Konstanz Konstanzer Bürger fürchten zu dichte Bebauung

Die Einwohner des Ortsteils Staad freuen sich über den Rahmenplan, dennoch gibt es viele Einwände gegen eine von der Stadtverwaltung präsentierte konkrete Vorlage. Das Gebiet verliere seinen typischen Charakter – so der vielfach geäußerte Vorwurf.

Ein gutes Dutzend Bürger hat sich im Hechtgang versammelt. Sie blicken mit Entsetzen auf zwei große Baukörper, die momentan an dieser Stelle entstehen. "Was hier gebaut wird, ist eine Katastrophe", sagt eine ältere Dame. Die Anwohner befürchten, dass ihr Quartier nach und nach seinen Charakter verliert. Der besteht hauptsächlich aus eingeschossigen Häusern mit bewohnbarem Dach, großen Gärten und viel Grün. Die hohe Wohnqualität ist sogar durch eine Studie bestätigt: Ein Stuttgarter Büro beschrieb genau, welche Häuser und Grünflächen sich zwischen Schiff- und Staader Straße, Nestgasse und Hoheneggstraße befinden. Die Planer kamen zu dem Schluss: "Die im Gebiet gärtnerisch genutzten und straßenbildprägenden Vorgärten werden immer mehr versiegelt. Es entstehen aktuelle Neubauten, die in Maßstäblichkeit und Belegungsdichte das Maß der umgebenden Bebauung übersteigen."

So weit sind sich Bürger und Stadtplaner einig. Auch die Verwaltung möchte einen Rahmenplan aufstellen, als Grundlage für einen Bebauungsplan. Das Stuttgarter Büro legte drei mögliche Varianten vor: Bei Studie 1 wird deutlich nachverdichtet, es sind dreigeschossige Häuser, Tiefgaragen und die Bebauung von Grünflächen möglich. Bei Studie zwei wird maßvoller nachverdichtet, Studie 3 wäre die Festschreibung des Ist-Zustands. Für die Stuttgarter Planer kommen Variante 1 (Verlust des Gebietscharakters) und 3 (kein Gewinn von dringend benötigtem Wohnraum) nicht in Frage. Doch auch die Variante 2 behagt den Allmannsdorfer und Staadern überhaupt nicht.

Sven Martin, Vorsitzender der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) sagte beim Ortstermin: "Wir begrüßen grundsätzlich die Aufstellung eines Rahmenplans, denn bislang gab es willkürliche Einzelfallentscheidungen." Martin dankte der Stadt auch dafür, dass die Bürger kürzlich bei einem Info-Abend ins Gespräch mit der Verwaltung kommen konnten. Doch sagte auch, dass die Bürger auf einige Fragen keine Antwort erhalten hätten. So blieb unklar, auf welche Ziffer die Grundflächenzahl ansteigen könnte. Bislang liegt dieses Maß für die Dichte der Bebauung im fraglichen Gebiet bei 0,17. "Es hieß, die Zahl könne sich auf 0,25 oder 0,3 erhöhen", so Sven Martin. "Das wäre eine Nachverdichtung um 80 Prozent!" Auch die Anwohnerin Brigitte Neidhart meint: "Die Ziele, die im Rahmenplan formuliert sind, kann ich unterstützen. Aber sie passen nicht damit zusammen, was in Studie 2 vorgeschlagen wird." Neidhart moniert, dass zwei Geschosse plus Dach möglich sein sollen. Auch, dass Flachdächer erlaubt sein sollen, gefällt ihr nicht.

Als Vertreter der Politik war CDU-Stadtrat Roger Tscheulin zum Ortstermin gekommen. Er sagte: "Ich kann das gern in unsere Fraktion und den Gemeinderat tragen. Allerdings muss man auch sehen, dass die Grundflächenzahl mit 0,17 sehr gering ist im Vergleich zu anderen Gebieten."

 


 

Zum Rahmenplan Staaderberg

  • Das Gebiet: Der Rahmenplan umfasst eine Fläche von knapp neun Hektar und befindet sich in Allmannsdorf und Staad. 116 Hauptgebäude auf 124 Flurstücken sind im Plan erfasst. 86 Prozent der Häuser tragen ein Satteldach, nur sieben Prozent ein Flachdach. 43 Prozent der Häuser sind freistehende Einfamilienhäuser. Viele wertvolle Baumbestände und Ziersträucher begrünen das Quartier, außerdem sind hier laut Stuttgarter Büro 33 Vogelarten und vier Fledermausarten zu Hause.
  • Das Verfahren: Der Konstanzer Gemeinderat beschloss im November 2014 die Aufstellung eines Rahmenplans für den Staaderberg. Damit soll der Charakter des Gebiets erhalten werden, doch durch die steigende Nachfrage nach Wohnraum muss auch hier nachverdichtet werden. Die Stadtverwaltung beschloss gleichzeitig eine Veränderungssperre, bis der Rahmenplan gilt. Einige Baugesuche wurden tatsächlich zurückgestellt, doch andere erhielten zum Unmut der Anwohner eine Ausnahmegenehmigung. Die Bürger können noch bis zum kommenden Mittwoch, 12. Oktober, ihre Einwände schriftlich an die Stadtverwaltung senden. Die Adresse: Amt für Stadtplanung und Umwelt, Untere Laube 24, 78462 Konstanz. Auskünfte zum Rahmenplan erteilt die Stadtverwaltung unter der Telefonnummer (07531) 90 05 39. (kis)

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