Wenn man schon einmal im Konzil ist, dann kann man auch gleich einen Papst wählen. So dachten auch Mitglieder der Satire-Partei "Die Partei" und wählten am Rande ihres Landesparteitages im Konstanzer Konzil einen neuen Papst, oder besser gesagt eine neue Päpstin. Dies diente jedoch nur einem höheren Zweck, wie Erik Schober, Regionalbeirat Südbaden, erklärte.

Die 50 Mitglieder im Konzil feiern alles, was beschlossen wurde

Die gewählte Päpstin, Rebecca Ansin aus Waldbronn bei Karslruhe, solle nur die Bannbulle "wider dem Schwytzer Einkaufsteuf" legitimieren. Und die hatte es in sich: Schweizer sollen nur in ihnen zugewiesenen Stadtteilen und Straßen einkaufen dürfen, müssen Kleidung tragen, die sie als Schweizer identifiziert und bekommen zehnmal so hohe Strafen wie Deutsche, wenn sie gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Das Servicepersonal im ehrwürdigen Konzil muss schmunzeln.

Erik Schober, Regionalbeirat Südbaden, und Rebecca Ansin, gewählte Partei-Päpstin, verlesen die Bannbulle. Bild:
Erik Schober, Regionalbeirat Südbaden, und Rebecca Ansin, gewählte Partei-Päpstin, verlesen die Bannbulle. Bild: | Bild: Anna-Maria Schneider

Davor müht sich die 2004 als "Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" gegründete politische Gruppierung durch die Regularien, die sie als offizielle Partei einhalten muss. Entlastung des Vorstandes, Neuwahl des Landesvorstandes, Wahl des Schiedsgerichtes des Landesverbandes – die Satire-Partei ist im politischen Alltag angekommen.

Doch noch lange kein Grund seriös zu werden. In ihrer Einheitskleidung, bestehend aus billigen grauen Anzügen mit Roter Krawatte, feierten die 50 Mitglieder im Konzil alles, was beschlossen wurde. Ein kleines Plus in der Parteikasse? Jubel und wedelnde Partei-Fähnchen. Eine Satzungsänderung? Bravo-Rufe und großer Applaus. Hier haderte niemand mit den Inhalten und der Linie der Partei, auf Flyern wurde schließlich mit dem vielsagenden Satz "Inhalte überwinden" geworben.

Warum der Parteitag in Konstanz stattfand

Doch wurde der "Die Partei"-Parteitag bewusst am äußersten Zipfel des Bundeslandes veranstaltet. Landesvorsitzender Peter Mendelsohn erklärte, man wolle damit die Verbände in der Bodenseeregion stärken. Hier sei es für "Die Partei" weitaus schwieriger Mitglieder zu finden als in größeren Ballungszentren. Er sei froh, dass wenigstens ein paar engagierte Mitglieder den weiten Weg gekommen sind und nicht nur "Mitläufer, die sich betrinken. Denn das geht bei diesen Bierpreisen ohnehin nicht", so Mendelsohn.

Das vergangene Jahr lief aus Sicht der "Die Partei" gut, so der Landesvorsitzende. Man stand bundesweit auf allen Wahlzetteln. Damit sei "Die Partei" die stärkste außerparlamentarische Kraft in Deutschland neben den Freien Wählern.

Auch würden sich immer wieder neue Regionalverbände gründen. Im kommenden Jahr werde sich die Satire-Partei auf die Europawahlen konzentrieren. 2014 wurde Parteivorsitzender und Parteigründer Martin Sonneborn in das Brüsseler Parlament gewählt. An diesen Erfolg will "Die Partei" anknüpfen.