Der Film „Avatar“ hat das Kino mit seiner 3 D-Technik revolutioniert. Eine ähnliche Revolution könnte nun in der Operationstechnik kommen. Am Konstanzer Klinikum etwa stellen Ärzte einer neuen OP-Methode, die 3 D-Technik nutzt, ein sehr gutes Zeugnis aus. Einstein Vision heißt das System, das der Tuttlinger Medizintechnik-Hersteller Aesculap entwickelt hat und das in der minimal-invasiven Schlüsselloch-Chirurgie angewendet wird. Mit seiner 3 D-Optik liefert es gestochen scharfe, dreidimensionale Bilder aus dem Körperinnern. Die 3D-Technik wird in der Roboterchirurgie schon lange angewendet. Mit Einstein Vision ist sie nun auch in der Endoskopie einsetzbar. Minimal-invasive Operationsverfahren werden seit vielen Jahren bei circa 80 Prozent aller Fälle auch im Klinikum Konstanz eingesetzt. Das Klinikum Konstanz hat kürzlich für einen sechsstelligen Betrag das neue ­Einstein Vision-System erworben.

Drei Disziplinen arbeiten mit dem System. „Wir sind alle begeistert“, sagt Andreas Zorr, Chefarzt der Frauenklinik. Gemeinsam mit Jörg Glatzle, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Thomas Kiefer, Chefarzt der Thoraxchirurgie und des Lungenzentrums Bodensee, hat sich Zorr für die Einführung stark gemacht. „Die 3 D-Technik ist die Zukunft. In ein paar Jahren wird sie aus den Operationssälen nicht mehr wegzudenken sein“, erklärt Kiefer: „Die Sicherheit vor allem bei großen, komplexen Eingriffen steigt für den Patienten erheblich. Die 3 D-Technik ist schonender und die Genesung der Patienten verläuft schneller.“

Die erhöhte Sicherheit resultiert vor allem aus der Präzision, die das System ermöglicht. Die bisherige Laparoskopie-Technik stellt das Innere des menschlichen Körpers zweidimensional dar. „Wenn man zum Beispiel näht, sieht man in der zweidimensionalen Ansicht nicht, wie die Nadel im Raum steht. Erst wenn man die Bewegung durchführt, erkennt man, wo sich die Nadel befindet. Der Chirurg muss hier auf seine Erfahrung zurückgreifen. Mit der 3 D-Optik sieht man alles dreidimensional und kann auch kleinste Gewebestrukturen in ihrer tatsächlichen räumlichen Lage erkennen und sich so besser orientieren. So vermeidet man Blutungen oder das Beschädigen von Nervenfasern“, erklärt Jörg Glatzle. „Es ist so plastisch, so real, dass ich schnell vergesse, dass ich am Bildschirm operiere. Es ist wie bei einer offenen Operation. Dadurch können wir viel entspannter operieren“, ergänzt Thomas Kiefer. Das realistische Bild wird durch Polarisationsbrillen erzeugt, die unterschiedliche HD-Bilder zu einem Gesamtbild verschmelzen. „Bei den bisherigen endoskopischen Operationen hatte man durch die Lupenbrille einen Vergrößerungseffekt. Jetzt ist die Lupenbrille dreidimensional geworden und liefert eine phänomenale Auflösung“, lobt Zorr.

Einstein Vision

Die von Aesculap entwickelte Einstein Vision besteht aus einem Laparoskopieturm mit einem Monitor, der 2 D- und auch 3 D-Ansichten wiedergeben kann. Spezielle Polarisationsbrillen wandeln das Bild für das OP-Personal in eine dreidimensionale Ansicht um. Die Kamera befindet sich auf einem Haltearm, der flexibel am OP-Tisch befestigt wird und sich wie ein Roboterarm bewegen lässt. Er wird über eine Fernbedienung gesteuert. Der Kamerakopf und die speziellen, feinen Instrumente werden mittels kleiner Schnitte ins Körperinnere eingeführt. Durch das Aufblähen der Bauchhöhle mit Kohlendioxid-Gas verbessert sich für den Operateur die Sicht.