Konstanz – Kunststoff ist der prägnante Titel des Projekts. Getroffen hat es einige Skulpturen in der oder nahe der Konstanzer Innenstadt: Das Denkmal zu Ehren Graf Zeppelins: verhüllt. Die Skulptur am Gebäude der HTWG: verhüllt. Der Kaiserbrunnen an der Marktstätte: verhüllt.

Das Verpackungsmaterial in grellem Pink ist ein Blickfang und entsprechend große Aufmerksamkeit haben die Kunstwerke, an denen die meisten Passanten sonst meist achtlos vorbei gehen, erregt. Genau dies wollte Kulturamtsleiterin Sarah Müssig erreichen, als sie das Projekt Kunststoff gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Regionauten und dem Künstler Joachim Steiner initiierte. Eine Broschüre zur Kunst im öffentlichen Raum hatte die Stadt schon vor drei Jahren herausgegeben, doch die Nachfrage hielt sich in Grenzen.

Das ist inzwischen anders: Den Kunstführer von damals wollen nun plötzlich viele Bürger erwerben, die Nachfrage habe sich um 300 Prozent gesteigert, sagt Sarah Müssig. Darüber hinaus habe es völlig unterschiedliche Reaktionen von Passanten, Gästen und Einheimischen auf die Verhüllungsaktion gegeben. "Einige waren euphorisch, gerade alteingesessene Konstanzer äußerten Begeisterung". Es habe auch viele kritische Stimmen gegeben, manchen erschloss sich das Projekt nicht, sie vermuteten dahinter eine eigene Kunstaktion ähnlich der Christos, der vor Jahren den Reichstag verhüllte.

Radikaler gestalteten sich Reaktionen derer, die auf Diskussionen verzichteten: Mehrfach gab es Fälle von Vandalismus: der Stoff um einige Skulpturen wurde über Nacht entfernt oder zerstört. Bei einigen Skulpturen passierte das mehrmals. "Mit dieser Heftigkeit habe ich nicht gerechnet", berichtet Müssig. Sie glaubt nicht, dass der Vandalismus an diesen Denkmälern Zufall war, da es stets dieselben Skulpturen traf: jeweils Abbildungen von Menschen, etwa am Karl-Steurer-Brunnen oder die Skulptur der heiligen Familie in der Nähe des Münsters. "Irgendwen muss dies provoziert haben." Auch auf den sozialen Netzwerken gab es vor allem in der Anfangsphase zahlreiche Kommentare. Die zustimmenden Äußerungen hätten sich intensiver mit dem Projekt auseinander gesetzt, andere Bürger schrieben von der Verschwendung von Steuergeldern und konnten keinen Sinn hinter dem Vorhaben entdecken.

Provokation, Ablehnung, Aufmerksamkeit: all dies waren gewollte Reaktionen. Felix Pfäfflin, der für die Agentur Regionauten an der Umsetzung des Projekts beteiligt war, berichtet von einem Kunstlehrer, der behauptet hatte, alle Kunstwerke gut zu kennen. Im Ergebnis sei er erstaunt gewesen, bei wie vielen verhüllten Objekten er nicht wusste, welche Skulptur verdeckt ist. Er machte das Projekt kurzerhand zum Unterrichtsstoff. Ähnlich wie Sarah Müssig zieht Pfäfflin eine positive Bilanz: "Die Leute gehen mit offeneren Augen durch die Stadt. Viele Menschen waren von dem Projekt überrascht."

Abschlussveranstaltung

Das Projekt Kunststoff wird am Donnerstag, 12. April, mit der Kunststoff-Show im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster offiziell abgeschlossen. Beginn ist um 19 Uhr. Konstanzer Persönlichkeiten aus ganz verschiedenen Bereichen, Schüler, zwei Personen aus dem Sport, dem Kulturbereich und dem Einzelhandel werfen einen persönlichen Blick auf die verhüllten Objekte. Ein Film von Jeremias Heppeler zeigt weitere Reaktionen Konstanzer Prominenz auf das Projekt. Harald Kühl von den Regionauten wird die Show moderieren, eine Tanz-Performance sorgt für Unterhaltung.