Der erste Schritt zu einer neuen Verkehrsregelung in der Innenstadt ist fast geschafft: Hunderte Bürger haben am Freitag mit einem Straßenfest den Baustellen-Abschluss auf dem Rheinsteig gefeiert. Für wenige Stunden war die Straße fest in der Hand von Fußgängern und Gassenfreitags-Bummlern, bevor später am Abend die ersten Autos über den Abschnitt fuhren – allerdings nur in eine Richtung.

Vier Tage Vollsperre reichten nicht fürs Fertigwerden aus

Denn auch die vier Tage Vollsperre reichten nicht aus, alle Arbeiten zu Ende zu bringen. Während die Fahrspur stadteinwärts noch rechtzeitig fertig wurde, stehen an der Spur stadtauswärts noch letzte Arbeiten an, unter anderem für die Markierung. Als Grund für die Verzögerung gibt die Stadtverwaltung den "anhaltenden Regen" an.

Baubürgeremeister Karl Langensteiner-Schönborn (dritter von rechts) freut sich gemeinsam mit Wolfgang Seez, dem Leiter des Tiefbauamts, und seinen Kollegen Michele Lagrutta und Bauleiter Peter Martin über die Wiedereröffnung des Rheinsteigs.
Baubürgeremeister Karl Langensteiner-Schönborn (dritter von rechts) freut sich gemeinsam mit Wolfgang Seez, dem Leiter des Tiefbauamts, und seinen Kollegen Michele Lagrutta und Bauleiter Peter Martin über die Wiedereröffnung des Rheinsteigs. | Bild: Jörg-Peter Rau

Einer strahlte bei der Eröffnung ganz besonders: Karl-Heinz Nack von der Narrengesellschaft Niederburg. Er war der Ideengeber für das Fest und rief bei der Feier in die Menge, das könne man doch künftig jedes Jahr machen. Ob die Konstanzer aber neuerliche Sperrungen des Rheinsteigs mitmachen würden, blieb offen. Der Beifall für Nacks spontane Idee war jedenfalls eher verhalten. Größer war die Begeisterung über den einmalig so freien Zugang von der Niederburg an den Rhein und das durchaus stilvolle Fest-Ambiente – auf die Beine gestellt übrigens von einer Praktikantin bei der Marketing und Tourismus GmbH, Lara Nerpel.

Zwei Bürgermeister halten Auto-Sperre am Bahnhof weiter für sinnvoll

Oberbürgermeister Uli Burchardt und Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn nutzten das Fest, noch einmal für das C-Konzept zu werben. Die Durchfahtssperre am Bahnhof rücke Altstadt und See näher aneinander und schaffe mehr Sicherheit und Komfort für Fußgänger und Radfahrer, sagte Burchardt. Wobei der Verkehr in der Altstadt seit 2016 bereits deutlich zurückgegangen sei: Im Handel habe "der eine oder andere Bereich inzwischen schwierige Umsatzrückgänge". Um so wichtiger sei ein attraktives Zentrum.

Vor dem Fest am Rheinsteig in der Altstadt von Konstanz zur Eröffnung nach der 14-monatigen Sanierung; Die ersten Radfahrer nutzen die neue Strecke, später werden sie auf dem Radweg an der Seite fahren müssen.
Vor dem Fest am Rheinsteig in der Altstadt von Konstanz zur Eröffnung nach der 14-monatigen Sanierung; Die ersten Radfahrer nutzen die neue Strecke, später werden sie auf dem Radweg an der Seite fahren müssen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Dort hinkommen soll man nach seinen Worten künftig vorzugsweise mit dem Rad oder dem (Pendel-) Bus. Inzwischen werde die Zahl der Radler, die die Fahrradbrücke pro Tag überquerten und damit die Straßen entlasteten, auf rund 20.000 geschätzt.

Auch Langensteiner-Schönborn kündigte an, dass Fußgänger und Radfahrer bei der weiteren Umgestaltung des Altstadtverkehrs im Vordergrund stehen sollen. Im kommenden Jahr beginne der Neubau des Bahnhofplatzes – dieser musste nach seinen Worten auf die Sanierung des Rheinsteigs warten, weil dieser künftig eine wichtigere Rolle für den Autoverkehr spielen wird. Der immer wieder auch nach den Erfahrungen mit der 14-monatigen halbseitigen Sperrung des Rheinsteigs diskutierte Einbahn-Ringverkehr sei keine Lösung: "Das bringt uns nicht weniger Verkehr, sondern 13 Prozent mehr."

Straßenschäden: Dieses Bild prägte den Rheinsteig viele Jahre lang.
Straßenschäden: Dieses Bild prägte den Rheinsteig viele Jahre lang. | Bild: Jörg-Peter Rau

Mit der Sanierung des Rheinsteigs werden auch die monatelangen Bauarbeiten an der Alten Rheinbrücke abgeschlossen. Dort hatte sich herausgestellt, dass ein Verbindungsteil zum Festland marode geworden war. Erstaunlicherweise habe die Einengung auf zeitweise nur je eine Fahrspur pro Richtung kaum Probleme bereitet, sagte Langensteiner-Schönborn. Ab Dienstag laufe der Verkehr wieder wie gewohnt. Dann kann auch die Buslinie 5 ohne die weiträumige Umleitung durch das Paradies und die Neue Rheinbrücke wieder wie gewohnt vom Bahnhof über die Laube bis zur Therme und zum Hörnle fahren.

Die Baustelle und das C-Konzept

Neue Verkehrsregelung: Für die Altstadt hat der Gemeinderat 2015 auf Vorschlag der Freien Grünen Liste einen Grundsatzbeschluss gefasst: Künftig sollen Autos nicht mehr am Bahnhof vorbeifahren können, um den Durchgangsverkehr zu verlagern. Alle Parkhäuser bleiben zugänglich, am Fischmarkt und vor dem Lago entstehen Wendemöglichkeiten. In der Zwischenzeit sind Pläne spruchreif geworden, an der nächstäußeren Spange Europastraße/Reichenaustraße Parkhäuser zu errichten.

Rheinsteig: Der Rheinsteig war eine der am meisten beschädigten Straßen der Stadt. Während der 14-monatigen Bauarbeiten wurden unter anderem auch 2,5 Kilometer Leitungen verlegt, die Kanalisation erneuert und die Ufermauer saniert. Neue Bäume werden im Herbst gepflanzt. Das Projekt blieb mit 2,7 Millionen Euro im Budget.