Konstanz Jungerhalde ohne Pflege-WGs

Stadt schlägt nur Heim mit 60 Plätzen vor. Bürger nach Jahren der Diskussion tief enttäuscht.

Erneute Kehrtwende in der Debatte um die Altenbetreuung in der Jungerhalde. Die von Bürgern in vielen Versammlungen seit Jahren geforderten dezentralen Pflege-Wohngemeinschaften sollen nun an dieser Stelle gar nicht mehr zum Zuge kommen. Ute Seifried, Leiterin des Sozial- und Jugendamts, empfiehlt, auf Pflegewohngemeinschaften dort zu verzichten, und stattdessen ein Pflegeheim mit 60 Plätzen zu bauen, und nicht nur mit 48. Anderenfalls wären Konflikte mit dem neuen Gesetz für unterstützende Wohnformen zu befürchten (siehe Infokasten) und eine ungute Konkurrenz der verschiedenen Anbieter. Pflege-WGs sollten an anderen Stellen, verteilt über die Stadt, entstehen, unter anderem bei Neubauten der Wohnungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak).

Dies wird auch dem Gemeinderat für seine Sitzung am Donnerstag vorgeschlagen. Reinhard Zedler, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis, die als Träger des neuen Heims vorgeschlagen ist, hält die 60 Plätze ebenfalls für die bessere Lösung. In einem größeren Mitarbeiter-Team seien etwa Vertretungen leichter zu organisieren. Die AWO will entsprechend dem Emil-Sräga-Haus Singen das als familiär geltende Wohngruppen-Modell in der Jungerhalde umsetzen. Dort haben die Bewohner eigene Zimmer mit Bad, in Gemeinschaftsräumen kochen und essen sie gemeinsam, unterstützt von Präsenz- und Fachkräften.

Alexander Gebauer von der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf zeigt sich tief enttäuscht. Der Bürgerwille, erarbeitet in einem vorbildlichen und lang andauernden Prozess der Bürgerbeteiligung, solle nun übergangen werden. 1993 habe die Bürgergemeinschaft mit dem Vorstoß, das Areal in der Jungehalde für soziale Zwecke freizuhalten, die Debatte eröffnet. Seitdem habe es eine Vielzahl an Sitzungen, Exkursionen und Fachgesprächen über die künftige Ausgestaltung gegeben. Immer habe neben der Heimlösung der Wunsch der Bürger nach quartiersbezogener, dezentraler Pflege ganz oben gestanden.


Das neue Gesetz

Seit Ende Mai ist in Baden-Württemberg das Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege in Kraft. Es schreibt die scharfe Trennung zwischen Heimen und Pflege-WGs vor. Diese sollten baulich, organisatorisch und wirtschaftlich selbständig sein, dürften nicht Teil einer stationären Einrichtung sein. Mehrere Anbieter aber würden sich in der Jungerhalde unnötige Konkurrenz machen, argumentiert Ute Seifried, Leiterin des Sozial- und Jugendamts. (rin)

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