Kein Radfahrer soll unter die Räder eines Müllfahrzeugs geraten, dieses Ziel verfolgen die Entsorgungsbetriebe Konstanz (EBK). Sie setzen bei einer neuen Generation von Fahrzeugen auf eingebaute elektronische Abbiege-Assistenten. Diese sollen tragische Unfälle beim Abbiegen verhindern und die Tücken des toten Winkels aufheben.

Wenn sich ein Radfahrer oder Fußgänger in einem bestimmten Winkel zum Fahrzeug aufhält (toter Winkel), ist er trotz Kontrollblicks in den Seitenspiegel nicht zu sehen. Größere Fenster oder Spiegel am Fahrzeug allein können dies nicht verhindern.

Kein toter Winkel mehr dank Kamera

Bei zwei neuen EBK-Autos soll nun ein Kamerasystem den Blick aus erhöhter Position ermöglichen und so den Toter-Winkel-Unfällen vorbeugen. Die beiden neuen Müllautos mit dem System erwartet Achim Lehle, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft, im Dezember. Ein neuer Kipp-Wagen, der Sammelcontainer in den Wertstoffhof bringt, soll mit einem akustischen Assistenten ausgestattet sein. Zur EBK-Flotte gehören acht Müllwagen sowie als Reserve drei ältere Fahrzeuge.

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Für die Fuhren der Müllentsorger, unter anderem durch die engen Gassen der Altstadt, wäre ein rein akustisches Warnsystem nicht passend. Wegen der räumlichen Enge würde das System ständig Hindernisse aufspüren – die Zahl der Fehlalarme wäre zu groß.

Technik schon bewährt in anderen Städten

Anders verhält es sich mit dem optischen System, bei dem vier Kameras aus erhobener Position ein Bild zeigen, wie Achim Lehle erläutert. Auch bei anderen Entsorgungsbetrieben in der Republik habe sich diese Technik schon bewährt. Gerade, weil die Technik schon erprobt sei, gehe er davon aus, dass sie auch in Konstanz gute Dienste leisten werde.

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Von den 250 000 Euro, die für die Anschaffung eines neuen Müllwagens fällig werden, entfielen weniger als 2000 Euro auf den Abbiege-Assistenten. Ein anderes Kamera-System, das eine lokale Firma zum Test vorgeschlagen hatte, habe letztlich nicht erprobt werden können. Die Technik des Assistenten und die des Autos hätten sich nicht aufeinander abstimmen lassen.

Zu den Standards im Müllwagen gehören schon heute eine Kamera fürs Rückwärtsfahren und ein Piepsignal. Zusätzlich müsse ein Einweiser parat stehen. In Neubaugebieten dürfen nach Angaben Lehles Müllautos überhaupt keine Strecken mehr rückwärtsfahren. In anderen Gebieten sei es erlaubt, sollte aber vermieden werden. Neben dem Zurückstoßen gilt das Abbiegen als besonderes Unfallrisiko.

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382 tote Fahrradfahrer 2017

Im Jahr 2017 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamts 382 Radfahrer bei Verkehrsunfällen. 76 Mal waren Lastwagen beteiligt, in 36 Fällen geschah der tödliche Unfall beim Abbiegen. In der Bundespolitik ist in Diskussion, Abbiege-Assistenten zur Pflicht zu machen. Bisher setzt die Bundesregierung auf freiwillige Nachrüstung und stellt Fördergeld bereit.