Konstanz Konstanzer Seilbahn hängt als Idee in der Luft

Oberbürgermeister Uli Burchardt „glaubt unvermindert“, dass Gondeln über Konstanz schweben könnten. Doch Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, wie es am Schänzle Nord weitergeht. Und da tun sich auf einmal Perspektiven auf, die nicht allen in der Stadt gefallen werden.

Überraschung im Ringen um ein Filetstück: Die Nutzung Areals am nördlichen, rechtsrheinischen Ende der Schänzlebrücke ist wieder völlig offen. Oberbürgermeister Uli Burchardt erklärte auf Nachfrage des SÜDKURIER, die Stadt werde "nichts ausschließen, weder Wohnen noch Gewerbe noch Einzelhandel." Damit ist das Rennen um die knapp 30.000 Quadratmeter große Fläche – eine der letzten Reserven, über die Konstanz noch verfügt – wieder völlig offen. Nun soll ein Ideenwettbewerb klären, wie sich das Grundstück nutzen ließe.

Die Teilnehmer – zum Beispiel Investoren im Verbund mit Architekten und Stadtplanern – sollten auch Vorschläge machen, wie sich "Synergien" mit dem gegenüber liegenden Bodenseeforum nutzen ließen, so Burchardt. Eine dieser gemeinsamen Nutzungen könnte ein riesiges Parkhaus sein. Im Rathaus gibt es Überlegungen für ein bis zu acht Stockwerke hohes Bauwerk mit Platz für 1500 Autos. Auf Details wollte sich Burchardt nicht festlegen. Klar sei aber, dass auf der Fläche auch so viel Parkraum geschaffen werden müsse, dass einerseits die Besucher des Tagungs- und Veranstaltungshauses parken könnten, andererseits auch die Nutzer der neuen Angebote. Außerdem soll das Gelände die Innenstadt besser entlasten, indem mehr Konstanz-Besucher hier parken und öffentlich weiter ins Zentrum fahren.

<p>Hier könnte eine Seilbahnstation stehen: Für das Areal Schänzle Nord, derzeit kaum genutzter Parkplatz, schreibt die Stadt einen Wettbewerb aus. Auch Einzelhandel soll hier nun möglich sein.</p>

Hier könnte eine Seilbahnstation stehen: Für das Areal Schänzle Nord, derzeit kaum genutzter Parkplatz, schreibt die Stadt einen Wettbewerb aus. Auch Einzelhandel soll hier nun möglich sein.

| Bild: Oliver Hanser

Nach Informationen des SÜDKURIER gibt es in der Verwaltung auch Überlegungen, dem sich schnell entwickelnden Gebiet am Seerhein einen weitereren großen Einzelhandelskomplex anzusiedeln. Er könnte die Dimension des Lago haben. Ob in einigen Jahren aber tatsächlich ein Einkaufszentrum oder ein weiteres Kaufhaus an der Reichenaustraße entsteht, ist nicht sicher. OB Burchardt verweist lediglich auf den Wettbewerb. Gesetzt ist für ihn aber die Funktion als Verkehrsdrehscheibe, wo es nicht nur Parkplätze und den neuen Fernbus-Bahnhof, sondern auch eine Fahrrad-Leihstation und einen Schiffs-Anlegesteg gibt.

Während der Steg am Bodenseeforum fast drei Jahre nach dem Vorstoß von Freier Grüner Liste und SPD zur Einführung eines Wasserbusses kommen soll, hängt das Thema Seilbahn weiter in der Luft. "Wir sind deutlich hinter dem Zeitplan", räumte Burchardt ein, im Rathaus sei zum Beispiel das Thema Flüchtlinge dringender gewesen. Am 16. Oktober 2013 hatte der SÜDKURIER erstmals berichtet, dass Burchardt nach einem Besuch bei Seilbahn-Hersteller Doppelmayr dieses für Städte neue Verkehrsmittel vorschlägt. Die Machbarkeitsstudie steht nach wie vor aus, nun soll sie aber per Ausschreibung an Fachbüros vergeben werden.

