Ein Oldtimer-Doppeldeckerbus steht hinter der kleinen Bühne, die auf der Hafenstraße vor dem Sea Life aufgebaut ist. Rund 150 Menschen haben sich vor der Bühne versammelt. Vereinzelt werden Schilder und Fahnen in die Höhe gehalten. „Die Friedenbewegung hat sich in den letzten zehn Jahre nicht sehr vergrößert“, lacht der Liedermacher Konstantin Wecker mit Blick über die überschaubare Zuschauermenge, „aber wir sollten nicht nur auf Erfolge aus sein. Wir müssen tun, was wir tun müssen.“ Die Zuschauer klatschen begeistert.

Der Verein „Keine Waffen vom Bodensee“ hat am Sonntag zu einem Aktionstag gegen die Rüstungsbetriebe um den Bodensee und für den Frieden aufgerufen. Mit einem Oldtimer-Doppeldeckerbus und einer Polizeieskorte sind rund 20 Aktivisten am Sonntagmorgen ab acht Uhr die Rüstungsfirmen entlang der B31 abgefahren. Nach Stationen in Lindau, Friedrichshafen und Überlingen startete gegen 14 Uhr das Programm auf der Hafenstraße in Konstanz. Zwei Musikgruppen und mehrere Redner traten auf der Bühne auf –auch der Liedermacher Konstantin Wecker.

Keine Waffenherstellung und Waffenexport in der Region am Bodensee – das will der Verein erreichen. „Die Klammheimlichkeit der Rüstungsindustrie ist es, die uns so wütend macht“, sagt der Redner Peter Grottian ins Mikro und hebt drohend seinen Zeigefinger. „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Firmen in der Region in der Rüstungsindustrie tätig sind“, sagt Uwe Peschka, der für die Demonstration aus Lindau angereist ist, „wir müssen sie aufklären“.

Auch ein junges Paar, Simon Winter und Nicola Zdarsky, aus Überlingen will, dass sich mehr Menschen bewusst machen, dass der Reichtum der Menschen am Bodensee mit dem Tod anderer Menschen einhergehe: „Wir wollen doch Frieden in der Welt.“

Um diese Aufklärung voranzutreiben und mehr Öffentlichkeit zu bekommen, holte Lothar Höfer, Mitbegründer des Vereins „Keine Waffen vom Bodensee“ und Organisator der Demo, Konstantin Wecker auf die Bühne. Gegen 16 Uhr nimmt der Liedermacher und Komponist das Mirko in die Hand: „Man sagte mir, dass Konstanz im Ausnahmezustand ist. Ich fragte dann: Wegen der Demo? Nein, wegen dem Flohmarkt“, lacht Wecker. In den vier Liedern, die Wecker sang, sprach er sich gegen die Macht der Waffenhändler, gegen rechte Hetze und für die friedliche Aufnahme von Flüchtlingen und die Utopie einer friedlichen Welt aus: „Wenn unsere Brüder kommen mit Bomben und Gewehren, dann wollen wir sie umarmen, wir wollen uns nicht wehren“, singt er zum Abschluss.
 

Der Aktionstag

Die Kundgebung in Konstanz war der Abschluss eines ganzen Aktionstages, zu dem der Verein "Keine Waffen vom Bodensee" ausgerufen hatte. In einer Bilanz des Polizeipräsidiums Konstanz heißt es, die Kundgebungen in Lindau, Friedrichshafen, Überlingen und Konstanz seien "völlig friedlich und ohne besondere Vorkommnisse" verlaufen. Der Leiter des Gesamteinsatzes, Polizeidirektor Axel Drexler, zog laut einer Pressemitteilung ein positives Fazit. es habe keinerlei Probleme mit den Demo-Teilnehmern gegeben. Im Einsatz waren über den Tag rund 40 Beamte des Konstanzer Präsidiums, so die Polizei. (sk)