Verwaltungen und Politiker auf Stadt- wie auf Kreisebene wissen ganz genau: Eine große weitere Flüchtlingsunterkunft direkt am Hörnle wird für Diskussionen, Fragen und Ängste sorgen. Denn die Tennisanlage mag geografisch am Rand der Stadt liegen, in der Wahrnehmung ist das Hörnle aber ein zentraler und für das Gemeinwesen auch zentral wichtiger Ort. Um so verstörender ist es, dass Stadt und Kreis offensichtlich ein Schweigekartell geschlossen haben.

Natürlich werden die Verhandlungen mit Haus- oder Grundbesitzern nicht einfacher, wenn alle Details öffentlich diskutiert werden. Natürlich besteht die Gefahr, dass zum Verkauf oder zur Vermietung bereite Immobilienbesitzer so stark unter Druck gesetzt werden, dass sie ihre Angebote zurückziehen. Das alles rechtfertigt es aber nicht, die Öffentlichkeit nicht an der Debatte darüber zu beteiligen, wie eine öffentliche Aufgabe mit öffentlichem Geld gelöst wird.

Statt dessen scheint es den Verwaltungen angebracht, die Bürger erst zu informieren, wenn vollendete Tatsachen geschaffen sind. Diese Haltung fördert die Wahnehmung, dass Verwaltungen – und leider auch Politiker – gegen ihre eigenen Bürger Argwohn hegen. Das Ergebnis lässt sich in immer hitzigeren Debatten ablesen: Die Bürger reagieren ihrerseits mit Misstrauen gegen ihre Vertreter und Verwalter. Auch wenn man der großen Mehrheit in beiden Akteursgruppen abnehmen darf, dass sie genau dieses Scheitern nicht will: So schaffen wir das nicht.