Konstanz Japanische Schüler besuchen die Wessenbergschule

Wie wird das Leben im Jahr 2030 aussehen? Dieser Frage gehen Schüler aus mehreren Ländern in einem OECD-Projekt gemeinsam nach. Derzeit sind japanische Schüler in der Wessenbergschule zu Gast. Das Interesse aneinander ist groß – auch wenn die Verständigung nicht immer so ganz einfach ist.

Sie fallen auf im Stadtbild. Sie sind alle gleich angezogen, schauen staunend nach oben und zücken immer wieder ihre Handys. Die Gruppe japanischer Schüler aus der Region Wakayama zieht die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich. Das liegt unter anderem daran, dass die Gäste auch im Ausland von morgens bis abends ihre Schuluniform tragen. Die 18-jährige Corinna Schorer von der Wessenbergschule findet das praktisch: "Man muss morgens nicht überlegen, was man anzieht, und es führt zu einem Gleichheitsgefühl", meint sie.

Die Gruppe Japaner und ihre Gastgeber vom Konstanzer Wirtschaftsgymnasium stehen am Hafen. Stadtführerin und Archäologin Carola Berszin erklärt auf Englisch den Sinn der Imperia, das Zeppelin-Denkmal, 600 Jahre Konzil. Die Gäste, um die 16 Jahre alt, nicken fleißig. Ob sie alles verstehen, darf bezweifelt werden. "Die nicken und lächeln immer, auch wenn ihnen etwas nicht gefällt", hat die 17-jährige Wessenberg-Schülerin Lucinda Kirchhoff festgestellt. "Rouladen, Spätzle und Kartoffelsalat fanden einige wohl nicht so gut, aber sie behaupteten das Gegenteil." Auch sonst machten die Elftklässler des Wirtschaftsgymnasiums einige Unterschiede zu ihrem Besuch aus. Beispiel Schulsystem: Bei den Japanern sitzen 40 Schüler in einer Klasse und hören hauptsächlich zu. Peter Beinborn, Lehrer der Wessenbergschule, erzählt: "Unsere Gäste waren ganz erstaunt, dass sie im Bio-Unterricht mit Sicherheitsbrillen selbst experimentieren sollten."

Zu Besuch ist die 14-köpfige Delegation aus Japan in dieser Woche wegen des OECD-Projekts "International School Network 2030". Das Konstanzer Wirtschaftsgymnasium kooperiert dafür mit Schulen aus Wakayama sowie mit einer Schule aus Istanbul. Lucinda Kirchhoff erklärt: "Wir alle sollen herausfinden, wie sich die Welt bis im Jahr 2030 ändern wird. In unserem Seminarkurs untersuchen wir das für Konstanz anhand von Themen wie Sprache, Wirtschaft oder Technik." Über ihre Ergebnisse tauschen die Jugendlichen der drei Länder sich aus. Das ist mitunter gar nicht so einfach, wie die 17-jährige Monja Böhler erzählt: "Das Englisch der Japaner ist nicht so perfekt, also unterhalten wir uns mit Händen und Füßen oder malen." Das gegenseitige Interesse aneinander sei aber groß: "An unserer Schule wollen viele mit den Japanern reden oder sie fotografieren", sagt Lucinda.

Fotografieren wollen auch die Gäste aus Fernost. Sie gehen mit gezücktem Handy durch die Stadt, die ihnen sehr besonders vorkommt. "Bei uns gibt es nicht so alte Häuser", sagt ein japanisches Mädchen. Stopp am Kaiserbrunnen auf der Marktstätte. Carola Berszin deutet auf die Pferdestatue und fragt, was daran speziell sei. Die Japaner entdecken die acht Beine des Tieres. "Ah" und "oh" raunt es durch die Menge. "Damit soll verdeutlicht werden, wie schnell Friedrich II. im Jahr 1212 nach Konstanz ritt", erklärt Carola Berszin. Es gibt auch die Vermutung, das Pferd müsse acht Beine haben, weil es so häufig von Italien nach Deutschland laufen musste. Die Ankunft des Hohenstaufen ist auch auf dem alten Rathaus abgebildet, einem Gebäude aus der Renaissance, das früher als Zunfthaus der Leinenweber diente. Die Japaner nicken und lächeln.

Am Hotel Barbarossa entdecken die jungen Leute den Balkon auf dem Dach mit Seeblick, beim Gasthaus Elefanten erklärt Carola Berszin, dass Tiere im Mittelalter die Hausnummern ersetzten. Nicht nur die Auswärtigen lernen bei dem Stadtrundgang einiges. Auch Monja sagt zum Schluss: "Wenn man mit Touristen durch Konstanz geht, bekommt man einen ganz neuen Blick für seine Heimat."


Das gemeinsame Projekt

Zum ersten Mal sind elf Schüler und drei Lehrer aus Japan zu Besuch an der Wessenbergschule. Eine Woche lang lernten sie die Stadt kennen, wurden im Landratsamt und bei der Industrie- und Handelskammer empfangen. Außerdem tauschen sich die Jugendlichen aus Japan und Deutschland über ihr OECD-Projekt "International School Network 2030" aus. Ein direkter Gegenbesuch der Wirtschaftsgymnasiasten in Japan ist nicht geplant, doch Anfang August findet eine Internationale Konferenz in Tokio statt. Eingeladen sind die beteiligten Schulen aus aller Welt. Auch die Wessenbergschule möchte teilnehmen, benötigt dafür aber finanzielle Unterstützung. 

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