Konstanz Konstanzer Scholl-Schule in desolatem baulichen Zustand

Sanierungsbedarf wächst immer weiter. Förderinitiative kritisiert Stadt und Politik scharf

Ohne Geschwister-Scholl-Schule geht es nicht. Nicht gestern, nicht heute und erst recht nicht morgen. Darin sind sich alle Seiten einig: Politik, Stadtverwaltung, Schulleiter Thomas Adam und die aus ehemaligen Schülern bestehende Interessengemeinschaft. Auch der Rektor der Konstanzer Universität macht sich stark für die dringend notwendige Generalsanierung der Schule in seiner direkten Nachbarschaft. "Wenn dieser Aspekt zu lange vernachlässigt wird, so ist es unendlich schwer, aus einer Abwärtsspirale wieder herauszukommen. Abwarten ist keine Lösung", teilt Ulrich Rüdiger auf Anfrage mit.

In den 70er-Jahren für 800 Schüler geplant, beherbergt die GSS 40 Jahre später fast doppelt so viele Schüler. Gemeinsam unter einem Dach – wie es im Schulmotto heißt. Nur, wie lange wird dieses Dach noch halten? Eine Zuspitzung. Aber ein Gang durch die Schule und über das Außengelände zeigt: Ohne Scholl-Schule geht es nicht, so wie aktuell geht es aber auch mit ihr nicht. Blinde Fenster, aus deren Fugen Unkraut wächst; eine abenteuerliche Konstruktion im Fachbereich Biologie, die vor eindringender Feuchtigkeit schützt; abgerissene Lamellen am Sonnenschutz; ein Außenbereich, den sich der Schwaketenwald zurückzuholen scheint. Schulleiter Thomas Adam fürchtet, seine Schule könnte "zu einem vergessenen Ort werden". Nicht, weil die Qualität des Unterrichts schlecht sei. "Unter ihm leidet der Ruf und das Image sicher nicht", sagt er. Aber bei einer erfolgreichen Schule müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen. "Wir wollen keine Besonderheiten, sondern schlicht Gleichbehandlung."

Schwer mitgenommen von den Einflüssen des Wetters: Die Lamellen des Sonnenschutzes – sofern sie nicht bereits abgefallen sind.
Schwer mitgenommen von den Einflüssen des Wetters: Die Lamellen des Sonnenschutzes – sofern sie nicht bereits abgefallen sind.

Die Stadt entwickele sich mit Druck in Richtung Wollmatingen, erläutert Hansjörg Müller und führt die Entstehung des neuen Stadtviertels Nördlich Hafner als mächtigstes Beispiel an. Müller ist einer der treibenden Kräfte einer Initiative, die die Interessengemeinschaft der Ex-Schüler startete. Die will in Sachen Sanierung und Erweiterung Kräne und Bagger sehen, statt gut gemeinte Worte hören. "Die Zeit der Lippenbekenntnisse muss endlich vorbei sein", fordert Müller. Die erhalte die Schule nun seit 2009. Seither habe sich der Zustand schrittweise verschlechtert, allein für die Sanierung rechnet die Verwaltung jetzt mit Kosten von 18 Millionen Euro. Anfang dieses Jahres wurde die Sanierung und Erweiterung auf der Vorhabenliste der Stadt auf die erste Position gesetzt. Die Liste bildet ab, welche Projekte den Bürgern besonders wichtig sind. "Es wurden allerdings weder ein Starttermin noch irgendwelche Mittel eingeplant", kritisiert Hansjörg Müller. Verantwortlich für den "Stillstand auf allen Ebenen", wie es in einer Präsentation der Alumni-Gruppe heißt, seien Politik und Verwaltung.

Die Geschwister-Scholl-Schule muss dringend Ecken renoviert werden: An vielen Stellen hat der Zahn der Zeit Schäden hinterlassen, auch einige undichte Stellen gibt es inzwischen.
Die Geschwister-Scholl-Schule muss dringend Ecken renoviert werden: An vielen Stellen hat der Zahn der Zeit Schäden hinterlassen, auch einige undichte Stellen gibt es inzwischen.

Der zuständige Bürgermeister Andreas Osner hält entgegen, dass der Kontakt zu den Alumni seit längerer Zeit bestehe. Er habe Hansjörg Müller daher auch für eine Sondersitzung städtischer Gremien zum Thema GSS-Sanierung am 20. Juni eingeladen, mit der Bitte um einen kurzen Redebeitrag. "Was deren Anliegen betrifft, rennt die Alumni-Initiative bei der Stadt offene Türen ein", sagt Osner. "Das Signal der Stadtverwaltung war und ist: Nach der Gemeinschaftsschule muss das nächste große Projekt die Geschwister-Scholl-Schule sein."

Am kommenden Dienstag wolle die Verwaltung die Räte dazu bewegen, "dass sowohl für den Nachtrags- als auch für den kommenden Doppelhaushalt Mittel für die GSS bereitgestellt werden".

Von ihnen wird es wenig Gegenwind geben – im Grundsatz. Hört man in die Fraktionen hinein, vernimmt man eine breite Zustimmung für die Sanierungspläne. Allen voran Ex-Schulleiter Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU). Er tritt seit Jahren als Anwalt der GSS auf: "Die CDU steht von jeher hinter der Sanierung und Erweiterung, langsam ziehen auch die anderen Fraktionen nach." Die erste Summe, die die Förderinitiative nennt, bringt einige dagegen ins Grübeln. 1,5 bis zwei Millionen Euro sollen im Herbst in den Nachtragshaushalt fließen. "Damit kurzfristig zumindest der Innenbereich auf einen angemessenen Standard gebracht werden kann", sagt Hansjörg Müller.

Christine Finke (Junges Forum Konstanz) ist "gespannt, ob das klappen wird. Da reden wir über richtig viel Geld". Dass dringender Handlungsbedarf bestehe, sei ihrer Meinung nach nicht zu bestreiten. "Ich kann den Frust verstehen, die Gemeinschaftsschule musste eben zuvor gebaut werden, da geht es auch um Fördergelder." In dasselbe Horn stößt Bürgermeister Osner: "Die Stadt muss auf die Zusage von Fördergeldern des Landes vertrauen. Da reden wir von einem Drittel der Gesamtsumme." Auf eines jedoch können Alumni und Schulleiter der GSS wohl zählen. Sie wünschen sich seit Monaten, dass eine Abordnung der Politik sich bei einem Ortstermin ein eigenes Bild von der Schule macht. Diese Idee begrüßen mehrere Ausschussmitglieder. Einmal mehr herrscht also große Einigkeit zwischen allen Beteiligten.

Forderungen der Alumni

Die Alumni-Initiative der GSS fordert, die Maßnahmen schrittweise wieder aufzunehmen:

  • Kurzfristige Pflege: Der erste Schritt soll eine Anpassung des Zustands des Gebäudes und der Umgebung auf einen angemessenen Standard sein. Hierfür würden mindestens 1,5 Millionen Euro benötigt.
  • Prioritätenliste: Danach sollen gemeinsam von GSS und Hochbauamt festgelegte Maßnahmen nach Wichtigkeit gegliedert und umgesetzt werden.
  • Erweiterung: Nachdem die wichtigsten Sofortmaßnahmen durchgeführt wurden, soll die mittelfristige Umsetzung der Erweiterung folgen. (bbr)

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