Philip Ditting hat eine klare Meinung: „Die Konstanzer Spielplätze sind null attraktiv“, sagt der 36-Jährige. Er ist Vater von zwei Kindern im Alter von drei und eineinhalb Jahren und ärgert sich: „An vielen Orten gibt es nur Schaukel, Rutsche, Sandkasten, Wippe, fertig. Spielgeräte, die Kinder zum längeren Verweilen anregen, gibt es hier nicht.“

Ditting kennt sich aus

Als Erzieher ist er oft mit Kindern in der Stadt unterwegs, immer auf der Suche nach Spielflächen. Er empört sich weiter: „Und wenn es dann mal was Attraktives wie das in die Straße eingelassene Trampolin an der Bruder-Klaus-Straße gab, wird das wegen Anwohnerprotesten abgebaut. Welchen Stellenwert haben Kinder eigentlich in Konstanz?“, fragt er sich.

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Einen sehr großen, entgegnet Herbert Schmitz

Auch er muss es wissen, denn er ist beim städtischen Amt für Stadtplanung und Umwelt für die Spielflächen zuständig. Schmitz breitet einen großen Plan von Konstanz auf dem Tisch aus und erklärt die bunten Symbole, die sich quer über das Papier erstrecken: „Hier sind Spielplätze, Skateanlagen, Grillstellen, Bolzplätze, Anlagen für Senioren und alle weiteren Spielflächen eingezeichnet“, erklärt er und will damit sagen: Die Stadt möchte Angebote für alle Altersgruppen schaffen, nicht nur für Kinder.

„Würde für Spielplätze mal richtig Geld in die Hand nehmen“

Philip Ditting findet das gut, denn er hat selbst erlebt, dass die Kitakinder sehr gern auf dem Bewegungspfad für Senioren am Schänzle spielen. Dennoch vermisst er einen Abenteuerspielplatz, wie es ihn beispielsweise auf der Mainau (kostenpflichtig), im Kreuzlinger Seeburgpark oder im Ort Bodman gibt.

So sieht für Philip Ditting ein Spielparadies für Kinder aus, gesehen in Bodman.
So sieht für Philip Ditting ein Spielparadies für Kinder aus, gesehen in Bodman. | Bild: Philip Ditting

„Wenn ich für die Spielplätze in Konstanz zuständig wäre, würde ich mal richtig Geld in die Hand nehmen und so etwas für die Kinder bauen“, sagt der Vater.

Alles eine Frage des Budgets, sagt der Verantwortliche der Stadt

Für Herbert Schmitz kommt das aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. „Erstens kostet so eine Anlage 150.000 bis 200.000 Euro und hält vielleicht 15 Jahre, dann ist sie abgewirtschaftet und muss ersetzt werden. Gehen wir so mit unserem Geld um?“, fragt er sich.

Schmitz: Vorsicht vor Pilgertourismus zum Spielplatz

Der Stadtgartenspielplatz biete mit Kletternetzen, Wackelbrücke und Rutsche sehr ähnliche Elemente und bestehe schon seit 20 Jahren. „Das hält nochmal zehn Jahre“, so Schmitz. Wenn er eine solche Summe übrig hätte, wie sie für einen Abenteuerspielplatz nötig wäre, würde er sie ohnehin lieber dezentral in viele kleine Attraktionen investieren. „Unsere Philosophie ist es, die Kinder wohnortnah mit Spielmöglichkeiten zu versorgen, sonst entsteht ein Pilgertourismus zu dem einen tollen Spielplatz“, sagt Schmitz.

Mehr als 50.000 Euro pro Jahr sind für Spielplatz-Unterhalt nicht vorgesehen

Davon abgesehen hat die Stadt gar nicht so viel Geld. 50.000 Euro jährlich seien es für den Unterhalt der Spielplätze sowie für Neuanschaffungen. „Davon kann ich gerade mal zehn Rutschen kaufen“, so der Planer. Martin Wichmann, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadtplanung und Umwelt, pflichtet bei: „Wir sehen, dass die Stadt in allen Bereichen ein begrenztes Budget hat und machen das Beste draus. Wir haben hier trotzdem ein hohes Niveau bei den Spielflächen.“

Schmitz ergänzt: „Auch wir wälzen Kataloge und schauen uns in anderen Städten um. Doch im Lauf der Jahre bin ich immun dagegen geworden, jedem Trend hinterherzulaufen.“ Mal seien bunte Spielgeräte in Mode, mal Wipptiere, nun seien es eben Spielplätze aus Holz.