Der Landkreis will die Dettinger Notunterkunft für Flüchtlinge verkaufen, teilte Landrat Hämmerle dem Kreistag mit. Angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen wird sie nicht mehr benötigt. Die ehemalige Tennis- und Squash-Halle war Ende Januar geräumt worden, da die Heizung nicht gegen die niedrigen Außentemperaturen ankam. Die rund 60 Bewohner – Familien und alleinstehende Männer – waren in die Notunterkunft auf dem ehemaligen Dekorsy-Areal in der Herrenlandstraße in Radolfzell verlegt worden. Die meisten von ihnen seien mittlerweile anderweitig untergebracht, berichtete Ludwig Egenhofer, Leiter des Amts für Migration und Integration.

Angebot an die Stadt Konstanz

Die Halle soll zuerst der Stadt Konstanz angeboten werden. Da in Dettingen sowieso eine neue Sporthalle benötigt wird, fragte der SÜDKURIER beim Vorsitzenden des TSV Dettingen-Wallhausen nach, ob der Standort denkbar wäre. "Das wäre eine Option. Mit ein bisschen Instandsetzen ist es aber nicht getan. Außerdem passen die Dachform und -höhe nicht", sagte Alfred Reichle über das bestehende Gebäude. Daher komme wohl nur ein Abriss in Frage. "Dieser verursacht aber zusätzliche Kosten", gibt er zu bedenken. Aber er sieht einen Vorteil: "Es wäre ein natürlicher Standort", denn nebendran sei der Tennisclub mit seinen Plätzen. Ob der Flächennutzungsplan und das Baurecht einen Hallenneubau zulassen, könne er jedoch nicht beurteilen.

Sportamtsleiter ist offen

Letzteres kann auch Frank Schädler, Leiter des städtischen Amts für Bildung und Sport, auf die Schnelle nicht einschätzen. Aber "Dettingen hat ein Sporthallenproblem", sagt er unmissverständlich. Tatsächlich fehle derzeit ein angemessener Standort. "Die ehemalige Tennishalle könnte eine gute Idee sein", erklärte Schädler. Drei-Feld-Hallen seien heute Standard. Hinzu komme eine kleine Tribüne, "so ähnlich wie die Pestalozzi-Halle", erläuterte er.

Prioritäten setzen

Als mögliche Standorte hatte der TSV früher bereits zwei im Bereich der Sportplätze vorgeschlagen. Bevor eine Standortuntersuchung veranlasst werde, müsse in der Prioritätenliste die Reihenfolge der Sporthallenneubauten festgelegt werden, erläuterte Schädler. Dies werde in einer seit Jahren bewährten Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband und den Vereinen besprochen. Auf der Liste stehen bereits Petershausen-Ost (auf dem Suso-Sportplatz), Dettingen, die Erweiterung der Schänzle-Halle und eine geplante Kooperationshalle mit der Universität.

Familien sind umgezogen

Obwohl die Dettinger Notunterkunft als wenig komfortabel galt, ziehen viele Betroffene eine positive Bilanz. Mehrere Familien sind bereits vor einiger Zeit in eine Unterkunft in der Stadt gezogen. Trotzdem kommen immer noch sechs Kinder ins Kinderhaus Sankt Verena, erklärt Leiterin Martina Rock-Jerg. Auch ein halbes Dutzend Kinder besuchten immer noch die Grundschule, berichtet sie.

Tennisclub bedauert Abschied

Auch der Tennisclub Dettingen-Wallhausen als Nachbar lobt die Beziehungen zu den Geflüchteten. Einer der Männer hatte die Aufgabe eines Platzwarts übernommen und dabei viel geleistet. Bei den Mitgliedern ist zu spüren, dass sie seinen Abschied zum Monatsende bedauern. "Wir waren zufrieden mit der Notunterkunft Dettingen, mit dem Personal und mit den Bewohnern. Es lief gut", bekräftigte Manfred Banholzer, Leiter des Polizeipostens Allensbach.

Die Kosten

Da die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind, wolle der Landkreis sämtliche Notunterkünfte abbauen, teilt Benedikt Graf, Pressesprecher des Landrats­amts, mit. Im Januar 2018 seien dem Landkreis 26 Flüchtlinge zugewiesen worden, im Februar 40. Die Tennishalle in Dettingen hatte der Landkreis im September 2015 zum Preis von rund 807 800 Euro (zuzüglich 39 000 Euro Grunderwerbssteuer und etwa 2600 Euro Notarkosten) von einem privaten Eigentümer gekauft. Bis 2017 fielen Investitionskosten von rund 950 000 Euro an.