Prüfen sollen die Experten auch, ob sich der künftige Stadtteil Hafner im Norden Wollmatingens oder die Universität in ein neues Nahverkehrs-System einbinden lassen. Das Land habe bereits die Grundlagen dafür geschaffen, dass Seilbahnen ähnlich wie Stadt- oder Straßenbahnen auf Schienen bezuschusst werden können; im Bund ist die Unterstützung noch nicht so groß. Er "glaube unvermindert", dass das flächensparende, leise und sichere Verkehrsmittel Seilbahn für Konstanz eine Option sei, so Burchardt.

Wann das Schänzle-Nord – mit oder ohne Einkaufszentrum/Kaufhaus, Seilbahnstation und möglicherweise auch Wohnungen – sein endgültiges Gesicht bekommt, ist kaum absehbar. Gewiss ist nur, dass noch in diesem Jahr die Reichenaustraße in dem Bereich von Bund und Stadt gemeinsam saniert wird, wodurch auch das Umfeld des Bodenseeforums etwas repräsentativer wird. Besonderen Zeitdruck sieht OB Burchardt nicht: "Es war klar, dass es Jahre dauern wird, bis man da etwas baut." Schon jetzt ist zu erwarten, dass es über dieses "Etwas" lebhafte Debatten geben wird. Denn vor allem ein Handelskomplex würde das bisherige Zentrenkonzept mit seinem Bekenntnis zu Altstadt und gewachsenen Handels-Standorten gewaltig in Frage stellen.

Ein Grundstück mit 30.000 Quadratmetern und viele Ideen

  • Die Fläche: Das Areal Schänzle-Nord liegt brach, seit der Umbau der Schänzlebrücke abgeschlossen ist. Früher war dort eine Auffahr-Schleife zu dem Bauwerk. Das Gelände gehört der Stadt. 2013 wollte das Konstanzer Unternehmen Gavia die Fläche bebauen. Der Versandhandel für Münzen machte aber wegen Altlasten im Boden und der schwierigen Bodenverhältnisse einen Rückzieher. Im Moment wird es für einen Park-and-Ride-Platz genutzt, wo Konstanz-Besucher ihre Autos abstellen und dann mit dem Bus weiter in die Stadt fahren sollen. Das Angebot wird trotz günstiger Preise nicht besonders gut angenommen.
  • Die Interessenten: Der Konstanzer Immobilienentwickler Felix Püschel brachte die Möbelhaus-Kette XXXLutz als Käufer ins Spiel. Er hält die Idee nach wie vor für gut, wie er jüngst erklärte, zumal das Parkhaus gemeinsam mit dem Bodensee-Forum genutzt werden könne. XXXLutz suche aber auch nach weiteren Flächen in Konstanz, so Püschel. Nach Angaben der Stadtverwaltung haben auch andere Investoren Kaufabsichten für das mehrere Millionen Euro teure Gelände bekundet. Sie wurden bisher alle abgeblockt. Ob sie sich nun am Wettbewerb beteiligen, ist unklar.
  • Der Verkehr: Gesetzt ist die Verlagerung der Fernbus-Station vom Döbele ans Schänzle-Nord. Die Planungen sind laut Stadtverwaltung weit fortgeschritten. Ein Anlegesteg entsteht am Bodenseeforum, aber noch fehlt ein Betreiber für den Wasserbus. Seit Umstellung der Linie 4/13 hat das Gebiet direkte Stadtbus-Anbindung. Radwege gibt es in alle Richtungen. Allerdings blockiert die große Rad-Auffahrt zur Schänzlebücke den Zugang zum Gelände. Es laufen Überlegungen zum Umbau der erst vor rund zehn Jahren errichteten Rampe und Brücke. (rau)

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