Konstanz Konstanz macht sich bereit für neue Wasserbusse

Der Anlegesteg am Bodenseeforum nimmt Formen an: Die wichtigste Voraussetzung für eine Buslinie auf dem Seerhein ist in wenigen Wochen geschaffen. Der Stadtverwaltung schweben neuartige Elektroboote vor, die vom Großparkplatz am Schänzle in dichtem Takt in die Altstadt fahren sollen.

Die letzten Rammschläge am Seerhein sind verhallt: Mit dem Einbau von zahlreichen Dalben ist der Steg am Bodenseeforum einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Passanten können nun erahnen, wo Fahrgäste künftig ein Kurs- oder Charterschiff besteigen. Eine Doppelreihe von in den Untergrund getriebenen, mehrere Tonnen schweren Rohren zeigt den Verlauf des künftigen Stegs. 13 Meter lange Dalben, die in sechs Meter Tiefe in den Grund des Seerheins getrieben wurden, stehen parallel zur Strömung. An ihnen werden künftig anlegende Schiffe vertäut. Damit geht ein seit langem diskutiertes, laut Stadtverwaltung 410 000 Euro teures Projekt in die Schlussphase.

Ende September soll die neue Haltestelle an der künftigen Wasserstraße Seerhein zur Verfügung stehen, wie es am Freitag auf der Baustelle hieß. Eigentlich sollte der Steg schon diesen Frühsommer fertig sein. Doch nach Informationen des SÜDKURIER stand die sicher geglaubte Genehmigung akut auf der Kippe, weil sich der Naturschutz beim Regierungspräsidium querstellte. Jürgen Salzmann von der gleichnamigen Wasserbaufirma aus Fussach in Vorarlberg, die das Einrammen der Pfähle übernahm, nennt einen weiteren Grund: Das Arbeitsschiff sei mit einem Getriebeschaden ausgefallen. Weil es am ganzen Bodensee kein zweites Schiff für Rammarbeiten in diesem Umfang gebe, sei es zu weiteren Verzögerungen gekommen. 

Hier wird der Steg in den Rhein hinaus führen: Zwischen den niedrigeren Dalben (parallele Reihe vorn) wird der eigentliche Steg angebracht, an den höheren (Reihe im Hintergrund) können dann die Schiffe vertäut werden. Eine Hubmechanik ermöglich die Anpassung an den Wasserstand, ein Schwimmsteg wäre zu anfällig gewesen.
Hier wird der Steg in den Rhein hinaus führen: Zwischen den niedrigeren Dalben (parallele Reihe vorn) wird der eigentliche Steg angebracht, an den höheren (Reihe im Hintergrund) können dann die Schiffe vertäut werden. Eine Hubmechanik ermöglich die Anpassung an den Wasserstand, ein Schwimmsteg wäre zu anfällig gewesen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Mit Fertigstellung des Stegs rückt auch das Thema Wasserbus wieder in den Vordergrund. Das schon seit Jahren zugesagte und immer wieder verzögerte Gutachten über alternative Verkehrsmittel in Konstanz – neben dem Wasserbus sollen auch Seil- und Straßenbahn untersucht werden – wurde bis heute nicht vorgestellt. Doch Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn erklärt auf Anfrage des SÜDKURIER vorab, dass die Stadt für eine Wasserbusverbindung in die Stadt einen „dichten Takt von unter 20 Minuten“ anstrebt. Die Prüfung sei aber noch nicht komplett abgeschlossen. 

Haltestelle Bodenseforum: So wie auf diesem Bild das rechte Arbeitsschiff, werden künftig Auflugs- und auch Linienschiffe am Seerhein-Ufer anlegen. Die langen Dalben aus verzinktem Stahl erforderten schweres Gerät und ein einigermaßen ruhiges Wasser zum Einrammen – mehrfach kam es diese Woche zu Verzögerungen.
Haltestelle Bodenseforum: So wie auf diesem Bild das rechte Arbeitsschiff, werden künftig Auflugs- und auch Linienschiffe am Seerhein-Ufer anlegen. Die langen Dalben aus verzinktem Stahl erforderten schweres Gerät und ein einigermaßen ruhiges Wasser zum Einrammen – mehrfach kam es diese Woche zu Verzögerungen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Dass die neue Nahverkehrs-Verbindung von dieselbetriebenen Schiffen geleistet wird, gilt als unwahrscheinlich. Langensteiner-Schönborn bestätigte, dass sich die Stadtverwaltung vom Internationalen Solarforschungszentrum ISC Konstanz beraten ließ. Ziel ist es demnach, die Schiffe mit Solarstrom oder klimaneutral gewonnenem Wasserstoff zu betreiben. Nachdem die Stadtwerke das Projekt Elektrofähre für die Verbindung Konstanz-Meersburg verwarfen, lässt Langensteiner offen, wen sich die Stadt als Betreiber der Wasserbuslinie vorstellt. Sowohl die Stadtwerke als auch private Betreiber seien denkbar, erklärte er am Freitag.

Wann die ersten Wasserbusse am neuen Steg ablegen und wo die Linie endet, ist noch unklar. Überdies könnte auch die Kursschifffahrt in Richtung Stein am Rhein-Schaffhausen die neue Haltestelle anlaufen. Für Gesellschaften und Charterfahrten, zum Beispiel im Rahmen von Tagungen und Kongressen im Bodenseeforum, für Transfers in die Stadt oder zum Programmpunkt auf der Mainau, steht der Anleger aber noch in diesem Jahr zur Verfügung. Im Gemeinderat, der das Thema Wasserbus vor allem auf Betreiben der SPD bereits seit 2008 immer wieder diskutiert, ist die Erwartung jedenfalls eindeutig, dass die Investition auch dem öffentlichen Nahverkehr dienen muss.

Der lange Weg zum neuen Steg

Öffentlicher Nahverkehr über den Seerhein – das scheint heutzutage kompliziert zu sein: 

  • 1892: Erstmals ist eine Fährverbindung vom Pulverturm zur gegenüberliegenden Spanierstraße belegt.
  • 1991: Nach Fertigstellung der Fahrradbrücke stellen die Stadtwerke den Rheinfähre-Betrieb ein.
  • 2013: OB Burchardt eröffnet mit seiner Seilbahn-Idee die Debatte über neue Verkehrsmittel in Konstanz. Zuvor hatte die SPD das Thema Wasserbus mehrfach angeschoben.
  • 2014: Im Januar beauftragt der Gemeinderat die Verwaltung, Studien über Seilbahn, Wasserbus und neue Schienen-Verkehrsmittel vorzulegen.
  • 2016: Im Oktober beschließt der Gemeinderat den Bau eines Schiffsanlagestegs am Seerhein, ausdrücklich für Ausflugs-, Gesellschafts- und Linienschiffe. Im November verspricht die Verwaltung, dass Gutachten zu Wasserbus und Co. im ersten Quartal 2017 vorzulegen. Nach Ende des zweiten Quartals ist das noch nicht erfolgt.

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