Kann ich länger als 17 Sekunden mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen? Oder reicht meine Kraft für mehr als 20 Armbeugen mit Hantel in 30 Sekunden? Das können sich alle Konstanzerinnen zwischen 18 und 39 Jahren fragen, denn im Schnitt schaffen Frauen dieser Altersgruppe die genannten Leistungen. Entsprechende Werte liegen für alle Altersklassen und beide Geschlechter vor; gewonnen wurden sie bei den ersten vier Durchgängen der Konstanzer Life-Studie.

Die groß angelegte Untersuchung ist nun in die fünfte Runde gestartet. Geforscht wird zum Zusammenspiel von Ernährung und körperlicher Aktivität, um auf dieser Datengrundlage Ansätze für die Gesundheitsförderung entwickeln zu können. Wieder sind alle Bürger aufgerufen, sich einem freiwilligen Fitnesstest im Dienst der Wissenschaft zu unterziehen. Dabei profitiert jeder Einzelne, denn die persönlichen Werte zu Gewicht, Blutdruck, Cholesterin und Fitness werden auf einem Gesundheitspass vermerkt. Besonders, wer immer wieder teilnimmt, unterstützt die Forschung: Studienleiterin Britta Renner, Professorin für Gesundheitspsychologie, erklärt: "In Deutschland wurde deutlich, dass Längsschnittstudien zu diesem Thema fehlen." Und auch die Teilnehmer selbst können ihre körperliche Verfassung über die Jahre beobachten. So macht es FGL-Stadträtin Christiane Kreitmeier, die bei der Auftaktveranstaltung Oberbürgermeister Uli Burchardt vertrat. "Ich war bislang jedes Mal dabei, so kann ich meine Werte im Auge behalten und auch mit dem Durchschnitt meiner Altersgenossinnen vergleichen", sagte Kreitmeier. Besonders anspruchsvoll findet sie das Rückwärts-Balancieren auf einem schmalen Balken sowie die Gedächtnisaufgabe. Sie nutzte auch zusätzlich die Möglichkeit, ihre Ernährungsgewohnheiten mit einer Smartphone-App aufzuzeichnen.

So wie die Stadträtin waren über 200 Bürger von Anfang an treu dabei. Durch die flexiblen Zeiten finden auch viele Berufstätige den Weg in den Bürgersaal, in dem die Life-Studie stattfindet. "Diese Altersgruppe ist ansonsten unterforscht", sagt Britta Renner. Gut vertreten ist auch die ältere Generation, während in der jüngsten Gruppe nur selten Wiederholungstäter zu finden sind. "Viele sind Studenten und ziehen weg", sagt Harald Schupp, der an der Universität Konstanz den Bereich Biologische Psychologie leitet. Er findet vor allem das Wechselspiel zwischen Psychologie und physiologischen Risikomarkern spannend. Damit meint er: Wer eine positive Einstellung zum Essen hat, dessen Blutfettwerte verbessern sich, das Risiko für ein metabolisches Syndrom sinkt – eine der bisherigen Erkenntnisse der Life-Studie. Britta Renner formuliert es so: "Wir müssen wieder mehr mit Lust essen und genießen anstatt Kalorien zu zählen."

Auch Uni-Rektor Ulrich Rüdiger als Schirmherr macht Werbung für die Teilnahme an der Studie: "Je mehr Menschen dabei sind, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse." Außerdem verdeutliche auch die fünfte Erhebung die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Hochschule: "Die Wissenschaft ist mitten in Konstanz sichtbar."

Teilnahmebedingungen

  • Aufgaben: Wer an der Konstanzer Life-Studie teilnehmen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Zunächst wird bei nüchternem Magen Blut abgenommen, anschließend (oder an einem anderen Tag) folgen Untersuchungen zu Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewichtsgefühl und Gedächtnis. Außerdem wird das Ernährungsverhalten abgefragt sowie die Gründe dafür. Neben der Psychologie sind auch die Sportwissenschaft und die Gesundheitsökonomie an der interdisziplinär angelegten Längsschnittstudie beteiligt. Der SÜDKURIER unterstützt die Untersuchung.
  • Termine: Die fünfte Welle läuft ab jetzt bis Donnerstag, 13. April, jeweils montags bis samstags von 7 bis 14 Uhr sowie montags, dienstags und freitags von 16 bis 20 Uhr, im Bürgersaal am Stephansplatz 15. Empfohlen wird eine Online-Anmeldung, um sich Wunschtermine zu reservieren. Antworten auf Fragen gibt es unter Telefon 07531/88 55 11. (kis)
Das Projekt: www.uni-konstanz.de/life-studie