Der 2. Februar ist ein nasskalter, vernebelter Tag in Konstanz. Das Quecksilber klettert nur mit Mühe über die Null-Grad-Grenze. André Kirberg bringt seine Freundin zur Arbeit und beschließt danach, noch eine Runde spazieren zu gehen, bevor er selbst sein Tageswerk vollbringen möchte. Als er sich bei der alten Rheinbrücke auf Höhe der Seestraße befindet, sieht er, wie eine Frau in den Seerhein springt. "Ich wusste erst gar nicht, was los war", erinnert er sich. "Doch dann bin ich sofort losgerannt. Über die Brücke, am Rheintortum vorbei in Richtung Pulverturm." Die Frau immer im Blickfeld. Zwischen den Türmen sieht er einen Polizeibeamten, neben ihm ein Streifenwagen. "Ich war gerade auf dem Weg zum Amtsgericht, weil ich dort aussagen musste", erzählt der Beamte Dominik Spießer. "Als ich auf der Rheinbrücke war, rief mir ein Kollege von den Entsorgungsbetrieben zu, dass eine Person im Seerhein treiben würde."

Eile geboten

Er setzt sofort einen Notruf ab und machte sich ein Bild von der Lage. Gedankenschnell war ihm klar, dass ein eigener Sprung ins Wasser, um die Person zu retten, angesichts von einer Wassertemperatur von zwei Grad falsch wäre. Er versucht, mit der Frau zu kommunizieren. Keine Antwort. Es ist Eile geboten. "Ich ging den Seerhein entlang, sah die Boote am Ufer und fragte André Kirberg, ob er mir helfen könne. Er sagte sofort ja." Zusammen reißen sie ein Boot los und paddeln in einem Bogen zu der Person. "Es war klar, dass eine Person es niemals geschafft hätte, die Frau aus dem Wasser zu holen", sagt der Polizeibeamte. Die starke Strömung, das Boot ohne Motor, das eiskalte Wasser, die mit Wasser vollgesogenen Kleider. "Es konnte nur zu zweit gehen", erzählt André Kirberg.

Vorbildlicher Einsatz

Binnen weniger Augenblicke schmieden die beiden eine lebensrettende Allianz. Der eine weiß, was der andere macht. "Aber ehrlich", sagt André Kirberg. "Das meiste Lob gebührt Dominik Spießer, der genau wusste, was zu tun war und der eine tolle Arbeit machte." Es sei in unserem Land ja schon fast normal, die Polizei zu kritisieren, "doch ich muss sagen: Ich bin froh und glücklich, dass wir so tolle Polizisten haben. Das kann man in meinen Augen nicht oft genug unterstreichen". Oberbürgermeister Uli Burchardt, der die Ehrung gestern Abend im Namen der Stadt und stellvertretend für Ministerpräsident Winfried Kretschmann durchführte, nickte während dieser Worte: "Das war hochprofessionell, vorbildlich und sehr gut reagiert. Von beiden Männern. Dafür gebührt Ihnen der Dank der Stadt Konstanz und des Landes Baden-Württemberg." Für sie steht jedoch fest: Das, was sie gemacht haben an jenem 2. Februar, war für sie selbstverständlich.

Dominik Spießer möchte das Lob an seinen Co-Lebensretter gerne zurückgeben. "Wir Polizisten bekommen ja selten Lob, meistens Kritik und müssen uns einiges anhören", erzählt er. "Ich möchte betonen, dass selbstlose Hilfe von Mitbürgern nicht selbstverständlich ist. André Kirberg hat toll reagiert in einer risikoreichen Situation." Er selbst sei Polizist und habe als solcher nicht zum ersten Mal einer Person das Leben gerettet, "auch wenn das komisch klingt. Es ist aber so. Das ist ein Stück weit mein Beruf, zumindest aber meine Berufung. André Kirberg jedoch hat als normaler Bürger gehandelt." Auch in seiner Freizeit geht Dominik Spießer übrigens einer gemeinnützigen Beschäftigung nach – dann sogar ehrenamtlich: Er ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Öffentliche Ehrung

Für die Rettung eines Menschen aus Lebensgefahr können die Rettungsmedaille verliehen oder eine öffentliche Anerkennung ausgesprochen werden. Daneben können ein Geldbetrag, ein Ausgleich für Sachschäden und ein Sachgeschenk bewilligt werden. Über die Ehrung wird eine Urkunde des Ministerpräsidenten ausgefertigt. Die Art der Ehrung richtet sich nach der Gefährlichkeit der Rettung. Über die Verleihung der Rettungsmedaille, die öffentliche Anerkennung, die Ehrengabe, den Schadensausgleich und das Sachgeschenk entscheidet der Ministerpräsident auf Vorschlag des Innenministeriums.