Es ist nur ein kleines Detail, aber in der Wirkung hat es womöglich einige Kraft. Seit einigen Wochen ist die Strecke zwischen dem Ebertplatz und dem Zähringerplatz als Teil der Fahrradachse zwischen Innenstadt, Fahrradbrücke, Petershausen und Universität jetzt eine Fahrradstraße.

Blaue Markierungen auf der Fahrbahn und Schilder in dichtem Abstand künden von der Verkehrswende – oder jedenfalls von einem Revolutiönchen. Denn entgegen der ersten Planung dürfen Lastwagen, Motorräder und Autos die Strecke über die Petershauser Straße und die Jahnstraße weiterhin benutzen, allerdings nur noch mit Tempo 30, und Radfahrer dürfen nun auch nebeneinander herfahren.

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Nicht alle aber sind mit dieser Lösung zufrieden. Lange hatte vor allem die Freie Grüne Liste für eine echte Fahrradstraße gekämpft, und auch regelmäßiger Nutzer der Strecke klagen, dass dort immer noch viel zu viele Autos unterwegs sind. In einem ungewöhnlichen Akt von zivilem Ungehorsam kämpfen sie jetzt dafür, dass die Fahrrstraße auch eine echte ist.

Auf allen Zusatzschildern, die "KFZ frei" aussagen, haben sie in einer offenbar konzertierten Aktion ein kleines Stück schwarzes Klebeband angebracht. Es hat die Form eines Bindestrichs und macht aus "KFZ frei" ganz einfach "KFZ-frei". Das überraschte auch die Stadtverwaltung. Als am Montagabend Stadtrat Anselm Venedey die Verwirrung in der Sondersitzung des Gemeinderats ansprach, konnten die Vertreter der Baubehörden zunächst nichts zur Bindestrich-Frage sagen.

Viele Auto fahrer lassen sich von veränderten Schildern nicht beeindrucken

Wie viele Autofahrer sich davon beeindrucken lassen, ließ sich zunächst schwer abschätzen. Am Montagmorgen jedenfalls waren noch etliche Autos mit KN-Kennzeichen oder auch aus anderen Landkreisen auf der Fahrradstraße zu sehen. Der Weg zur KFZ-freien Verbindung ist also noch weit – auch politisch.

Denn Oberbürgermeister Uli Burchardt war es persönlich, der den ursprünglichen Ratsbeschluss für eine reine Fahrradstraße kippte, weil er dafür keine Rechtsgrundlage sah. Also werden früher oder später wohl Mitarbeiter der Stadt mit hohen Leitern (immerhin hängen die Schilder deutlich über Kopfhöhe) anrücken und die Tafeln wieder in ihren Originalzustand zurückversetzen. Auf dass freie Fahrt für alle herrsche.