Konstanz Lange Nacht der Wissenschaft in Konstanz: 7300 Besucher kommen aus dem Staunen nicht heraus

Rekord-Ansturm auf eine der beliebtesten Veranstaltungen in Konstanz: Der Forschungsstandort Konstanz macht noch mehr Menschen neugierig als vor drei Jahren. An 140 Stationen kamen die Wissenschaftler aus dem Beantworten von Fragen gar nicht mehr heraus.

Die Welt der kleinsten Teilchen ist dem großen Ansturm kaum gewachsen. Selbst im versteckt liegenden Nano-Labor an der Universität Konstanz drängen sich die Neugierigen. Die lange Nacht der Wissenschaft zieht 7300 Wissensdurstige an, nochmals 300 mehr als zuletzt im Jahr 2014. Die Idee Forschungsthemen für jedermann begreifbar zu präsentieren, kommt auch in der vierten Auflage bestens an. Viele der Besucher waren schon in den Vorjahren dabei, so wie Maria Meßmer, die mit dem zehn Jahre alten Sohn Nicolas und ihrem Mann Joachim gekommen ist. Alle drei sagen, dass ihnen die Präsentionen und Führungen so viel Spaß machten, dass sie gerne wieder kommen. Allerdings müssten sie sich jetzt erst einmal ein wenig orientieren.

Die Auswahl ist riesig. 90 Seiten dick ist das Programm, das 140 Präsentationen, Führungen, Mitmachaktionen und Vorträge für Alt und Jung auflistet. Beteiligt sind die beiden Konstanzer Hochschulen, die Kreuzlinger Pädagogische Hochschule, die Insel Mainau sowie die Stadt Konstanz und mit ihr auch Schüler des Suso-Gymnasiums mit Präsentationen. Felix Hauswald und Felix Romer haben im Rahmen von Jugend forscht ein Hitzepflaster entwickelt, das die Ausbildung einer Schwellung nach einem Insektenstich verhindern soll. Der Trick dabei: Die Wärme verändert die Proteine im Gift so, dass der Körper nicht mehr Alarm schlägt. Es soll dann zu keiner Schwellung kommen. Clever auch die Idee von Yannick Schmitz, der Altpapier in ein Nahrungsmittel verwandelt, der also aus Cellulose (pflanzliche Zellwände) Glucose (Zucker) gewinnt. "Zeitung für den Tee" hat er sein Projekt überschrieben.

Wissenschaft zum Anfassen: Für diesen Versuch machen sich die Besucher der Langen Nacht der Wissenschaft gern die Finger schmutzig. Das flüssige Gemisch aus Wasser und Stärke wird unter starken Schallwellen plötzlich fest.
Wissenschaft zum Anfassen: Für diesen Versuch machen sich die Besucher der Langen Nacht der Wissenschaft gern die Finger schmutzig. Das flüssige Gemisch aus Wasser und Stärke wird unter starken Schallwellen plötzlich fest. | Bild: Claudia Rindt
Manches in der langen Nacht ist nichts für die ganz zarten Gemüter. Im Bildungsturm ist zu sehen, wie aus einem Tierkadaver ein Ausstellungsstück fürs Museum wird. Am präparierten Tier ist im Prinzip nur das Fell echt. Es wird über einen aus Draht und Holzwolle modellierten Körper und aus einem aus Knetmasse geformten Kopf gezogen. Dicht unmlagert an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung sind die Präsentationen am dreidimensionalen Drucker. Joachim Schneider aus Ravensburg hat besonderes Interesse an diesem Gerät. Er ist zusammen mit seiner Frau und der Tochter, die in Konstanz studiert, in der Wissensnacht unterwegs. Er hofft auf Hilfe der modernen Technik bei einem Oldtimer-Problem. Für seinen VW-Bus, Baujahr 1987, braucht er Ersatz für ein Gitterteil aus Kunststoff, das wohl nicht mehr auf dem Markt zu bekommen ist. Jetzt würde er das Teil gern dreidimensional nachdrucken lassen. Theoretisch wäre dies höchstwahrscheinlich möglich, allerdings bisher noch mit sehr hohem Zeitaufwand, sagt der Informatiker Felix Peter. Für die Nachbildung der Büste des Hochschulgründers Alfred Wachtel im Drei-D-Druck habe die Wissenschaft jedenfalls einige Wochen arbeiten müssen.

Fasziniert vom Drei-D-Drucker: Johannes Fischer und hunderte andere nutzen die Gelegenheit, bei der Nacht der Wissenschaft in Konstanz offene Labors zu besuchen, wie hier ander Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung.
Fasziniert vom Drei-D-Drucker: Johannes Fischer und hunderte andere nutzen die Gelegenheit, bei der Nacht der Wissenschaft in Konstanz offene Labors zu besuchen, wie hier ander Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung. | Bild: Claudia Rindt

In der langen Nacht der Wissenschaft sind die Gratis-Busse zur Universität auch nach 20 Uhr gestopft voll. Kinder üben sich dort im Blasrohrschießen, zu dem es im Hochschulsport tatsächlich Kurse gibt, oder im Bau von Seifenkisten. Erwachsene besuchen Vorträge wie zum Higgs-Teilchen. Und natürlich hat die hochspezialierte Forschung ihre großen Auftritte, etwa das Nano-Labor mit dem gut eine Million Euro teuren Elektronen-Mikroskop. Hier haben die Besucher so viele Fragen, dass diese erst weit nach dem eigentlichen Ende der Führung um 22 Uhr beantwortet sind.

"Wir sind die Stadt der Hochschulen und Wissenschaft", sagte Bürgermeister Andreas Osner bei seiner Eröffnungsrede auf dem Münsterplatz. Die Hochschulen nannte er einen Motor für Stadtentwicklung. Osner betrachtet es als wichtiger denn je, sich den Wert der Wisschenschaft für die Gesellschaft vor Augen zu halten. Er erinnerte an Machthaber, die versuchten wissenschaftliche Erkenntnisse klein zu reden und die wissenschaftliche Freiheit zu beschneiden. Sie legten so auch die Axt ans demokratische Gemeinwesen.

Neuauflage 2018

Der Termin der nächsten langen Nacht der Wissenschaft steht schon fest: Nach Angaben von Unisprecherin Julia Wandt ist es der 23. Juni 2018. Die Initialzündung zur Wissensnacht kam 2010 von der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen. Seitdem wird (mit einer Unterbrechung) alle zwei Jahre eine lange Nacht der Wissenschaft angeboten. Am Projekt beteiligt sind die Universität Konstanz, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, die Pädagogische Hochschule in Kreuzlingen und die Insel Mainau. Zum Abschluss der Wissensnacht stieg dort ein großes Fest. (rin)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren