die Stadt nicht nach dem Studium, sondern bleiben hier, gründen ein erfolgreiches Start-up und schaffen Arbeitsplätze.

"Wir haben hier in Konstanz einen sehr guten Standort", sagt Dominik Oriwall.
"Wir haben hier in Konstanz einen sehr guten Standort", sagt Dominik Oriwall. | Bild: Pfanner, Sandra

Doch auch sie kämpfen mit zwei Problemen, die die ganze Stadt kennt: Wohnen und Verkehr. An Spitzentagen verschickt Bedifol mehr als 10.000 Sendungen von Konstanz aus und verspricht, dass sie innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sein können. Das Verkehrs-Nadelöhr Konstanz und der ständige Stau auf der B33 seien da eine ständige Herausforderung.

Auch das Thema Wohnraum beschäftigt die Unternehmer. Die meisten ihrer Mitarbeiter pendeln aus den umliegenden Gemeinde zur Arbeit. "Bezahlbaren Wohnraum in Konstanz zu finden ist so gut wie unmöglich", sagt Oriwall. In Zeiten des Fachkräftemangels reicht es den Unternehmen nicht mit dem Bodensee zu werben, wenn sie keine passende Wohnung finden. Aktuell etwa suche die Firma dringend einen IT-Softwareentwickler.

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