Konstanzer Hausärzte sind älter als ihre Kollegen im bundesweiten Durchschnitt. Annähernd 40 Prozent der niedergelassenen Hausärzte in der Stadt sind über 60 Jahre alt. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Landtagsabgeordneten Nese Erikli (Grüne) hervor. Deutschlandweit haben diese Altersgrenze etwa ein Drittel der Hausärzte überschritten, wie aus den Zahlen der Bundesärztekammer zu entnehmen ist – vor zehn Jahren waren nur etwa 20 Prozent über 60 Jahre alt.

Wie sieht die Versorgung mit Hausärzten in Konstanz künftig aus?

Noch droht Konstanz trotz der hohen Altersdurchschnitts keine Versorgungslücke bei der hausärztlichen Versorgung. Laut Nese Erikli zeigen die Antworten der Landesregierung, "dass in den vergangenen fünf Jahren die Versorgungsanteile bei den Hausärzten gleichgeblieben sind".

Die Anzahl der Hausärzte im Wahlkreis Konstanz-Radolfzell – diesen fragte die Abgeordnete ab – habe sogar zugenommen. In Konstanz waren Ende 2017 laut Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) 57 Hausärzte niedergelassen oder angestellt. Doch wird die Stadt mit Blick auf die Altersstruktur und ihr Wachstum auch in Zukunft versorgt sein?

Pensionierter Hausarzt Ewald Weisschedel: Konstanz hat kein Nachfolgeproblem

Der pensionierte Internist Ewald Weisschedel ist überzeugt: Ja. "In Konstanz hat kein Arzt, der seine Praxis aufgeben möchte, ein Nachfolgeproblem." Weisschedel, Jahrgang 1949, führte selbst seit 1987 viele Jahre eine Hausarztpraxis in der Innenstadt, ehe er sie einem jüngeren Kollegen übergab. "Die Lage ist attraktiv", nennt Weisschedel ein Beispiel, warum ihm die Nachfolgersuche leicht fiel. Außerdem habe sich der Anspruch junger Ärzte gewandelt und dieser werde auch erfüllt.

Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung: Aktuell 500 Stellen offen

Als er selbst ins Praxisleben einstieg, erinnert sich Weisschedel, sei es normal gewesen, einem in die Pension wechselnden Kollegen eine Ablöse zu bezahlen – unter anderem für den Patientenstamm. "Heute bekommen junge Ärzte die Praxis quasi geschenkt", sagt Weisschedel. Eine Versorgungslücke sei daher vor allem ein Problem in ländlichen Gebieten. Laut KVBW sind landesweit derzeit knapp 500 Hausarztstellen offen, in den kommenden Jahren werde diese Zahl laut ihren Schätzungen zunehmen.