Oft werden sie gescholten, "die da oben", oder "die da im Rathaus". Meist kommt solche Kritik von jenen, die Kommunalpolitik noch nie selbst miterlebt haben. Insofern war es schade, dass am Donnerstag nur wenige Bürger im Ratsaal saßen und die in der Tat historische Entscheidung zum Hafner miterlebten. Neue Wohnungen, sie sie Konstanz so dringend braucht, sind weder gelb noch grün noch schwarz noch rot. Und nach dem Prinzip hat der Gemeinderat tatsächlich gehandelt.

Bemerkenswert an der Entscheidung ist, dass alle Realität vor Ideologie gestellt haben. OB Burchardt beharrt nicht auf seiner Schwaketenwald-Idee; CDU, Freie Wähler und FDP anerkennen, dass das Recht auf Grundeigentum keine Garantie für Spekulation ist; die Freie Grüne Liste schafft die Abkehr vom Dogma der Nachverdichtung, die in Konstanz nachweislich ihre Grenzen erreicht hat. Fast alle im Ratsaal mussten über einen größeren oder kleineren Schatten springen, und gemeinsam haben sie es tatsächlich auch gewagt.

So ist die Hafner-Abstimmung nicht nur sozialpolitisch ein wichtiger Beschluss, sondern auch ein starkes Signal gegen Politik- und Politikermüdigkeit – und ebenso ein Beleg, dass die Verwaltung alles andere als untätig ist. Für so viel Arbeit, Mut und Realitätssinn kann man auch einfach mal sagen: Danke.