Nach dem Aktionstag ist vor der nächsten Kontrolle. Wer dachte, die Stadtverwaltung müsse sich vom Kontrollmarathon am Samstag erst einmal erholen, wurde am Sonntag eines besseren belehrt. Es war noch nicht einmal neun Uhr, da hatten die Ortspolizisten schon wieder die Arbeit aufgenommen – dieses Mal mit ihrem Tempo-Messgerät und an der Grenzbachstraße. Zwischen Döbele-Kreisel und Europastraße stellten sie erneut fest, dass das Falschparken beileibe nicht das einzige Verkehrsmoral-Problem in Konstanz ist. Fast jedes fünfte Auto fuhr am Sonntagmorgen zu schnell: Bei 17,3 Prozent der 1060 gemessenen Fahrzeuge stellten die Ortspolizisten einen Tempoverstoß fest, der traurige Rekord lag bei 88 Stundenkilometern – erlaubt ist hier Tempo 50. Neben dem Spitzenreiter müssen zwei weitere Autofahrer ihren Führerschein für vier Wochen abgeben und eine Strafe von 160 Euro bezahlen.

Etwas besser sah es am Sonntagnachmittag dann auf der Schänzlebrücke aus, wo die Stadt zwischen 13.15 und 16.15 Uhr kontrollierte. Stadtauswärts wurde bei 1206 Fahrzeugen das Tempo gemessen, 105 wurden laut Bürgeramts-Chef Hans-Rudi Fischer beanstandet. Das sind 8,7 Prozent. Auch hier müssen drei Fahrer den Führerschein abgeben, der schnellste wurde mit 98 statt der erlaubten 60 Stundenkilometer geblitzt. Bereits in der Vergangenheit hatte es an der Stelle zahlreiche Tempoverstöße gegeben. Vor eineinhalb Jahren hatte die Stadt bei Messungen für Statistik-Zwecke einen Autofahrer mit Tempo 172 ermittelt. Weil nur gemessen, aber nicht geblitzt wurde, bleibt seine Rücksichtslosigkeit ungestraft.

Ab Herbst kommen stationäre Geschwindigkeits-Blitzer

Das wird ab Herbst anders: Die Stadtverwaltung macht mit den stationären Blitzern ernst und bereitet gerade die europaweite Ausschreibung für den Kauf von neun Säulen vor, in die in einem unberechenbaren Rhythmus fünf Kameras eingesetzt werden. Hans-Rudi Fischer sagte am Montag, das System solle nach den Sommerferien in Betrieb gehen. An allen Standorten werde in beide Richtungen gemessen, erklärte Fischer. Über Glasfaser-Datenleitungen sind alle Kameras außer der Messanlage in Litzelstetten in Echtzeit mit dem Rathaus verbunden, Mitarbeiter der Stadt können jederzeit in die Bilder Einblick nehmen.

Einem Argument tritt Fischer gleich entgegen: Auch wenn die Stadt an den Blitzern verdient und die Anschaffungskosten nach wenigen Jahren wieder eingespielt haben will, "geht es uns nicht um Abzocke." Die Standorte seien nach Kriterien der Verkehrssicherheit ausgewählt worden. Und die Stadt werde den Betrieb des Systems bewusst nicht an eine Privatfirma abgeben, damit nicht wirtschaftliche Interessen dominieren. An der Grenzbachstraße etwa, wo am Sonntag so viele Autofahrer zu schnell unterwegs waren, ist kein stationärer Blitzer geplant.

Aktionen für mehr Verkehrssicherheit soll es unabhängig davon auch in den nächsten Monaten geben, bekräftigt Klaus Peter, der stellvertretende Leiter des Konstanzer Polizeireviers. Die Zusammenarbeit mit den Ordnungskräften der Stadt habe sich einmal mehr als sehr gut erwiesen, bilanziert er: "Wir werden den Druck aufrecht erhalten." Nachdem erneut deutlich geworden sei, wie viele Autofahrer unerlaubt die Busspuren benutzten, werde man dort einen Schwerpunkt setzen. Bernd Schmidt aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums sagt ebenfalls, dass ein hoher Kontrolldruck uneinsichtige Autofahrer in ihre Schranken weist. "Wir haben festgestellt, dass es für die Aktion am Samstag auch viel Verständnis gab", so sein Fazit. Auch die breite Ankündigung des Aktionstags in Deutschland wie in der Schweiz habe seine Wirkung nicht verfehlt. Hans-Rudi Fischer hat unterdessen keine Illusionen, dass die Kontrollaktion am Samstag allein viel bringt. "Bei so viel Rücksichtslosigkeit", sagt er, "geht es leider nur mit Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen."

 

 

Mehr Rücksicht: Was alle zur Entschärfung der Lage beitragen können

  1. Parken allgemein: Unerlaubtes Benutzen von Anwohnerparkplätzen, Parken ganz ohne Parkplatz, Parkschein nicht lösen: Hier legt die Stadt bei Kontrollen weiter einen Schwerpunkt. Einem Anwohner in der reservierten Parkzone die Chance zu nehmen, sein Auto abzustellen, ist für Bürgeramts-Chef Hans-Rudi Fischer dreist und rücksichtslos. Viele nähmen die mit 15 Euro vergleichsweise billigen Strafzettel ganz bewusst in Kauf. Ob die von der Stadt Konstanz über den Städtetag mitgetragene Initiative zur Verschärfung des bundeseinheitlichen Bußgeldkatalogs Früchte trägt, ist ungewiss.
  2. Feuerwehrzufahrten: Nachdem ein Falschparker kurz nach Weihnachten einen Feuerwehreinsatz unnötig verzögert hatte, ist das Problem erneut auf der Tagesordnung. Denn die meisten Fahrzeuge der Einsatzkräfte sind sehr viel größer und weniger wendig als ein normales Personenauto – woran auch viele nicht denken, die bis in Kreuzungsbereiche hinein parken oder denken, es reiche ja, wenn ein anderes Auto vorbeikommt. Die Feuerwehr ist gesetzlich verpflichtet, nach Alarmierung binnen zehn Minuten vor Ort zu sein. Um dies zur ermöglichen, will die Stadt weiter hart durchgreifen.
  3. Behindertenparkplätze: Wer, und sei es auch nur um kurz etwas abzuholen (die Ausrede, die die Ortspolizisten am häufigsten hören), widerrechtlich auf einem Behindertenparkplatz steht, schädigt Menschen, die auf besondere Hilfe angewiesen sind. Wer einen Rollstuhl aus dem Auto ausladen und aufklappen muss, brauche nun einmal viel mehr Platz, sagt Hans-Rudi Fischer. Wer die Parkplätze für Behinderte konsequent freihalte, trage aktiv zu einer Kultur der Rücksichtnahme bei, so der Bürgeramts-Chef. Wer es nicht tut und dabei erwischt wird, für den sieht der Bußgeldkatalog 35 Euro Strafe vor.
  4. Bushaltestellen und Busspuren: Bereits an den Chaos-Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr und am Samstag nochmals wurde deutlich, dass viele Autofahrer illegal die Busspuren benutzen. Wer darauf verzichtet, hilft nicht nur den Busfahrern und ihren Passagieren. Auch die Feuerwehr ist im Notfall über eine freie Busspur sehr froh. Autofahrer, die Bushaltestellen auch nur kurz blockieren, machen den regulären Stopp eines Busses oft unmöglich, er muss dann durchfahren. Und das, obwohl die Stadt viel Geld für hohe Bordsteine und Absenk-Technik im Roten Arnold invesiert. (rau)