Konstanz Kommen die Wasserbusse nach 26 Jahren wieder? Die Chancen stehen gut

Die Aussichten stehen gut, dass Konstanz eine Anlegestelle am Bodenseeforum bauen darf. Damit könnte nach 26 Jahren wieder ein innerstädtischer Fährbetrieb kommen.

Die Stadt kann ihre Pläne konkretisieren, einen Anlegesteg nahe dem Bodenseeforum zu bauen. Für eine wasserrechtliche Genehmigung des Landratsamts fehlt zwar eine Ergänzung des von Konstanz vorgelegten Fachgutachtens. Das öffentliche Interesse, ein wichtiges Kriterium für die Erteilung der Genehmigung, sei jedoch gegeben, erklärte das Landratsamt. Damit stehen die Zeichen gut, dass Konstanz nach 26 Jahren wieder einen innerstädtischen Fährbetrieb erhält.

80 Jahre lang gehörte ein Bootslinienverkehr zum öffentlichen Nahverkehrssystem der Stadt. Noch lange bevor der erste Rote Arnold fuhr, gab es eine Fährverbindung über den Seerhein. Christian Schroff brachte die Menschen seit 1892 von der Spanierstraße, wo heute das Hallenbad ist, zum Pulverturm, und das mit reiner Muskelkraft in Ruderbooten, wie Christoph Halves in seinem Büchlein über die Motorbootbetriebe der Stadtwerke beschreibt. Das Angebot kam an, Schroff und sein Sohn mussten ihre Flotte ausbauen. Bis sie 1910 die "Komet" kauften. Im Jahr 1916 erwarb Konstanz das kriegsbedingt stillgelegte Schiff mit Benzinmotor.

Zu diesem Zeitpunkt bauten die Technischen Betriebe als Vorläufer der Stadtwerke bereits einen zweiten Zweig aus. James de Reynier führte seit 1909 die Motorboot-Gesellschaft Konstanz, hatte aber wirtschaftliche Probleme. Konstanz übernahm die Firma im Jahr 1911 und bediente die Landestellen Hafen, Seestraße, Sanatorium Büdingen, Waldhaus Jakob, Pulverturm, Spanierstraße und Bottighofen. Der erste öffentliche Verkehrsbetrieb in Konstanz war geboren. Die Boote brachten auch Stromeyer-Mitarbeiter über den Seerhein ins Paradies.

Durch den Ersten Weltkrieg, Inflation und Benzinmangels waren die Zeiten jedoch hart. Die Stadt reagierte und ließ das Schiff "Komet" auf elektrischen Antrieb umrüsten – im Jahr 1922 sehr fortschrittlich. Es war, so Christoph Halves in seinem Werk, die Blütezeit des Motorbootverkehrs: in Petershausen entstanden neue Wohngebiete, der Tourismus entdeckte Konstanz. Die Flotte wuchs, Ausflugsfahrten auf die Mainau und Reichenau sowie nach Meersburg waren nun möglich. 1927 und 1928 ging das Busnetz in Betrieb und die erste Fähre nach Meersburg legte ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die Technischen Betriebe den Bau weiterer Boote in Auftrag. Je besser das Busnetz wurde, desto weniger waren die kleinen städtischen Bootslinien gefragt, sie verschwanden. 1982 privatisierten die Stadtwerke die Bäderlinie ans Jaköble. Nachdem die Fußgänger- und Radlerbrücke über den Seerhein entstanden war, schlug 1991 dem Wasserbus "Niederburg" das letzte Stündlein. Die innerstädtischen Motorbootbetriebe der Stadtwerke waren Geschichte.

 

Wie es weitergeht

Der Steg am Bodenseeforum soll einem Wasserbus bis zum Hafen dienen, aber auch für touristische Fahrten und für Charterschiffe. In einem zweiten Verfahren und nach einem Probebetrieb soll geprüft werden, ob ein Wasserbus aus naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten vertretbar ist, erklärt das Landratsamt. "Die BSB untersuchen derzeit die Möglichkeiten eines Probebetriebs für einen Wasserbus mit einem vorhandenen Schiff ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung des Stegs", heißt es von der Stadtverwaltung. Ein Halbstundentakt sei mit auch nur einem Schiff möglich. In Arbeit ist noch eine Wirtschaftlichkeitsstudie.

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