Konstanz Konstanzer Professoren klagen gegen ihre eigene Universität

Wem gehört der wissenschaftliche Fortschritt? Den Forschern selbst oder der Allgemeinheit, die ihn finanziert hat? An der Universität Konstanz läuft ein ziemlich beispielloser Rechtsstreit. Es geht um Geld und Renommee.

Wenn Wissenschaft aus öffentlichen Geldern finanziert wird, muss dann auch das erarbeitete Wissen öffentlich und kostenlos zugänglich sein? Wie weit geht das Recht am eigenen Text? Mit diesen Fragen wird sich in den kommenden Wochen der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim beschäftigen, nachdem 17 Lehrende aus zwei Fachbereichen der Uni Konstanz eine Klage gegen eine aktuelle Satzung ihrer Hochschule eingereicht haben.

Diese sogenannten Open Access-Satzung besagt im Kern: Wissenschaftliche Fachaufsätze, geschrieben von Forschern an öffentlichen Hochschulen und Instituten, sollen öffentlich eingesehen werden können – und zwar kostenfrei. Zuvor war das Lesen solcher Fachaufsätze ziemlich teuer: Die Beiträge erscheinen in der Regel in Fachmagazinen, die die Hochschulen abonnieren müssen.

1,85 Millionen Euro hat die Universität Konstanz 2015 für Zeitschriften insgesamt ausgegeben. Pressesprecherin Julia Wandt betont aber, dass die Kosten nicht im Zusammenhang mit der Open Access-Strategie stehen. Vielmehr ginge es darum, die unmittelbare und weltweite Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und wissenschaftlichen Beiträgen zu erhöhen. Zudem publizieren Wissenschaftler nach wie vor in Fachmagazinen. Nach einem Jahr aber müssen sie der Uni ein Zweitnutzungsrecht einräumen, der Artikel ist dann kostenfrei über einen hochschuleigenen Server im Internet abrufbar. Möglich wurde diese Satzung durch die Änderung des Landeshochschulgesetzes. Ein Modell, das im Jahr 2020 in der EU Standard werden soll. Konstanz gilt als Vorreiter.

Im Gegensatz zur traditionellen, verkaufsorientierten Publikation des Wissenschaftsbetriebs ermögliche Open Access eine sofortige und weltweite Verfügbarkeit der wissenschaftlichen Texte ohne Zugangsbeschränkungen. Kritiker der Open Access-Strategie mahnen allerdings schon seit Jahren, dass die Praxis ihrer Universität, Wissenschaftler zur Nutzung des Rechts auf Zweitveröffentlichung zu verpflichten, gegen das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit verstößt. Dieses besagt: Der einzelne Wissenschaftler kann selbst entscheiden, ob und wie seine Ergebnisse veröffentlicht werden. Die Befürchtung war unter anderem: Renommierte Fachverlage könnten von einer Veröffentlichung absehen, wenn sie wissen, dass der Artikel nach einem Jahr ohnehin frei zugänglich im Internet zur Verfügung steht.

Die Uni Konstanz wird zu dem beim Verwaltungsgerichtshof eingereichten Antrag in den kommenden Wochen Stellung nehmen. Rektor Ulrich Rüdiger teilte aber bereits mit: "Wir begrüßen sehr, dass dieser Sachverhalt juristisch geklärt wird. Die rechtliche Prüfung wird eine entscheidende Weichenstellung für den Bereich Open Access in der Wissenschaft insgesamt sein."

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