"Bei großen Ketten wie H&M oder Zara kaufe ich schon lange nicht mehr", sagt Lynn und streckt Petra Manenti 20 Euro entgegen. In ihrer Tüte sind mehrere Kleidungsstücke aus dem Kleiderwerk des Deutschen Roten Kreuz, alles aus zweiter Hand. Dabei ist es nicht so, dass sich die 18-Jährige keine Neuware leisten könnte oder kein Interesse an Mode hat. Nein, sie kauft aus Prinzip Second Hand, sagt sie. Das sei nachhaltiger – und vor allem will Lynn nicht die Billigproduktionen in Entwicklungsländern unterstützen. Etwa zehn bis 15 Prozent der Kunden kaufen aus Gründen der Nachhaltigkeit im Kleiderwerk ein, schätzt Leiterin Elke Müller.

Seit genau einem Jahr gibt es den Laden in Petershausen. Und wer genauer hinsieht, erkennt im Kleinen, zwischen Kleiderstange und Kasse, eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Auf der einen Seite sieht Elke Müller die Überflussgesellschaft: Die, die Kleidung kaufen, sie fünf Mal tragen und dann Neues holen. Und dann gibt es auch in Konstanz zunehmend die, die sich kaum etwas leisten können und auf Angebote wie die des DRK angewiesen sind. "Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer, die Mitte fällt weg – das merken wir auch hier im Kleinen", sagt Elke Müller.

Das Kleiderwerk wollte deshalb viele ansprechen: Kundinnen wie Lynn, die auf nachhaltigen Konsum setzen. Die, die mit einem Sozialpass wie in einer Boutique statt in einer Rumpelkammer einkaufen gehen können. Und die Spender, "die tolle Sachen kaufen, aber in einer kleinen Wohnung leben, keinen Platz haben und wollen, dass etwas Sinnvolles damit passiert". Das Konzept, sagt Elke Müller, ist aufgegangen. Zwischen 15 und 20 Kunden hat sie durchschnittlich in den drei Stunden, die der Laden jeweils von Montag bis Samstag geöffnet hat. Unter ihnen sind zunehmend auch Geringverdiener, die knapp über der Grenze zum Sozialpass­inhaber sind. Einen Marken-Rock gibt es zum Beispiel ab fünf Euro, Sozialpassinhaber bekommen alles noch einmal um die Hälfte günstiger, Flüchtlinge erhalten diesen Rabatt ebenfalls ganz unbürokratisch. Sachen, die abgegeben werden, werden von den ehrenamtlichen Helferinnen erst einmal geprüft.

Was nicht mehr zum Verkauf im Kleiderwerk taugt, kommt in die Container für die Katastrophenhilfe des DRK. Der Laden ist als Non-Profit-Einrichtung konzipiert. Fallen dennoch Erträge an, fließen sie ausschließlich in die soziale Arbeit des DRK in Konstanz, so Müller.

Öffnungszeiten und Feier

  • Das Kleiderwerk in der von-Emmich-Str. 2 hat montags, dienstag und freitags jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet sowie mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Samstag ist der Laden von 10 bis 14 Uhr geöffnet.
  • Kleider spenden: Die Mitarbeiter nehmen zu den normalen Öffnungszeiten einwandfreie und gewaschene Bekleidung für Damen und Herren, auch Sportmode an – jedoch keine Kindergrößen, Unterwäsche, Strümpfe, Schuhe oder andere Gegenstände.
  • Zeit spenden: Wer Zeit und Lust hat, kann sich auch ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagieren. Interessenten können sich im Laden oder unter kleiderwerk@ov-kn.drk.de melden.
  • Feiern: Das Konstanzer Kleiderwerk feiert Geburtstag und der Ortsverein des DRK dankt bei dieser Gelegenheit all den ehrenamtlichen Helfern, die im Laden mitarbeiten. Zur öffentlichen Feier am Samstag, 22. Oktober, ab 13 Uhr kann aber jeder zum Sektempfang vorbei kommen.