500 bis 600 Betten zu bekommen, das wäre für Veranstalter von Tagungen kein Problem. Auch kurz vor oder nach der Hauptsaison, auch zu Preisen von rund 100 Euro pro Zimmer und Nacht. Das entgegnet Dieter Wäschle den Aussagen von Bodenseeforum-Geschäftsführer Jochen Lohmar, in Konstanz gebe es zu wenige Hotelbetten und zu wenig Wettbewerb im mittleren Preissegment. Wer sich rechtzeitig um die Buchung kümmere und die Zimmer für mehrere Nächte belegen will, finde laut Wäschle auch etwas. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (Dehoga) und Chef des Petershauser Hotels Petershof.

Aber im Sommer ist es doch wirklich schwierig, in Konstanz ein Hotelbett zu bekommen?

"Die von Jochen Lohmar angesprochenen 140 Tagungsteilnehmer sind für die Konstanzer Hotellerie ein Nasenwasser – auch im Juni und Juli sind wir nicht ausgebucht," kontert Wäschle. Lohmar hatte in der vergangenen Woche erklärt, dem Bodenseeforum sei eine Großveranstaltung und den Hotels ein Umsatz von bis zu einer halben Million Euro entgangen, weil Konstanz nicht ausreichend Zimmer bereitstellen konnte – in eben jenem Zeitraum zwischen Juni und Juli, für eben jene 140 Gäste.

"Wir haben nicht zu wenige Betten in Konstanz", fasst Wäschle zusammen, "diese pauschale Aussage von Jochen Lohmar stört mich." Der Dehoga spreche sich nicht grundsätzlich gegen Wachstum aus. "Aber das sollte bitteschön vernünftig und zielgerichtet sein, Konstanz ist kein Standort für Billigheimer", erklärt der Konstanzer Hotelier. Bereits im Sommer vergangenen Jahres warnte der Dehoga vor der aktuellen Entwicklung von immer mehr Hotels: Knapp 900 000 Gäste, so viele wie nie, übernachteten 2017 in der Stadt, fast 4000 Betten stellen Hotels zur Verfügung.

Was sagen eigentlich Umweltschützer zur Forderung nach mehr Hotels?

Julia Nestler, Sprecherin der Ortsgruppe Konstanz des Bund für Naturschutz und Umwelt (BUND), bezeichnet die Forderung von Jochen Lohmar als überholt. Als Grund dafür nennt sie hohe Baulandpreise und Baukosten. Ähnlich wie auf dem Wohnungsmarkt sorge der überhitzte Konstanzer Markt laut den Umweltschützern für hohe Zimmerpreise. "Wir sind der Ansicht, dass Konstanz ein ausreichendes Angebot an Hotels hat", sagt Nestler. Analog zum Wohnbau fordert der BUND "eine Reduzierung des exzessiven Flächen- und Naturverbrauchs, damit Konstanz auch weiterhin eine lebenswerte Stadt bleibt".

 

Zu viele oder zu wenige Hotels? Das sagen vier Konstanzer Bürger

  • Stephanie Martin
    "Ich wüsste nicht wo. Und wenn Grünflächen für Hotels zerstört werden sollten, täte das dem Tourismus nicht gut.".
  • Robert Hörenberg
    "Es gibt ja schon im Industriegebiet etliche neue Hotels. Das reicht meiner Meinung nach."
  • Jonas Schmidt
    "Wenn das Bodenseeforum etwas an der Organisation ändert, wäre der Bedarf an Hotels vielleicht da."
  • Herta Völlinger
    "Ich sage, Jochen Lohmar hat Recht und wir brauchen vor allem preiswerte Hotels."

 

 

Hat sich das Bodenseeforum eigentlich bei den Buchungszahlen in Hotels überhaupt bemerkbar gemacht?

Dehoga-Mann Dieter Wäschle betont, Schuldzuweisungen vermeiden zu wollen. "Die Hotels sind dankbar gegenüber dem Bodenseeforum und wir wollen etwas zurückgeben", stellt er fest. Gleichzeitig spricht er von nicht erfüllten Erwartungen nach der Eröffnung des Hauses. Signifikant mehr Betten seien dadurch nicht belegt worden, von einem wachsenden Interesse "kann nicht die Rede sein".

Ein Problem: Fehlende Kommunikation zwischen Bodenseeforum und Hotels als Ergebnis der führungslosen Zeit vor der Übernahme des Hauses am Seerhein durch Jochen Lohmar. "Nach einer Unterbrechung läuft der Austausch jetzt wieder gut", sagt der Konstanzer Dehoga-Ortsvorsitzende, Konzil-Chef Manfred Hölzl. Anfragen mit Bezug auf Veranstaltungen im Bodenseeforum würden bevorzugt bearbeitet, entsprechend Kontingente bereitgestellt. Wegen einzelner Veranstaltungen Hotels freizuhalten sei allerdings nicht möglich, stellt Hölzl fest: "Mitarbeiter wollen in Vollzeit beschäftigt werden, nicht nur für einzelne Buchungstage, ansonsten steht der Betrieb leer und hätte immense Probleme, am Markt zu bestehen."

 

Wenn jetzt wieder gesprochen wird: Was raten die Hoteliers für die Zukunft?

Nicht mehr Hotels benötige es, so das Fazit der Branchenvertreter. Sondern bessere Planung. "Ich erwarte schon, das ein Veranstalter auch die Feiertage und örtliche Situation kennt und das Interessenten auch mitteilt", deutet Dieter Wäschle an. Dass das in der Vergangenheit in Konstanz nicht immer der Fall war, beweise eine Anfrage einer großen Bettenzahl für ein verlängertes Wochenende im Mai. Der Interessent habe laut Wäschle nicht realisiert, dass zu dieser Zeit in Baden-Württemberg ein Feiertag ist – und die Hotels in der Stadt entsprechend von Kurzzeit-Touristen ausgebucht.

Dieter Wäschle fasst zusammen: "Veranstaltungsmanagement ist mehr als nur das Haus selbst zu füllen." Er erwarte nun rasch Gespräche mit Jochen Lohmar, eine Marke könnte im April liegen. Dann will die Marketing und Tourismus GmbH Konstanz im Gemeinderat eine Studie vorstellen, die den Politikern als Handlungsempfehlung für die Weiterentwicklung der Hotellerie dienen soll.

Manfred Hölzl sagt bereits jetzt, er wäre froh über einen verlässlichen Partner für Veranstaltungen neben dem von ihm geführten Konzil: "Das Bodenseeforum ist gefordert, ordentlich abgearbeitete Veranstaltungen zu liefern, und keine Schlagzeilen", sagt er. Hölzl ist überzeugt von der Abfolge: positive Aufmerksamkeit, klare Angebote für Kunden, Präsentation von Konstanz als idealer Tagungs- und Veranstaltungsort. "So einfach funktioniert Veranstaltungsmanagement, Dienstleistung und harte Arbeit stehen hier vornan", empfiehlt Hölzl.

Übrigens: Die Bettenbelegung in Konstanz steigt

Die Statistik zeigt einen – wenn auch leichten – Anstieg bei der Auslastungsquote der Hotelbetten in Konstanz: Im Jahr 2015, dem letzten vor der Eröffnung des Bodenseeforums, betrug sie 55,5 Prozent; 2017 lag sie bei 56,6 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch unter 45 Prozent. Aktuell liegt Konstanz deutlich über dem Landesdurchschnitt von zuletzt 39,4 Prozent.