Sie wollen keine Traurigkeit aufkommen lassen, aber eigentlich ist die Situation ernst: Kurz vor 18.30 Uhr hat das Teams des Irish Pub Logan‘s aufgeräumt und die letzten Gäste hinauskomplimentiert. „Wir haben allen gesagt, dass um 18 Uhr Schluss ist“, sagt Kellner Musti. „Nachher haben wir eine Krisensitzung, eventuell müssen wir auf Kurzarbeit umstellen“, sagt er.

40 Aushilfen sind bereits ohne Beschäftigung

Die knapp 40 studentischen Aushilfen hätten jetzt bereits keine Arbeit mehr, die Festangestellten bleiben. Einen Lieferservice wird der Pub nicht anbieten, dazu fehlen die Möglichkeiten.

Musti und Riccardo zeigen den Corona-Gruß, Matilde, Nadia und Chiara gegen 18:30 Uhr, kurz bevor das Logan‘s für den Rest des Abends schließt.
Musti und Riccardo zeigen den Corona-Gruß, Matilde, Nadia und Chiara gegen 18:30 Uhr, kurz bevor das Logan‘s für den Rest des Abends schließt. | Bild: Wagner, Claudia

Immerhin hat das Pub-Team die Öffnungszeiten spontan geändert. Das Logan‘s öffnet jetzt bereits um 11 Uhr. Bisher begann der Betrieb um 17 Uhr, das wäre im Moment sinnlos. „Dafür, dass wir das nicht bekannt machen konnten, wurde es gut angenommen“, findet Musti.

Manche Gäste würden gern zum Essen bleiben

Bei der Osteria am Seerhein räumen Marc Köstner und Nikola Antunovic gegen 18:20 Uhr die Aufsteller in die Gasträume und ziehen das Gitter zu. Vereinzelt kommen noch Kunden, die gern zum Essen bleiben würden. Florian Dewitz, Betreiber der Gaststätte, weist sie freundlich ab, verweist aber gleich auf den Abholservice. Die ersten Pizzen sind auch schon fertig und können von Kunden mitgenommen werden.

Marc Köstner und Nikola Antunovic, beide Servicemanager in der L‘Osteria, räumen kurz nach 18 Uhr die lertzten materialien ins Restaurant
Marc Köstner und Nikola Antunovic, beide Servicemanager in der L‘Osteria, räumen kurz nach 18 Uhr die lertzten materialien ins Restaurant | Bild: Wagner, Claudia

Peter Ernst und Cornelia Lindenau haben in der lauen Frühlingsluft jeweils ein Bier getrunken und spontan Lust auf Pizza bekommen. Auch sie bekommen zu hören, dass die Osteria offiziell bereits seit 18 Uhr geschlossen ist.

Cornelia Lindenau hat Verständnis: „Wir wollten hier zu Abend essen, solang das noch möglich ist“, sagt sie. Nun ist es nicht mehr möglich. Wirklich problematisch ist die Absage aber nicht. Ihr Mann koche so gut, dass der Verzicht auf die Restaurant-Pizza leicht zu verschmerzen sei.

Bild: Wagner, Claudia

Auch sonst ist es in der Innenstadt zwischen 18 und 19 Uhr extrem ruhig. Hier und da räumen Gastronomen noch Stühle und Tische zusammen.

Beim indischen Restaurant Maharani sieht der Vater des Inhabers aufmerksam durchs Fenster, um mögliche Gäste auf den Abholservice aufmerksam zu machen.

Es sind aber ohnehin nur sehr wenige Menschen in der Stadt unterwegs.

Zwischen Schnetztor und Bodanplatz ist es ungewöhnlich still für diese Uhrzeit. Auch ins Burro Burro möchte gelegentlich noch ein Gast, auch hier ist das Fenster das Tor für mögliche Bestellungen. Die Eingangstüre ist vorsorglich abgeschlossen.

Bild: Wagner, Claudia

Kein Kneipen- oder Barwirt hat es gewagt, gegen die Anordnung des Landes zu verstoßen.

Einsam ist es auch am Bahnhofsplatz, sonst Drehscheibe des abendlichen Geschehens. Wenige Menschen warten auf den Bus.

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Hell erleuchtet ist in der Häuserzeile am Bahnhofsgebäude nur noch „Schwarzmeer Döner“, viele Kunden kann der Kebapladen aber an diesem Abend nicht mehr anlocken. Inhaber Tuncer Ali hat von der Regelung, dass alle Restaurantbetriebe um 18 Uhr schließen müssen, erst am Vortag erfahren. „Mein Steuerberater hat mir versichert, dass mein Laden geöffnet bleiben kann, da es sich um einen Schnellimbiss handelt“, sagt er.

Ein wenig stolz ist er auch, dass er am frühen Abend ein paar Zöllner mit Döner versorgt hat.

Trotzdem ist die Stimmung trüb. „Es lief heute nicht so gut, aber auch nicht so schlecht“, sagt er. Bahattin Korkmaz, ein Verwandter, erläutert, dass es sehr schwierig sei, seit die Grenze dicht ist. Vorher seien die Kunden zu 70 Prozent Schweizer gewesen.

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Tuncer und seine Mitarbeiter wollen trotzdem da sein für ihre Gäste, auch wenn es so wenige sind wie an diesem Abend. „Die Kunden freuen sich, wenn sie hier etwas bekommen“, sagt Tuncer. Manche leisten ihnen bis tief in die Nacht Gesellschaft, wenn sie auf einen Zug warteten, ergänzt Korkmaz.

Bild: Wagner, Claudia

Dann kommt doch noch ein Kunde. Manuel Gmeiner ist schon Stammgast, seit drei Tagen. Auch er ist froh, dass es hier etwas zu essen gibt. Die Yufka sei außerdem außergewöhnlich gut. An einem außergewöhnlichen Abend, an dem in Konstanz die Stille Einzug hält.