Konstanz Jugendliche als Vermittler: Ausstellung zeigt den Alltag muslimischer Jugendliche

Zu sehen ist die Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung bis 29. November im Bürgersaal

Die Wanderausstellung "Was glaubst du denn?!" soll auf vielfältige Art und Weise den Alltag von muslimischen Jugendlichen in all seinen Facetten zeigen, wobei deren Religiosität nur einer von vielen Aspekten ist. Sie vermittelt kein festes Bild einer vermeintlich starren gesellschaftlichen Gruppe, sondern stellt eine Vielzahl sich ergänzender, aber sich auch ausschließender Thesen zur Debatte und zeigt kulturelle Gemeinsamkeiten auf. Diese Flexibilität hat die Wanderausstellung dem schulischen Religionsunterricht voraus, in dem oftmals nur die Grundpfeiler des Islam besprochen werden. Der Einblick in die individuellen Lebensweisen muslimischer Jugendlichen kommt dort zu kurz. Das schätzt auch die die 14-jährige Lily Bäßler an der Ausstellung, die diese mit Hanna Holm, Leonie Rupp und zwei weiteren Jugendlichen als "Peer Guide" betreut: "Hier ist das Spannende, dass man selber seine Meinung haben und vertreten kann, es wird nicht gesagt: 'Das ist falsch und das ist richtig'".

Lily und Leonie sind von ihrem Religionslehrer auf diese Ausstellung und die Suche nach "Peer Guides" aufmerksam geworden. Bei einem Wochenendseminar bekamen die Mädchen eine grobe Einführung in das Konzept der Ausstellung, übten Diskussionsrunden zu leiten und reflektierten eigene Vorannahmen.

Wie die Ausstellungsbesucher wählen die "Peer-Guides" Hanna Holm, Leonie Rupp und Lily Bäßler (von links) an der Geschichtswand der Wanderausstellung "Was glaubst du denn?!" vom 26. Oktober bis 29. November im Konstanzer Bürgersaal die für sie wichtigsten Ereignisse der vergangenen 25 bis 30 Jahre aus. Bild: Larissa Hamann
Wie die Ausstellungsbesucher wählen die "Peer-Guides" Hanna Holm, Leonie Rupp und Lily Bäßler (von links) an der Geschichtswand der Wanderausstellung "Was glaubst du denn?!" vom 26. Oktober bis 29. November im Konstanzer Bürgersaal die für sie wichtigsten Ereignisse der vergangenen 25 bis 30 Jahre aus. Bild: Larissa Hamann

"Peer" bedeutet auf Englisch "gleichrangig" und genau darin steckt die Kernidee der Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung: Da die Ausstellung in erster Linie für Schulklassen gedacht ist, sollen Jugendliche andere Gleichaltrige durch die Ausstellung begleiten, Denkanstöße auf Augenhöhe geben und mit ihnen Einstellungen zum eigenen Glauben austauschen. Auch die eigenen Vorurteile sollen von den Ausstellungsbesuchern kritisch hinterfragt werden. So sind zum Beispiel an einer Wand 30 drehbare Porträt-Tafeln angebracht, auf deren Vorderseite sich jeweils eine Fotografie der Person und auf der Rückseite ihr Steckbrief befindet. Die Jugendlichen sind aufgerufen, zu schätzen, welcher Religion die Personen jeweils angehören. Schnell wird deutlich, dass das Aussehen in den allerwenigsten Fällen etwas über die Religionszugehörigkeit aussagt. Die 14-jährige Leonie hat aus ihrer Arbeit als "Peer-Guide" gelernt: "Jeder Mensch hat Vorurteile, auch wenn man ihnen standhält und sie nicht auslebt. Sie sind immer da."

Obwohl keiner der Konstanzer "Peer Guides" einen muslimischen Hintergrund hat, fiel es ihnen nicht schwer, sich in die in der Ausstellung durch Video-Porträts vorgestellten Jugendlichen hineinzuversetzen. Neben gemeinsamen Interessen und Freizeitbeschäftigungen sei der Glaube, ob Christentum oder Islam, nur eine vieler Schnittflächen. "Bei manchen fiel es mir leichter, besonders wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt hat, bei anderen schwerer, wenn die Hobbys einem selbst nicht so zugesagt haben. Aber das ist nicht anders als bei anderen Deutschen und hat nichts damit zu tun, ob die Person muslimisch ist oder nicht", hob Lily hervor.

Kurze Videoporträts, hier von der 17-jährigen Melissa, geben in der Wanderausstellung "Was glaubst du denn?!" vom 26. Oktober bis 29. November interessante Einblicke in die individuelle Lebensgestaltung muslimischer Jugendlicher. "Peer-Guide" Leonie Rupp (Bild) lädt die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen außerdem zum Austausch über kulturelle und religiöse Vielfalt ein. Bild: Larissa Hamann
Kurze Videoporträts, hier von der 17-jährigen Melissa, geben in der Wanderausstellung "Was glaubst du denn?!" vom 26. Oktober bis 29. November interessante Einblicke in die individuelle Lebensgestaltung muslimischer Jugendlicher. "Peer-Guide" Leonie Rupp (Bild) lädt die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen außerdem zum Austausch über kulturelle und religiöse Vielfalt ein. Bild: Larissa Hamann

Hanna betonte, dass es einem nicht schwerer falle, als sich in einen anderen Jugendlichen hineinzuversetzen, dem Glauben an sich etwas bedeutet. Die "Geschichtswand" ist eines von Hannas Lieblingsexponaten und zeigt eindrücklich, dass Religion kein Abgrenzungskriterium sein muss. Menschen unterschieden sich in ihrer Wahrnehmung und Perspektive auch durch andere Aspekte wie etwa das Alter voneinander.

Die Besucher sollen bei diesem Exponat aus einer Vielzahl von Ereignissen – von der Veröffentlichung des ersten Harry Potter-Bandes, Barack Obamas Wahl zum US-Präsidenten, Cem Özdemirs Einzug in den Bundestag als erster Abgeordneter türkischer Herkunft bis hin zum Klimawandel – die für sie vier wichtigsten heraussuchen und neben den Ereignissen den Fall der Berliner Mauer und 09/11 auf einem Zeitstrahl platzieren. Die "Peer-Guides" stellten bei den Besuchern die unterschiedlichsten Ergebnisse fest: "Es ist interessant zu sehen, wie Geschichte völlig anders verhandelt wird, je nachdem, welchen Hintergrund man hat", erläuterte Hanna. Die Ausstellung kann auch als Einzelperson kostenfrei besucht werden.

Öffnungszeiten der Ausstellung: www.wasglaubstdudenn.de

Jahr der Religionen

2017 ist im Konziljubiläum das Jahr der Religionen. Eine Ausstellung, die sich mit kultureller und religiöser Vielfalt beschäftigt, passt daher gut in den Kontext. "Uns geht es darum, Bezüge herzustellen zu heute. Die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, verschiedene Glaubensrichtungen unter einen Hut zu bringen", erklärt Projektmanagerin der Konzilstadt Anja Deschler

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