In den Warenkörben im Obsthof Romer in Litzelstetten liegen die Birnen und warten auf Kundschaft. Sehr viele sind noch nicht verkauft. Das hat einen Grund: Unterhalb der bauchigen Mitte zieht sich ein brauner Ring um das Kernobstgewächs. „Daran kann ich genau die Frostnächte im April ablesen“, sagt Thomas Romer. „Das ist aber weder giftig oder irgendwie ungesund“, versichert er. „Wir sind hier aber noch mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Soll heißen: Während beispielsweise in Bodman in jenen bitterkalten Aprilnächten die Temperatur auf minus 5 Grad fiel, war es in Litzelstetten, Oberdorf oder Dingelsdorf mit minus 2 Grad noch recht mild. Thomas Romer schätzt, dass er trotzdem rund 30 Prozent weniger Ernte bei den Äpfeln zu verzeichnen haben wird; bei den Erdbeeren 50 Prozent; bei den Zwetschgen 30 Prozent; bei den Stachel- und Johannisbeeren 20 Prozent; bei den Trauben 50 Prozent. „Zum Teil kann ich das durch den Preis kompensieren“, erklärt er. Nur die Kirschernte ist in diesem Jahr bei 100 Prozent. 70 Prozent seiner Apfelplantagen sind mittlerweile unter einem schützenden Netz.

Benni Fuchs vom Fuchshof in Dingelsdorf-Oberdorf erinnert sich an den kalten April: „Viele Blüten sind damals erfroren. Aufgrund der geringeren Apfelernte kostet das Kilo in diesem Herbst zwei Euro und nicht zwischen 1,50 und 1,70 Euro. Ganz Deutschland war damals davon betroffen, dementsprechend auch die Ernte in ganz Deutschland.“ Das Land hat daher ein Hilfsprogramm ins Leben gerufen. Betroffene Bauern können bis Oktober einen Antrag auf Schadensbegleichung in Höhe von 40 bis 50 Prozent stellen.

Die Höhe soll auf bis zu 50 000 Euro für jeden betroffenen Betrieb gedeckelt werden. In Ausnahmefällen, wenn sich also ein Betrieb wegen der Ernteausfälle in Existenznot befinde, kann laut Landwirtschaftsministerium die Deckelung auf 150 000 Euro angehoben werden. Die Auszahlung der Hilfsgelder wird voraussichtlich Anfang 2018 beginnen, die Anträge können seit vergangener Woche gestellt werden.

Kurt Muffler vom Amt für Landwirtschaft sammelt die Anträge und leitet sie nach Stuttgart weiter. Wie hoch der Gesamtschaden sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir müssen den zunächst ermitteln“, erklärt er. „Daraus ergibt sich der Zuschusssatz, der in der Regel für alle gleich ist.“ Sobald im Oktober Erntemenge und somit Verluste feststehen, beginnen die Kalkulationen. Ist der Apfelpreis noch nicht fixiert, werden die Durchschnittpreise der vergangenen drei Jahre genommen. Der Großhandelspreis für 2014, 2015 und 2016 lag bei 49 Euro pro 100 Kilogramm. „Da werden Kosten für Ernte, Lagerung sowie Vermarktung abgezogen“, erzählt Kurt Muffler. „Dem Bauer bleibt deutlich weniger.“ Am Ende stehen von diesen 49 Euro rund 20 Euro pro 100 Kilogramm. Das Kabinett hatte sich im Frühjahr für Entschädigungen ausgesprochen. Bis sie beziffert sind, sei laut Ministerium im Haushalt eine Leerstelle eingetragen. Im Dezember werde der Etat im Landtag verabschiedet. Das Ministerium rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

April, April

Spätfröste in den zwei Nächten vom 19. bis 21. April führten zu Frostschäden in der Landwirtschaft, insbesondere im Wein- und Obstbau. Landesweit wurden durch die unerwartete Kälte ein Viertel des Weinbaus und ein Drittel des Erwerbsobstbaus geschädigt. Es werden erhebliche Einkommenseinbußen erwartet, die in spezialisierten Obst- und Weinbaubetrieben bis zur Existenzgefährdung führen können. Insgesamt wird von Ertragseinbußen in dreistelliger Millionenhöhe ausgegangen. Der Ministerrat stufte den Frosteinbruch als einer Naturkatastrophe gleichzusetzendes widriges Witterungsverhältnis ein und machte den Weg frei für Ausgleichsmaßnahmen.