Still und leise haben Techniker in den Sommerferien einen Großteil der Konstanzer Amok-Alarmknöpfe beseitigt. Nur wenige Meldestellen in den Schulen bleiben übrig von einem System, auf das die Stadt einst stolz war und das als Luxus unter den Luxusgeräten galt. Eine halbe Million Euro hat die Verwaltung vor wenigen Jahren dafür ausgegeben – und schon ist das System so veraltet, dass es nicht mehr aufgerüstet werden kann. Das hinterlässt Fragezeichen: Wurde die Stadt damals falsch beraten? Und welche Konsequenzen ziehen die Verantwortlichen daraus?

Inhaltlich sicher die richtigen. Es ist vernünftig, nicht erneut ein teures System anzuschaffen, das sich in zehn Jahren ebenfalls als Reinfall herausstellen könnte. Lieber Geld sparen und mit der Zeit gehen: Ein Handy ist in jedem Klassenzimmer vorhanden und kann im Ernstfall die anfälligen Amokknöpfe ersetzen. Richtig ist auch, die funktionierenden Teile der Anlage weiter zu nutzen, etwa für Durchsagen. Falsch dagegen ist der Umgang von Schulleitern und Verwaltung mit diesem sehr emotionalen Thema. Sie behandelten ihre Besprechungen nicht-öffentlich, banden die Elternvertreter nur am Anfang ein und informierten nach gefundener Lösung die Betroffenen nicht umfassend genug. Die Betroffenen, das sind Kinder, Lehrer und Eltern. Selbstverständlich wäre es gewesen, in jeder Gesamtschulkonferenz und bei jedem Elternabend über das Abschalten der Alarmknöpfe zu informieren. Oder besser: Eltern und Kollegien im Vorfeld einzubinden und ihre Ängste anzuhören. Dass Lehrer verwirrt und Familien unwissend sind, lässt tief blicken. Genauso wie die Aussage aus der Verwaltung, es gebe nichts zu verheimlichen, aber man wollte das Thema einfach nicht künstlich aufblasen.

Für die Betroffenen wird nichts aufgeblasen, sondern sie haben Angst. Dass es überall Täter geben kann, die bewaffnet durchs Schulhaus laufen, steht außer Frage. Eltern wünschen sich den bestmöglichen Schutz ihrer Kinder und hätten deshalb eine transparentere Debatte verdient gehabt – vor dem Hintergrund traumatischer Erfahrungen und wohl wissend, dass am Ende nicht sie, sondern Schulleiter und Stadt entscheiden müssen.

Natürlich kann auch das technisch beste Meldesystem nicht verhindern, dass Unglücke geschehen. Umso wichtiger ist es, dass alle in der Schulgemeinschaft aufmerksam sind, damit niemand durch die Maschen von Hilfsnetzwerken fällt und doch zur Waffe greift. Eine intakte Gemeinschaft und ein weniger störanfälliges Alarmsystem sorgen gemeinsam dafür, dass Jugendliche und Lehrer jeden Tag mit einem guten Gefühl in die Schule gehen können.