Konstanz Kunst aus der Nachbarschaft: Rosgartenmuseum präsentiert Schweizer Bauernmalerei

Das Museumsteam hat die Schau im Richentalsaal kunstvoll arrangiert. Museumsleiter Tobias Engelsing will bewusst für die Kultur und die Landschaft des Nachbarstaats werben

Konstanz – Von der Stange und 08/15 ist hier rein gar nichts. Im Gegenteil: Das Team des Konstanzer Rosgartenmuseums hat den historischen Richentalsaal im Kulturzentrum am Münster verwandelt und zwischen den Bögen und Säulen einen neuen Raum geschaffen. All dies war nötig, um die Sonderausstellung "Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei" würdig zu präsentieren. "Der Saal ist zwar charmant, aber nicht optimal. Wir mussten in die historische Substanz eine eigene Architektur einbauen", stellt Tobias Engelsing, Leiter der städtischen Museen, fest. Alles ist Handarbeit – von der Lichttechnik bis zu den Holzwänden mit Alpsteinpanorama. "Man muss sehr einfallsreich sein", meint Engelsing und fügt an: "Da zeigt es sich wieder einmal, wie wichtig es ist, ein gutes technisches Team zu haben. Museum bedeutet nicht nur wissenschaftliches Arbeiten und Bilder sammeln, sondern die attraktive Umsetzung eines Themas für heutige Menschen. Dazu sind ausgesprochen phantasievolle und handwerklich top erfahrene Mitarbeiter vonnöten – und die haben wir." Damit spart Engelsing auch noch Geld, denn: "Wir beauftragen keine teure Agenturen."

Charmant und kreativ ist die Ausstellung geworden. Die Mitarbeiter vom Technischen Dienst mit Erich Lüttke, Jürgen Rück und Ralf Staiger haben alle Wände gestellt, Vitrinen vorsichtig eingerichtet, die Bauernmalereien aus dem Appenzell und Toggenburg aufgehängt und Restauratorin Rosa-Maria Pittà-Settelmeyer hat wieder einmal mit Liebe zum Detail der Inszenierung den letzten Schliff gegeben, so dass die Ausstellung lebendig und lebhaft wirkt.

Mit der aktuellen Sonderausstellung rückt Tobias Engelsing – im Paradies direkt an der Grenze zur Schweiz aufgewachsen – erneut das Nachbarland in den Fokus. Und zwar ganz bewusst, denn er möchte "ein kleines Gegengewicht setzen, dass Konstanz nicht nur vom Einkaufstourismus profitiert, sondern auch seinerseits Werbung für die Schweizer Nachbarschaft macht". Eben dieses Entgegenkommen und die entgegengebrachte Wertschätzung werden von den Eidgenossen mehr als goutiert. "Wir haben von beiden Kantonen Appenzell große Unterstützung bekommen, vier Appenzeller Stiftungen haben mit Zuschüssen zum Buch und der Ausstellung verholfen", sagt Engelsing. Insgesamt rund 170 000 Euro waren für die Sonderschau vonnöten, wobei aus der Schweiz rund 40 000 Euro Zuschüsse flossen, aus Deutschland etwa 20 000 Euro.

Alles ist Handarbeit – von der Lichttechnik bis zu den Holzwänden mit Alpsteinpanorama.
Alles ist Handarbeit – von der Lichttechnik bis zu den Holzwänden mit Alpsteinpanorama.

Nach der letztjährigen Sonderschau zum Tägermoos folgt jetzt das Appenzell. "Als Kind war ich schon von der Bauernmalerei fasziniert, ebenso von den Wanderungen im Appenzell", berichtet Engelsing, der anfügt: "Wir fliegen für 100 Euro in die Türkei, aber wir wissen relativ wenig, was 100 Kilometer von uns entfernt an kulturellem Reichtum besteht. Im Sinne unserer jahrelangen historischen Aufklärungsarbeit wollen wir jetzt einen anderen Kulturraum aus der großen Bodenseelandschaft vorstellen."

Jener liege eigentlich so nah und sei dennoch so andersartig. "Die Appenzeller sind eigenständig und haben eine komplett andere Lebensart und gehören doch zum selben großen Bodenseeraum. Schon hier haben wir eine Multikulti-Gesellschaft", sagt Tobias Engelsing. Was ihn besonders fasziniert, ist die "Mischung aus Bodenständigkeit und Traditionsbewusstsein und gleichzeitig der Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Es sind zwei sehr moderne kleine Kantone, die sich zum Hightech-Standort entwickelt haben."

 

Die Sonderausstellung

100 Bilder aus vier Appenzeller Museen sowie Privatsammlungen sowie rund 100 seltene Objekte und Zeugnisse Appenzeller Geschichte werden in der Sonderausstellung "Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei“ vom 22. Juni bis 31. Dezember im Richentalsaal des Kulturzentrums am Münster in Konstanz präsentiert. Das Rahmenprogramm ist vielseitig und reicht vom Küehlischnitzen über Käsen und Weben bis hin zum Klausen. Begleitend zur Ausstellung haben Kunstkenner Hans Büchler und Museums-Chef Tobias Engelsing ein opulentes Bilder- und Lesebuch mit eingängigen Texten verfasst.

Nähere Informationen im Internet: www.rosgartenmuseum.de

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