Lange Zeit war es still geworden um den Gesamtelternbeirat für die Kitas. Neu gegründet will er nun ein "fester Bestandteil in der Öffentlichkeit werden", sagt Heike Kempe. Sie bildet mit Stefanie Degner die Doppelspitze des Beirats. Ihre Ziele sind klar: Die Sorgen und Wünsche der Eltern für ihre Kinder sollen Politik und Verwaltung erreichen. Dazu wollen sie sich die Meinungen aus den einzelnen Kitas abholen.

GEB bündelt Elterninteressen aller Einrichtungen

Denn in den knapp 50 Kindertagesstätten gibt es zumeist einen Elternbeirat. An ihn können sich die Eltern mit ihren Anregungen wenden, diese bleiben allerdings überwiegend innerhalb der Einrichtung und gelangen nicht weiter. Doch manche Ideen könnten auch in anderen Häusern Vorteile bringen. Es fehlte bislang ein Gremium, das die einzelnen Elternbeiräte vernetzt – analog zum Gesamtelternbeirat für die Schulen, der sich durchaus lautstark zu Wort melden weiß.

Eltern brauchen ein Sprachrohr

So war es für Monika Oertner und Tina Eikmann im vergangenen Jahr wie ein Weckruf, als die Stadtverwaltung die Betreuungsgebühren in ihren Kinderbetreuungsstätten anheben wollte und die Erhöhung in ihren Augen überzogen war. Ihre Kritik fand Gehör, und sie bemerkten, dass die Eltern von Kita-Kindern ein Sprachrohr brauchen. Damit eben "so etwas nicht wieder passiert wie im vergangenen Jahr", erklärt Stefanie Degner. Der Gemeinderat hat die Gebührenerhöhung bis zur Klärung einiger Fragen aufgeschoben.

Scharnierfunktion zwischen Einrichtungen und Stadt

Tina Eikmann und Monika Oertner haben die Neugründung des Gesamtelternbeirats Kitas (GEBK) angepackt, nachdem es ihn in den vergangenen Jahren nicht wirklich gegeben hatte. Sie haben Mitstreiter gesucht, eine Gründungsversammlung organisiert, die bislang fehlende Satzung mit erarbeitet. "Wir verstehen uns in einer Scharnierfunktion", um die Interessen der Eltern zu vertreten, unterstreicht Vorsitzende Stefanie Degner.

Zweimal im Jahr will der Gesamtelternbeirat alle Elternbeiräte der einzelnen Kindertagesstätten, der städtischen, kirchlichen wie freien Träger, zusammenbringen, um über diverse Themen zu diskutieren. Wie eben die Gebühren in Krippen, Kindergärten, für den Hort. Wie es in dieser Angelegenheit weitergeht, das "beobachten wir kritisch", sagt Stefanie Degner. Innerhalb des Gesamtelternbeirats gebe es hierzu – noch – keine einheitliche Haltung.

Zentrale Themen sind Gebühren und Platzvergabe

Anders ist das bei den zwei weiteren Themen, die beim Beirat ganz oben auf der Liste stehen. Eines davon ist die Transparenz bei der Vergabe von Betreuungsplätzen. In Konstanz müssen sich Eltern zentral bei der Stadt um Aufnahme ihres Nachwuchses in städtischen, kirchlichen und freien Häusern bewerben. Die Verteilung erfolgt über ein Punktesystem.

Genau darin sieht der neue Gesamtelternbeirat das Potenzial für viel Verärgerung unter Eltern. Denn jedes Jahr gehen etliche leer aus und müssen nach Alternativen, etwa über den Tagesmütterverein, suchen. Zentrale Frage sei hierbei: Warum erhalten die einen Platz für ihr Kind, die anderen nicht – und das trotz gleicher Punktzahl? Es gehe um Fairness, sagt Monika Oertner. Sie wünscht sich bei einer Absage durch das städtische Sozial- und Jugendamt eine Erläuterung, weshalb die Punktzahl für einen Platz nicht ausgereicht hat.

Heike Kempe kennt das aus eigener Erfahrung. Als selbständige Historikern hatte sie wohl eine ausreichende Punktzahl, ging aber leer aus. Weil sie ihrer Schilderung zufolge künftige Projekte nicht habe nachweisen können. Sie fragt: Wie soll das geschehen, wenn sie nicht arbeitet und dadurch neue Aufträge generieren kann?

Eltern wünschen sich einheitliche Betreuungszeiten

Ein bei der Gründungsversammlung geäußerter Wunsch von Eltern seien einheitliche Betreuungszeiten bei Verlängerten Öffnungszeiten gewesen. Dem will der Gesamtelternbeirat nachgehen. Zudem will er sich dem Hortplatzangebot in Konstanz widmen. Trotz eines großen Mangels seien zu einer eigens organisierten Veranstaltung des Elternbeirats im Kinderhaus Edith Stein nur wenige Elternvertreter gekommen. Für Monika Oertner und Tina Eikmann war das ein weiteres Zeichen, dass es einer gemeinsamen Stimme bedarf, um über ein gut strukturiertes Informationssystem alle Betroffenen zu erreichen. Eine eigene Internetseite befindet sich derzeit im Aufbau, ein E-Mail-Verteiler ist angelegt.

Verwaltung ist froh über den neuen Partner

Und wie reagieren Verwaltung und Politik auf den neuen Gesamtelternbeirat? "Wir sind von verschiedenen Stellen gewünscht", sagt Heike Kempe. In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses seien sie und Stefanie Degner gut aufgenommen worden. Sie haben Rede-, aber kein Stimmrecht. Ab September wollen sie den GEBK in den Fraktionen vorstellen und Kontakte knüpfen.

Aus dem Sozial- und Jugendamt kommt auf Anfrage die Aussage: "Wir als Stadt sind sehr froh, wieder einen übergreifenden Kooperationspartner in der Kita-Elternschaft zu haben." Das Amt habe bei diversen Organisationspunkten unterstützt. Inhaltlich erleichtere ein übergreifender Ansprechpartner die Abstimmung mit den Eltern der knapp 50 Kitas im Stadtgebiet. Nur durch einen Sitz im Jugendhilfeausschuss könnten die Kita-Eltern ihre Stimme in die Kommunalpolitik tragen, heißt es weiter, und: "Eine gute Kooperation der an der Kita-Pädagogik Beteiligten ist wichtig, denn alle Akteure wollen das Gleiche: Sie setzten ihre Kraft und ihre Kompetenz ein, um für die Kinder in der Kita das Beste zu erreichen. Wenn diese Bemühungen gebündelt werden, ist das Arbeiten erfolgversprechender“.