Konstanz Kostensteigerung, die nächste: Jetzt sollen die neuen Bahnsteige in Konstanz-Petershausen plötzlich 4,1 Millionen Euro kosten

Der Bahn unterläuft ein schwerer Planungsfehler: Weil sie nun doch nachts bauen muss, werden die zwei neuen Bahnsteige in Petershausen mehr als doppelt so teuer wie zunächst geschätzt. Während die Stadt glimpflich davonkommt, muss das Land finanziell bluten.

Die beiden neuen Bahnsteige für die Station Konstanz-Petershausen werden mehr als doppelt so teuer wie ursprünglich geschätzt. Waren die Planer im Juli 2013 noch von rund 1,6 Millionen Euro für den Umbau der zweitwichtigsten Bahn-Haltestelle der Stadt ausgegangen, soll das Projekt nach aktuellen Zahlen nun 4,1 Millionen Euro kosten. Das geht aus Unterlagen der Stadt Konstanz hervor – sie ist aber von der Kostenexplosion direkt kaum betroffen. Weil die Stadt mit der Bahn eine Vereinbarung abgeschlossen hat, die sie von Kostenrisiken weitgehend freistellt, kommt sie mit einem blauen Auge davon.

Stadt, Land, Bahn: Wer jetzt wie viel für die Barrierefreiheit zahlen muss

Der städtische Anteil an dem Projekt erhöht sich lediglich um 340.000 Euro auf 1,06 Millionen Euro. Davon übernimmt aber der Landkreis wiederum 40 Prozent, so dass die Stadt netto 638.000 Euro beitragen muss. Schwerer wiegt die Belastung für das Land Baden-Württemberg: Es muss statt 854.000 Euro nun 2,25 Millionen Euro beitragen und ist damit am stärksten betroffen. Die Bahn selbst, um deren Infrastruktur es schließlich geht, muss ebenfalls einsteigen. In der ersten Kostenschätzung hätte sie für den Ausbau ihrer Station null Euro gezahlt, jetzt sollen es 761.000 Euro sein.

Schlaglöcher im Belag, Gras in den Ritzen: Die Station Konstanz-Petershausen macht einen heruntergekommenen Eindruck. Das soll bald Vergangenheit sein.
Schlaglöcher im Belag, Gras in den Ritzen: Die Station Konstanz-Petershausen macht einen heruntergekommenen Eindruck. Das soll bald Vergangenheit sein. | Bild: Jörg-Peter Rau

Plötzlich wurde klar: Lange Streckensperrungen sind gar nicht möglich

Grund für die Kostenexplosion ist vor allem ein schwerer Planungsfehler bei der Bahn selbst. Nach einer Vorlage der Stadtverwaltung hatte offenbar die eine Abteilung des staatseigenen Konzerns nicht mit der anderen gesprochen. So kam erst jetzt heraus, dass eine halbseitige Sperrung der Strecke nicht möglich ist. Sie hätte es ermöglicht, kostengünstig tagsüber zu bauen. Aber ein aufwendiger Schienenersatzverkehr mit Bussen sowie eine Umleitung zahlreicher Güterzüge sei nicht möglich, entdeckte jetzt die DB Netz AG, eine von vielen Untergesellschaften der Bahn. Also wird nun vorwiegend nachts gebaut – was sowieso schon teuerer ist. Und es erforderlich macht, dass die Bahn vorübergehend mobile Lärmschutzwände aufstellt, wie es zum Beispiel auch in Allensbach praktiziert wurde. Allein dies soll rund eine halbe Million Euro kosten, heißt es in der Ratsvorlage.

Politiker können nur noch mit den Köpfen schütteln – und nicken dann doch

Als Konstanzer Kommunalpolitiker das Thema im Technischen und Umweltausschuss diskutierten, war das Kopfschütteln groß. „Ich kann mich nur wundern, wie die Bahn hier vorgeht“, sagte etwa Jürgen Ruff (SPD). Und Heinrich Fuchs (CDU) erinnerte daran, dass auch das Land das Geld von Steuerzahlern aufwende: „Am Ende zahlen wir es doch“. Anne Mühlhäußer (Freie Grüne Liste) nannte die Bahn einen „fürchterlichen Verhandlungspartner“. Dennoch stimmte der Ausschuss einstimmig für die neuen Planungen – zumal gegenüber dem längst reservierten städtischen Geld lediglich 30.000 Euro zusätzlich gebraucht werden.

