Konstanz Kreismitgliederversammlung: Grüne lehnen Parallelstruktur ab

Eine Debatte um einen möglichen Ortsverband, parallel zur FGL in der Stadt Konstanz, erhitzt die Gemüter. Viele Mitglieder fordern Einigkeit im Bundestagswahlkampf.

Konstanz – "Es steht ein großer rosa Elefant im Raum und der heißt Ortsverband", sagt Charlotte Biskup. Zwölf Jahre lang saß sie für die Freie Grüne Liste, kurz FGL, im Gemeinderat, bevor sie im Juni vergangenen Jahres ins Büro des Oberbürgermeisters wechselte. Bekannt ist die ehemalige Stadträtin für ihren scharfen Verstand und ihre Analysefähigkeit. Auch zur späten Stunde, gegen Ende der Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen im Treffpunkt Petershausen, spricht Biskup Klartext: "Wenn wir über einen grünen Ortsverband in Konstanz diskutierten, bleibt die Frage offen, warum wir nicht die bestehenden Strukturen der FGL nutzen, um grüne Politik zu machen." Wenn parallel grüne Themen anders platziert würden, führe das zu Spaltung.

Spaltung unter grünen Gesinnungsgenossen? In einer Stadt mit lediglich rund 83 000 Einwohnern, in der noch dazu mit der FGL eine grüne Gruppierung die stärkste Fraktion im Gemeinderat stellt? Und das wenige Monate vor der Bundestagswahl? Den Elefant in den Treffpunkt Petershausen mitgebracht hatte ein Antrag von Christel Thorbecke. Die Konstanzerin erlangte bereits vor einiger Zeit Bekanntheit, als sie eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Pappeln am Tägermoos ins Leben rief. Aktuell engagiert sie sich in der grünen Arbeitsgruppe Konstanzer Raum, die Bürger zu regelmäßigen Treffen zusammenbringen möchte, um grüne Themen in Konstanz zu diskutieren.

Bereits bei der letzten Kreismitgliederversammlung in Singen hatte Thorbeckes Antrag die Gemüter erhitzt. Sie wollte mit ihrer Arbeitsgruppe den Mailverteiler der Kreisgrünen nutzen, um zu Veranstaltungen einzuladen und das Interesse an der Gründung eines Konstanzer Ortsverbandes zu erfragen. In Singen kam der Antrag zu spät, so dass nicht mehr über ihn abgestimmt wurde. Am Donnerstag nun stand er auf der Tagesordnung. Offiziell bat ihre Arbeitsgruppe nun nur noch darum, "Einladungen für ihre jeweils einmal im Monat tagenden Sitzungen mit den entsprechenden speziellen Konstanzer Themen über den Verteiler des Kreisverbandes an alle Konstanzer Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen schicken zu dürfen." Und gegenüber den Kreismitgliedern betonte sie, dass es ihr nicht um die Gründung eines Ortsverbands gehe. Sie wolle lediglich mehr Möglichkeiten zu grünem, politischem Engagement in Konstanz schaffen, da zu wenig los sei in der Stadt.

Nicht zuletzt dieser Wortlaut erregte die Gemüter im Raum und zahlreiche Hände, auch von Stadträten der FGL, schossen in die Höhe. Günter Beyer-Köhler von der FGL wollte nicht glauben, dass es Thorbecke und ihrer Arbeitsgruppe nicht mehr um die Gründung eines Ortsverbandes gehe. Er sagte: "Jetzt sind wir in Konstanz an dem Punkt, an dem es um die Gründung eines Ortsverbandes neben der FGL geht. Es soll gespalten werden. Damit spalten wir die gut funktionierende grüne Struktur in der Stadt und dividieren uns auseinander.

" Der Bundestagskandidat der Konstanzer Grünen, Martin Schmeding, trug ein engagiertes Plädoyer gegen Quertreiberei in Wahlkampfzeiten vor: "Gerade im Wahlkampf dürfen wir keine doppelten Strukturen schaffen. Die politische Arbeit in Konstanz kann sicher verbessert werden, aber bringt bitte eure Anliegen in die FGL ein. Personen verändern Strukturen und nicht umgekehrt." Nese Erikli, die für die Grünen im Stuttgarter Landtag sitzt, teilte diese Einschätzung. Man solle sich auf den Wahlkampf konzentrieren. Spaltung sehe sie kritisch. Andere Wortmeldungen betonten den "basisdemokratischen Wert der Arbeitsgruppen" oder wollten "vernünftig über die mögliche Notwendigkeit eines grünen Ortsverbandes parallel zur FGL in Konstanz" diskutieren. Schließlich wurde geheim über die Nutzung des Mailverteilers durch die Arbeitsgruppe Konstanzer Raum abgestimmt, der Antrag wurde abgelehnt.

 

Neuer Vorstand

Nese Erikli legte ihr Amt als Kreisvorsitzende nieder, ebenso wie ihr Vorstandskollege Jürgen Saegert. Moritz Jünginger, Birgit Albert, Andrea Dix wurden für weitere zwei Jahre gewählt. Martin Schmeding, Marius Busemeyer und Tina Eikmann wurden neu gewählt. Hubert Wehinger wurde nach einem Jahr abgewählt.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren