Die Kirchenglocken läuteten noch das neue Jahr ein, da schrillten schon die ersten Martinshörner vor der Wache in der Steinstraße: Die Konstanzer Feuerwehr hat einen arbeitsreichen Jahreswechsel erlebt und musste mehrfach ausrücken, weil durch Feuerwerkskörper Brände ausgelöst wurden. Pressesprecher Felix Graf sprach am Neujahrstag von einer "anstrengenden Silvesternacht", in der zum Glück aber keine Personen ernstlich zu Schaden gekommen sind. Von massiven Verstößen gegen das erneut über weite Teile des rechtsrheinischen Stadtgebiets verhängen Feuerwerkverbots wurde zunächst nichts bekannt.

Den ersten Einsatz des Jahres 2017 musste die Feuerwehr in der Schneckenburgstraße leisten. Wenige Minuten nach Mitternacht fanden die Einsatzkräfte dort einen brennenden Hyundai vor, von dem die Flammen bereits vollständig Besitz ergriffen hatten, so die Feuerwehr in einer Pressemitteilung. Die Feuerwehrleute mussten das Auto unter Atemschutz löschen. Während die Polizei zur Höhe des Schadens zunächst keine Angaben machen konnte, nennt sie als mögliche Ursache einen Feuerwerkskörper, der das Auto in Brand gesetzt haben könnte.

Fast gleichzeitig ging ein Notruf vom William-Graf-Platz am Fähranleger in Staad ein. Als Freiwillige aus Allmannsdorf und Hauptamtliche aus der Wache in Petershausen ankamen, entdecken sie ein offenes Feuer auf dem Balkon im zweiten Obergeschoss als Brandherd. Dort stand, so die Feuerwehr, Mobiliar in Flammen, das Helfer nicht mit Pulverlöschern hatten bekämpfen können. Die Feuerwehr musste mit Drehleiter und Atemschutz-Ausrüstung eingreifen und konnte die Ausbreitung des Rauchs eindämmen.

Die Polizei ermittelte dazu, dass zwei Männer im Alter von 21 und 26 Jahren Silvesterraketen gezündet hatten. Laut einer Pressemitteilung fiel dabei eine als Startbasis vorgesehene leere Flasche um, sodass die Rakete nicht in dem Himmel stieg, sondern auf dem Balkon eines nahen Hauses landete. Zunächst geriet dort eine zum Lüften aufgehängte Decke in Brand. Die entstehende Hitze war so stark, dass die Scheibe zum Wohnzimmer platzte, im dem sich die 82-Jährige Mieterin befand.

Ersthelfer kurz im Krankenhaus

Zwei 20 und 23 Jahre alte Mitarbeiter einer Gaststätte bemerkten das Feuer und konnten verhindern, dass es auf das Innere der Wohnung übergriff. Die beiden jungen Ersthelfer wurden mit einem Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, konnten es aber nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Die 82-Jährige überstand den Brand laut der Pressemitteilung unverletzt. Die Höhe des materiellen Schadens stand zunächst noch nicht fest.

Für die Feuerwehr war die Silvesternacht nach dem größeren Einsatz in Staad noch nicht beendet: Im nahegelegenen Felchengang brannte im weiteren Verlauf noch ein Müllcontainer. Wegen eines ähnlichen Einsatzes musste sie auch in die Sepp-Biehler-Straße in Allmannsdorf ausrücken. Größere Schaden entstanden bei diesen zwei Bränden offenbar nicht.

Die Polizei war in der Silvesternacht nach eigenen Angaben mit einem besonders großen Aufgebot im Einsatz. In gesamten Präsidiumsbereich Konstanz wurden die Polizeireviere personell verstärkt, wie es am Neujahrsmorgen hieß. Auch zusätzliche Einsatzkräfte der Schutz- und Kriminalpolizei sowie Beamte des Polizeipräsidiums Einsatz hätten teils uniformiert und teils auch in zivil für größtmögliche Sicherheit gesorgt, teilte die Polizei mit. Die Nacht sei "weitgehend friedlich und ohne größere Zwischenfälle" verlaufen, hieß es am Neujahrsmorgen: "Insgesamt kann aus polizeilicher Sicht eine positive Silvesterbilanz gezogen werden."

 

 

Feinstaub, Müll und Feuerwehr

Raketen hinter dichtem Nebel, Feinstaub in der Luft und ein Aufruf der Feuerwehr, sich ehrenamtlich zu engagieren: Randnotizen vom Jahreswechsel in Konstanz. 

  • Feuerwerk in Nebel: Weniger zufrieden waren alle, die das neue Jahre mit Feuerwerk begrüßen wollten. Viele Raketen verschwanden in der dichten Nebeldecke, bevor sie überhaupt ihre Pracht entfalten konnten – zu sehen war oft lediglich ein farbiges Leuchten. Innerhalb weniger Minuten sorgte auch eine zunehmende Belastung mit Feinstaub für eine weitere Verschlechterung der Sicht. In windstiller Umgebung kam es zum gleichen Phänomen wie ein Jahr zuvor.
  • Feinstaub in der Luft: Zwar wurden nach ersten Messergebnissen keine massiven Grenzwertüberschreitungen wie in der Silvesternacht 2015/2016 ermittelt, bei Feinstaub PM 10 (Partikelgröße zehn tausendstel Millimeter) erreichte der Index am Neujahrstag aber nur die Schulnote vier. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm (Millionstel Gramm) wurde an der Messstation im Paradies einmal überschritten, teilt die Landesantalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg auf ihrer Internetseite mit.
  • Müll auf den Straßen: Viele Böller-Fans haben in der Nacht die Schauplätze ihrer Feuerwerke verlassen, ohne den Dreck wegzuräumen. Besonders viel Müll war unter anderem im Stadtgarten und am Zähringerplatz zu sehen. Neben Resten von Feuerwerks-Batterien lagen auch viele Sektflaschen in der Stadt herum.
  • Feuerwehr mit Aufruf: Die Konstanzer Feuerwehr nutzt den Jahreswechsel und die guten Vorsätze viele Bürger, um zu einem Engagement aufzurufen. Pressesprecher Felix Graf veröffentlichte am Neujahrsmorgen auf der Internetseite der Konstanzer Feuerwehr folgende Botschaft: "Du möchtest deine neuen Vorsätze in die Tat umsetzen? Bei uns schaffst du das! Wir suchen dich als Teil der Feuerwehr der Stadt zum See, mit etwa 280 Freiwilligen, 20 Hauptamtlichen und über 1000 Einsätzen im Jahr: Mitmachen!"


Aktuelle Luftmessungen aus Konstanz: www.mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de

So sucht die Feuerwehr Nachwuchs: www.feuerwehr.konstanz.de/Mitmachen