Konstanz Knigge ist auch nur ein Mensch

Moritz Freiherr Knigge erklärte Konstanzer Schülern, wie gutes Benehmen das Miteinander verbessern kann. Und er lieferte gleich ein Beispiel, dass das manchmal gar nicht so einfach ist.

Gespannt warteten 360 Schüler und ihre Lehrer im Stadttheater auf Moritz Freiherr Knigge. Welche Benimmregeln hat er wohl im Gepäck? Was mache ich alles falsch und was richtig? Doch Knigge, ein entfernter Nachfahre des berühmten Adolph Freiherr Knigge, stellte gleich klar: „Mein Thema ist es nicht zu erklären, wie man sich zu Tisch verhält oder wie ein Handkuss geht.“ Sein Thema ist die Umgangskultur. „Wie jeder Einzelne sich verhält, hat starke Auswirkungen auf das Miteinander“, so Knigge.
 

Der 47-Jährige kam auf Einladung des Gesamtelternbeirats nach Konstanz und nutzte eineinhalb Stunden Redezeit, um seinen Zuhörern wichtige Regeln mit auf den Weg zu geben. Sein erster Tipp: „Höflichkeit ist nicht nur richtig und wichtig, sondern als Abfallprodukt auch noch nützlich, weil sie vieles erleichtert.“ Sein zweiter Ratschlag lautete: „Horcht öfter in euch selbst hinein und sucht nicht die Fehler bei den anderen.“ Weitere Tipps verband Knigge mit einer Einteilung der menschlichen Neigungen in fünf Kategorien. In die erste Kategorie steckt Knigge die Runterzieher, die sich schnell als Opfer sehen. „Fragt euch mal, wann ihr euch angegriffen fühlt und überlegt, ob ihr verbal zurückschlagen müsst oder ob ihr ein Missverständnis annehmen und gelassen reagieren könnt“, so Moritz Knigge.

<p>Moritz Freiherr Knigge benennt fünf Neigungen bei Menschen. Der Runterzieher sieht überall nur das Negative. Bild: Kirsten Schlüter</p>

Moritz Freiherr Knigge benennt fünf Neigungen bei Menschen. Der Runterzieher sieht überall nur das Negative. Bild: Kirsten Schlüter

| Bild: Kirsten Schlüter

Die Kategorie Besserwisser verdeutlichte er mit dem Bekenntnis, selbst ein „Spülmaschinenbesserwisser mit Spießerattitüde“ gewesen zu sein. Acht Jahre lang habe er versucht, seiner damaligen Lebensgefährtin das richtige Benutzen des Geräts beizubringen. Ergebnis: Bei jedem Zurechtweisen erhielt sie schlechte Laune. „Irgendwann habe ich beschlossen, dass ihre Art der Spülmaschinenbedienung mich nicht mehr stört. Damit war ein Streitpunkt beseitigt“, erzählt Freiherr Knigge. Sein Fazit: „Lasst die anderen anders sein.“

Auch den Stinker in uns (Kategorie drei) sollten wir bekämpfen und keine Beziehungskonten führen wie die Berechner (Kategorie vier). „Denkt nicht: Wenn der mich so lange nicht anruft, muss ich mich auch nicht melden“, riet Moritz Knigge. Aufrechnen führe zu nichts – genauso wenig wie die Neigung, sich selbst für perfekt zu halten, wie es die Könner (Kategorie fünf) tun.

Dass jeder Mensch trotz aller Bemühungen um Höflichkeit gute und weniger gute Momente hat, bewies der Vortragende selbst: Er reagierte ziemlich gereizt auf die nachlassende Aufmerksamkeit im Publikum. Doch der laute Schlussapplaus bewies, dass die Schüler den Vortrag zu schätzen wussten. Und sie waren höflich: Die meisten Smartphones blieben in den Taschen. Schließlich hatte Moritz Freiherr Knigge gesagt: „Echte Menschen haben immer Vorrang vor digitalen Geräten.“

Jacqueline, Jana und Francesca (von links) von der Geschwister-Scholl-Schule möchten künftig mehr darauf achten, was sie selbst im Umgang mit den Mitmenschen besser machen können. Bild: Kirsten Schlüter
Jacqueline, Jana und Francesca (von links) von der Geschwister-Scholl-Schule möchten künftig mehr darauf achten, was sie selbst im Umgang mit den Mitmenschen besser machen können. Bild: Kirsten Schlüter | Bild: Kirsten Schlüter

Reaktionen

Die 15-jährige Jacqueline von der Geschwister-Scholl-Schule sagte: „Ich habe mich in einigen Neigungen erkannt und hoffe, dass viele von uns sich künftig an der eigenen Nase packen.“ Die 15-jährige Jana von der GSS nimmt sich vor, nicht mehr schnell genervt zu sein. Und Francesca, ebenfalls 15 Jahre, gefielen die Alltagsbeispiele im Vortrag. Der 18-jährige Paolo vom Humboldt-Gymnasium leugnete nicht, „dass ich aus einer Wut heraus auch schon unhöflich war – nur nicht zu alten Menschen, die sollte man immer respektieren.“ (kis)

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