Im Juni sollen die beiden neuen Bahnsteige fertig sein – 2019, verspricht die DB

Die Bahn gehe weiter fest von einem Baustart im September aus, sagte Daniel Knack aus der Konstanzer Bauverwaltung: „Die DB hält am Zeitplan fest“, und der Konzern sei auch sicher, dass eines der wenigen in Frage kommenden Spezialbau-Unternehmen den auf jeden Fall bekomme. Fertig werden soll die neue Station dann im Juni 2019, wenn auch der bisherige Bahnsteig zwischen den Gleisen abgebrochen und die dann nicht mehr benötigte Unterführung verfüllt sei. Zu den neuen Bahnsteigen erfolgt der Zugang barrierefrei über vorhandene Wege, am schnellsten von der Schneckenburgstaße her.

Lebensgefährlicher Leichtsinn: Immer wieder überqueren Fußgänger am Petershauser Bahnhof die Gleise. Die neue Z-Brücke soll sie davon abhalten.
Lebensgefährlicher Leichtsinn: Immer wieder überqueren Fußgänger am Petershauser Bahnhof die Gleise. Die neue Z-Brücke soll sie davon abhalten. | Bild: Jörg-Peter Rau

Immerhin: Zahlreiche neue Fahrrad-Parkplätze werden noch gebaut

Eine gute Nachricht gibt es aber immerhin doch: Die Diskussion über die richtige Höhe der neuen Bahnsteige hat keinen Einfluss auf das seit fast zehn Jahren laufende Vorhaben. Bahn und Land hielten an den 55 Zentimetern über Schienenoberkante und damit am Seehas-Maß fest, sagte Daniel Knack. Die Sorge des Behindertenbeauftragten Stephan Grumbt, der bereits eine grundlegende Umplanung auf das Norm-Maß 76 Zentimeter befürchtete, konnte er damit ausräumen. Und eine Verbesserung soll es auch noch geben: Die Stadt arbeitet laut Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn bereits daran, unter der Z-Brücke, wettergeschützt durch die Rampen, zahlreiche Fahrrad-Parkplätze einzurichten. Sie könnten für Pendler in Richtung Singen ein stückweit der Ersatz für die demnächst am Innenstadt-Bahnhof wegfallenden Flächen sein.

Unendliche Geschichte

  • Start-Schwierigkeiten: Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm für den Südwesten stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Es wurde zu der Zeit aufgelegt, als das Projekt Stuttgart 21 am hitzigsten diskutiert wurde und auch ein politisches Signal in die Fläche das Landes sein: Seht her, nicht nur für Stuttgart tun wir etwas. Das war 2009, und damals wurden hohe Erwartungen an eine schnelle Umsetzung geschürt. Erste Planungen sollten bereits 2010 vorliegen, was sich aber bis 2013 verzögerte – unter anderem, weil es bei der Bahn Personalengpässe gab und weil die Vertragspartner Land und Kommunen zu merken begannen, dass das Vorhaben – im Kreis Konstanz waren zahlreiche Stationen entlang der Seehas-Strecke und Schwarzwaldbahn betroffen – für sie sehr teuer werden könnte.
  • Seite statt Mitte: Zwischendurch kam es auch noch zum Umschwenken für Petershausen: Nicht der Mittelbahnsteig sollte saniert, sondern zwei Außenbahnsteige sollten gebaut werden – das sollte der Z-Brücke eine dritte Treppe und einen dritten Aufzug ersparen (sie wurde dennoch deutlich teurer als zunächst geplant). 2015 starteten dann weitere Planungsschritte, und 2017/2018 gab es erneut eine Verzögerung, weil das Eisenbahnbundesamt plötzlich ein formales Planfeststellungsverfahren forderte. Nun geht die Stadt Konstanz davon aus, dass die Deutsche Bahn von September bis Dezember 2018 sowie von März bis Juni 2019 baut. Nach zehn Jahren wären dann die beiden Bahnsteige fertig. Sie sind jeweils 210 Meter lang. Jeder einzelne Meter wird am Ende rund 10.000 Euro gekostet haben.

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