Konstanz Leopard attackiert in Namibia Touristen aus Konstanz

Das Wildtier verbeißt sich in Kehle des Mannes. Der 61-Jährige ist noch in Namibia im Krankenhaus, will aber so bald wie möglich nach Hause.

Bei seiner Reise durch Afrika ist ein Konstanzer Tourist von einem Leoparden angegriffen worden. Das Tier hat den Mann am Hals gepackt und auch mit den Krallen schwer verletzt. Eine siebenstündige Operation war die Folge. Die Intensivstation hat er zwischenzeitlich verlassen können. Sobald er reisefähig ist, will der Konstanzer mit seiner Ehefrau zurück an den Bodensee.

Noch kein Kontakt zu 61-Jährigem

Der Konstanzer liegt aber noch im Krankenhaus. Das Welwitschia-Privatkrankenhaus in Walvis Bay bestätigte indirekt, dass der 61-Jährige dort noch ist. Eine Kontaktaufnahme zu ihm war dem SÜDKURIER bislang nicht gelungen. Der Vorfall mit dem Leoparden hat sich in der vergangenen Woche ereignet, wie die Allgemeine Zeitung in Namibia, ein deutschsprachiges Medium, berichtete. Der Konstanzer (Name ist der Redaktion bekannt) war im Kuiseb Canion nahe Swakopmund von dem Tier angegriffen worden. „Ich habe mir die ganze Zeit nur gedacht, ich darf nicht ohnmächtig werden. Ich wusste, wenn ich einschlafe, dann ist es vorbei“, sagte er der Allgemeinen Zeitung. Es sei dieser Instinkt gewesen, der ihn nach dem Leopardenangriff das Leben gerettet habe: „Ich kann es noch nicht fassen, dass ich lebe.“ Ironischerweise war es das erste Mal, dass das Ehepaar aus Konstanz einen Leoparden überhaupt gesehen hatte. „Und dabei war ich schon viermal in diesem Land und habe Namibia mit Mietwagen getourt“, sagte der 61-Jährige. Genau aus diesem Grund ist dieser außerordentliche Angriff auch für ihn ein Rätsel.

An diesem Fenster des Reisemobils hat der Leopard den Konstanzer angegriffen. Er war mit seiner Frau zu einer Rundreise durch Namibia unterwegs.
An diesem Fenster des Reisemobils hat der Leopard den Konstanzer angegriffen. Er war mit seiner Frau zu einer Rundreise durch Namibia unterwegs. | Bild: privat

Gefährlicher Blick aus dem Fenster

Der Mann und seine Frau waren zwei Wochen vor dem Angriff in Namibia angekommen. Sie hätten Bekannte in Windhoek und Swakopmund besucht, bevor sie letztlich mit dem aus Deutschland eingeschifften Lastwagen, der als Wohnmobil umgebaut ist, das südliche Afrika bereisen wollten. „Wir haben uns zuerst den Kuiseb-Canyon angeschaut." Er habe sich hierfür eine entsprechende Genehmigung beim Büro des Umweltministeriums besorgt. Insgesamt drei Tage hätten sie am Canyon verbracht. Die letzte Nacht hätten sie nicht unter der Brücke im Kuiseb-River, sondern einige hundert Meter davon entfernt, verbracht. „Als wir dort ankamen, war eine andere Gruppe, die dort campiert hatte, gerade am Abreisen“, ergänzte seine Ehefrau im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung.

Mit Krallen am Kopf gekratzt

Am frühen Donnerstagmorgen sei das Unheil passiert. Der Leopard habe den Konstanzer angegriffen, als er das kleine Fenster des Wohnmobils habe schließen wollen. Das Tier habe sich an seiner Kehle festgebissen und ihn mit den Krallen am Kopf zerkratzt. „Ich habe meine Daumen in die Augen des Tieres gepresst, doch das Tier ließ nicht nach. Dann habe ich um ein Messer geschrien“, sagte der Mann. Vier Minuten lang habe der Leopard an seiner Kehle gehangen, bis das Tier endlich losgelassen habe: „Es hat sich wie eine Ewigkeit angefühlt."

Lautes Hupen hilft nichts

Was merkwürdig sei: An dem Wohnmobil ist eine besonders laute Hupe angebracht. Seine Frau habe diese lange gepresst, doch das habe den Leopard überhaupt nicht gestört. Vier Stunden lang habe dieser auf dem Dach des Campingfahrzeuges gesessen und weiter „gekratzt“. Nach Sonnenaufgang wurde das Paar von Wilfred Andreas vorgefunden. Andreas habe das Reisemobil nach Walvis Bay gefahren und eine Bekannte benachrichtigt, die wiederum einen Ambulanzdienst angerufen habe. „Die Frau bei der Notstelle wollte mir anfangs nicht glauben“, sagte die Bekannte gegenüber der Allgemeinen Zeitung. Leoparden gelten nicht als aktiv Menschen angreifende Tiere. Der Konstanzer wird vorerst weiter im Krankenhaus bleiben. Sobald die Ärzte es erlauben, werde das Paar zurück in die Heimat fliegen. „Ich bin über die deutsche Botschaft in Namibia enttäuscht. Sie haben uns nur gesagt, dass sie für uns nichts weiter tun können“, erklärte der Angegriffene.

Experte sucht nach Erklärung

Inzwischen hat der Tierarzt Diethardt Rodenwoldt, der bei der Afri-Cat-Stiftung aktiv ist, verschiedene Theorien über die Attacke und vor allem das außergewöhnliche Verhalten der Raubkatze geäußert. So vermutet er, dass der Leopard eventuell als zahmes Tier großgezogen und später ausgesetzt worden ist. „Das würde erklären, warum der Leopard keine Angst vor Menschen oder dem Wagen hatte“, so Rodenwoldt. Ferner meint er, dass der Leopard entweder extrem hungrig gewesen oder vielleicht sogar mit Tollwut infiziert sei. Unterdessen hat das Ministerium für Umwelt und Tourismus angekündigt, den Angriff untersuchen zu wollen. „Es ist ein sehr, sehr bedauerlicher Vorfall“, sagte Pressesprecher Romeo Muyunda auf Nachfrage der Allgemeinen Zeitung. Er ergänzte, dass sein Ressort den Fall untersuchen werde und nach Abschluss der Ermittlungen sich die Zukunft des Tiers ergeben werde.

Das Land und ein Hai-Angriff

  • Namibia: Das Land liegt im Südwesten Afrikas. Auf dem Kontinent gilt es als fortschrittlich und modern. Ein Grund liegt darin, dass Namibia deutsches Kolonialgebiet war und sich dort noch etliche Bauten aus dieser Zeit befinden. Von 1884 bis 1915 war Deutsch Amtssprache, und auch heute ist es noch weit verbreitet und akzeptiert. Es gibt viele deutschstämmige Einwohner. Hauptstadt ist Windhoek. Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau sind für das Land prägend. Staatsform ist eine stabile parlamentarische Demokratie.
  • Ein weiterer Fall: Nicht nur der Angriff eines Leoparden auf einen Konstanzer ist von medialem Interesse. Vor sechs Jahren hat ein Hai eine Konstanzerin attackiert. Sie war am Vero Beach etwa 30 Meter vom Strand entfernt, als das Tier zubiss und sie am linken Bein schwer verletzte. Mit einem Hubschrauber wurde sie umgehend in eine Spezialklinik gebracht und operiert. Rettungsschwimmer Erik Toomsoo sagte damals gegenüber amerikanischen Medien, die Konstanzerin habe "Glück im Unglück" gehabt. Sechs Jahre danach sagt sie gegenüber dem SÜDKURIER auf Anfrage, dass sie gelernt habe, mit den körperlichen Folgen des Hai-Angriffs umzugehen.
  • Leopard und Gepard: Beide Tiere sehen sich ähnlich. Sie sind daran zu unterscheiden, dass der Gepard kleiner ist, im Gesicht schwarze Linien von Augenhöhle bis zum Unterkiefer hat, er kann kurzzeitig bis zu 100 km/h schnell sprinten. Der Leopard ist muskulöser, seine schwarzen Flecken hat verschiedene Farbtöne und Muster, er ist vorwiegend nachtaktiv. Beide Tiere leben in Afrika. Der Jaguar, ähnlich aussehend, ist auf dem amerikanischen Kontinent zu Hause.

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