Dunkle und verlassene Orte können gruselig und faszinierend zugleich sein. Bei den Wörtern "Katakomben" oder "Bunker" rieseln kalte Schauer über den Rücken. Lange verweilen möchte niemand an solch einem Ort.

Doch gerade weil diese Plätze entweder alt, geschichtsträchtig oder im Alltag nicht zu sehen sind, sind sie für Menschen interessant und strahlen eine gewisse Anziehungskraft aus.

Nur in geführten Touren kann man die unterirdische Anlage der Uni besichtigen

Erstaunlich ist, dass an der Universität, die als einer der größten Arbeitgeber in Konstanz einen wichtigen Teil der Stadt bildet, solche Orte zu finden sind. Zwar sind die Katakomben der Universität nicht besonders alt (ab 1967 wurde auf dem Gießberg gebaut), jedoch sind die Keller beim alltäglichen Gang durch die Universität nicht einsehbar.

Zuständig für die Touren ist das Facility Management der Universität Konstanz. Abteilungsleiter Tilo Prautzsch führt seit 20 Jahren Interessierte durch das weitläufige und zusammenhängende Netz an Gängen, Räumen und technischen Einrichtungen.

Auf einer Tour durch die Uni-Katakomben

Tatiana Schmid, Kollegin von Prautzsch, übernimmt heute eine Führung für Studierende, die wir begleitet haben. Sie startet die Tour ungewöhnlich: Auf dem Dach.

Bild: Kurz, Charlotte

Auf der Ebene L11, das bedeutet sechs Stockwerke über dem Boden, schließt die gelernte Bauingenieurin die große, dunkle Tür auf und betritt das Dach. Zu hören ist ein lautes Brummen. „Früher mit den alten Geräten war es hier noch lauter“, lacht Schmid.

Bild: Kurz, Charlotte

Verantwortlich für den Lärm sind die Wärmerückgewinnungsanlagen, die die produzierte Wärme aus den naturwissenschaftlichen Bereichen und Laboren wiederverwendet. Technik mit Seeblick sozusagen.

Bild: Kurz, Charlotte

Nach dem Ausblick geht es mithilfe des Lastenaufzuges tief in die Katakomben der Uni. Auf Ebene L4, direkt unter dem naturwissenschaftlichen Bereich, schließt Schmid eine weitere Tür auf. Angekommen im unterirdischen Keller ist es warm und stickig. Die Katakomben sind erstaunlich laut. Überall zischt, brummt, plätschert oder rauscht es.

Bild: Kurz, Charlotte

Über steile, graue Betontreppen geht es ein halbes Stockwerk hinauf und wieder hinunter.

Bild: Kurz, Charlotte

Auch in den Gängen ist die Farbe Grau vorherrschend. Vorbei an dicken Pfeilern und vergitterten Abteilen geht es zu einer der technischen Anlagen, der Wasseranlage.

Bild: Kurz, Charlotte

Hier fließt durch schwarze Rohre vier Grad kaltes Bodenseewasser. Die schwarze Ummantelung dient zur Isolation und reduziert Kondenswasser.

Bild: Kurz, Charlotte

Nicht behandeltes Wasser wird als Rücklauf wieder dem Bodensee zugeführt. Benutztes Wasser, das in den Naturwissenschaften meist in Laboren oder zum Kühlen Verwendung findet, wird mit großen Pumpen so lange umgewälzt, bis der gewünschte ph-Wert erreicht ist und dem Abwasser zugeführt werden kann.

Bild: Kurz, Charlotte

Meterlange, schmale Gänge, flankiert von dicken, grauen Wasserrohren, führen zur zentralen Einrichtung, die sich unter dem Eingangsbereich der Uni befindet. Die Katakomben wirken menschenleer.

Bild: Kurz, Charlotte

Jedoch arbeiten hier tagtäglich Hausmeister, Techniker, Ingenieure, Leitwärter und Architekten, um einen möglichst reibungslosen Alltag in der Universität zu ermöglichen. Insgesamt sind es 98 Beschäftigte, davon 15 Frauen, die beim Facility Management angestellt sind.

Alle Gebäude der Uni, bis auf eines, sind unterkellert und werden für Infrastruktur und Technik oder als Abstellfläche genutzt. So auch die Gänge unter dem Eingangsbereich. „Diese Teile stehen hier seit zehn Jahren herum“, schmunzelt Schmid.

Bild: Kurz, Charlotte

Tiefer geht es in den Uni-Bauch über eine weitere sehr schmale Treppe. Wer unter Schwindelgefühlen leidet, sollte hier besser nicht nach unten schauen.

Bild: Kurz, Charlotte

Die Katakomben bilden nicht nur abgeschlossene, voneinander getrennten Stockwerke, sondern sind auch in offenen Halbgeschossen aufgebaut.

Bild: Kurz, Charlotte

Angekommen in der zentralen Einrichtung, verändern sich die Katakomben von schmalen Gängen zu einem weitläufigen Raum mit niedriger Decke. Viele technische Geräte und Rohre sind in der Raummitte installiert.

Bild: Kurz, Charlotte

In einer Ecke hat sich ein richtiger Kabelsalat angehäuft und funktioniert gleichzeitig als Kabeldepot und Farbklecks im tristen Grau der Kellerräume.

Bild: Kurz, Charlotte

Dass in diesen menschenleeren Räumen jeden Tag Techniker und Technikerinnen arbeiten, fällt vor allem aufgrund der Wanddekoration auf. Landkarten und Weltkarten haben sie hier aufgehängt.

Bild: Kurz, Charlotte

Und sogar eine Panorama-Alpenkarte bringt Farbe in die tiefen Keller der Universität.

Bild: Kurz, Charlotte