Der Hilfsverein Awoli (African way of life) wehrt sich juristisch gegen die Entscheidung der Auslandsvertretung, Lehrlinge aus Kamerun nicht zu Bildungszwecken nach Konstanz und in andere Orte in Deutschlands einreisen zu lassen.

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Der Verein unterstützt einen Kameruner Auszubildenden bei seiner Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Auswärtige Amt, Referat 509, in Berlin. Die Sache kommt vor die fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin. Diese solle feststellen, ob der Verwaltungsakt rechtskonform war.

„Wir wollen die Willkür stoppen. Wir sind ein seriöser Verein“, sagt Eric Kamguia vom Awoli-Vorstand. Er sei in der Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Eric Kamguia, Vereinsvorstand von Awoli.
Eric Kamguia, Vereinsvorstand von Awoli. | Bild: Claudia Rindt

Intervention von Konstanzer Bürgermeister blieb erfolglos

Die Einreise-Ablehnung von fünf Bäckerei-Lehrlingen hatte in Konstanz hohe Wellen geschlagen, weil sich selbst Bürgermeister Andreas Osner vergeblich für den Besuch der Lehrlinge stark gemacht hatte. Er hatte ausführliche Erläuterungen und Empfehlungsschreiben an Außenminister Heiko Maas (SPD) geschickt. Es blieb aber bei der Ablehnung der Auslandsvertretung, die zu dem Schluss gelangt war: „Die vorgelegten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts waren nicht glaubhaft“.

Diese Einschätzung war im Verein Awoli und bei Bürgermeister Andreas Osner auf völliges Unverständnis gestoßen. Beide beklagten, der ehrenamtlichen Initiative für Bildung in Kamerun werde unnötig Steine in den Weg gelegt. Der Verein Awoli unterhält in Kamerun eine Bäckerei-Akademie, um jungen Menschen im Alter von 15 und 29 Jahren die Möglichkeit zu geben, sich durch eine Ausbildung vor Armut zu schützen, und sich eine eigene Existenz in Kamerun aufzubauen.

Ein Bäckerlehrling aus Kamerun bei einem der Projekt des Bildungsaustausches.
Ein Bäckerlehrling aus Kamerun bei einem der Projekte des Bildungsaustausches. | Bild: Verein Awoli

Konstanzer bürgten für jeden Cent, der Austausch gekostet hätte

Der Verein setzt auf fachlichen Austausch mit Betrieben in Deutschland. Zeitweise reisen Meister aus Deutschland für Seminare nach Kamerun, zeitweise sollten Auszubildenden in Deutschland lernen, etwa bei Kurzpraktika. Außerdem sollten sie den Verein und seine Tätigkeiten bekannter machen. Für den geplanten Besuch im Herbst gab es Konstanzer Bürger, die für jeden Cent bürgten, die der Aufenthalt der Auszubildenden verursacht hätte.

Gebühren für Ablehnung entsprechen fast einem Dreiviertel des Monatseinkommens

Belege für Kurzpraktika, der Teilnahme an Europas größter Bäckerei-Fachmesse sowie bei einem Afrika-Festival in Konstanz lagen bei. Eric Kamguia ärgert auch die Kosten, die durch die Ablehnung der Visums-Anträge fünf Mal entstanden waren. Als Bearbeitungsgebühr seien für jeden Lehrling rund 70 Euro angefallen. Das durchschnittliche Monatseinkommen in Kamerun liegt bei umgerechnet etwa 100 Euro.

Das Auswärtige Amt hatte es auf Nachfragen des SÜDKURIER keine weitere Begründung für die Entscheidung der Auslandsvertretung angegeben. Es berief sich auf den Datenschutz und verwies auf grundsätzlichen Prüfkriterien, zu denen unter anderem zähle, „ob der jeweilige Antragsteller gute Gründe glaubhaft darlegen kann, tatsächlich in sein Heimat- beziehungsweise Wohnsitzland zurückkehren zu wollen.“