Die Fähre verbindet zwei Städte am See, die mit ähnlichem Problemen und Hindernissen bei Themen Wohnraum und Stadtentwicklung kämpfen: Es gibt zu wenig Wohnungen und die, die es gibt, sind sehr teuer. Die Lösung? Bauen. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, doch die Aussichten, wo und wie werden immer konkreter. So entschied der Gemeinderat vor der Sommerpause, das neue Stadtviertel Hafner auf den Weg zu bringen. Und nun gibt es in den Ferien eine weitere gute Nachricht: Das 2014 beschlossene Handlungsprogramm Wohnen übertreffe seine ersten Planziele, teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg entstanden 2015 in Konstanz 496 Wohnungen. Das sind mehr als die 370, die ursprünglich im Handlungsprogramm anvisiert worden waren. Der Großteil davon entstand über die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak). In Peterhausen-West hat sie 178 Wohneinheiten gebaut, in der Altstadt waren es acht, im Königsbau drei, in Allmannsdorf fünf, in Fürstenberg 145, in Wollmatingen 15, im Industriegebiet 19, in Dingelsdorf vier und in Dettingen sechs. Aber zum Beispiel auch beim Spar- und Bauverein entsteht neuer Wohnraum. Derzeit sind 28 neue Wohnungen im Taborweg im Bau.

„Ich freue mich, dass es uns 2015 gelungen ist, mit beinahe 500 Wohnungen unser Planziel weit zu übertreffen“, sagt Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. "Damit setzen wir erfolgreich unser Ziel um, vor allem bezahlbare Wohnungen für Familien, Studierende und auch Mehrgenerationsprojekte zu realisieren." Im laufenden Jahr wurden auch schon einige Häuser fertig. Die Wobak hat bisher 211 neue Wohnungen geschaffen: 32 in Petershausen-West (Bruder-Klaus-Straße), 104 in Fürstenberg (Cherisystraße) und 90 im Königsbau. Für den Mietwohnungsbau hat die Stadt Konstanz Zuschüsse aus dem neuen Landesförderprogramm „Wohnraum für Flüchtlinge“ bekommen, die der Mitfinanzierung der ersten beiden Mehrfamilienhäuser in der Anschlussunterbringung für Flüchtlinge dienen, die Projekte der Wobak sind.

Das Ziel des Handlungsprogramms Wohnen sind 5300 neue Wohnungen in Konstanz bis zum Jahr 2030. Abzüglich der rund 735, die nun bereits 2015 und im laufenden Jahr fertiggestellt wurden und werden, fehlen nun noch 4565 von den 5300. Das neue Wohngebiet am Hafner soll laut bisherigen Planungen rund 2500 neue Wohnungen bringen.

Der Blick über den See zeigt, dass auch in Meersburg die Frage nach Bauflächen große Bedeutung hat. „Nachdem das Gemeindegebiet in südlicher Ausrichtung an das Bodenseeufer stößt, östlich und westlich in die das Landschaftsbild prägende Kulturlandschaft der Reb- und Waldflächen eingebettet ist, kann sich die Stadt Meersburg nur eingeschränkt – zum Beispiel in Richtung Nord/Osten und in den Teilortsgebieten – erweitern“, sagt Bürgermeister Martin Brütsch. Meersburg hat damit trotzdem noch mehr Möglichkeiten als Konstanz, das von See, Seerhein und Schweiz begrenzt wird. Nachverdichtung, wie beim Hafner, ist das Stichwort. Auch in Meersburg sieht man diesen Trend und es würden derzeit Bebauungspläne "unter Mitwirkung der Bevölkerung" entwickelt, so Brütsch.

Neben eingeschränkten Ausdehnungsmöglichkeiten teilen Konstanz und Meersburg auch die Eigenschaft, dass viele Menschen in die Stadt ziehen wollen und die Immobilienpreise sehr hoch sind. Die begrenzten Plätze werden dadurch in beiden Städten immer wertvoller.

Beispiele für neu entstandenen Wohnraum in der Stadt Konstanz

Von den 496 Wohnungen, die 2015 neu in Konstanz entstanden sind, liegen laut einer Mitteilung der Stadt 243 im unteren Preissegment. Der Großteil ist von der Wobak und meisten der 496 neuen Wohnungen sind Mietobjekte. Eine Übersicht über die Wobak-Neubauten, die bereits alle vermietet sind:

  • Chérisy-Kaserne: Hier ist in den Jahren 2013 bis 2015 das Studentenzentrum Chérisy mit 108 Wohnplätzen in Ein- und Zwei-Zimmer-Appartements entstanden.
  • Dorfbachweg: Hier wurde auf rund 615 Quadratmetern ein Mehrfamilienhaus mit acht geförderten Mietwohnungen gebaut. Zur Wärmeerzeugung dient eine Holzpelletanlage.
  • Drechslerweg: Hier gibt es 27 geförderten Mietwohnungen. Die Energieversorgung mit Blockheizkraftwerk, Gasspitzenlastkessel und leistungsstarker Fotovoltaikanlage eröffnete die Möglichkeit, das neue Mieterstrommodell des Partners Stadtwerke Konstanz GmbH gemeinsam umzusetzen.
  • Eichendorffweg: Hier sind auf 2470 Quadratmeter Wohnfläche in vier Häusern mit durchgehender Tiefgarage 27 frei finanzierte Mietwohnungen entstanden. Zur Realisierung der Anlage gehört auch ein Energiekonzept mit Blockheizkraftwerk und Gasspitzenlastkessel sowie eine Fotovoltaikanlage.
  • Hegaustraße: Hier sind 30 geförderte und generationengerechte Mietwohnungen mit einer Wohnfläche von rund 2100 Quadratmeter und Tiefgarage im Bau. Das innovative Energiekonzept besteht aus Luftwärmepumpen, Blockheizkraftwerk (BHKW) und Fotovoltaikanlage.
  • Jacob-Burckhardt-Straße: Hier sind 2015 auf 1860 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche ein Neubau mit 19 frei finanzierten Mietwohnungen einschließlich eines optimierten Energiekonzepts mit Blockheizkraftwerk, Luftwärmepumpe und Fotovoltaikanlage entstanden. Momentan entstehen außerdem 90 geförderte generationengerechte Mietwohnungen mit modernem Energiekonzept in sechs Häusern. Dies sieht eine Kombination aus BHKW, Gasspitzenlastkessel und Fotovoltaikanlage vor. Die Wohnungen mit rund 6550 Quadratmeter Wohnfläche werden abschnittsweise seit Mai 2016 vermietet und die Wohnanlage im laufenden Jahr vollständig hergestellt.
  • Mühlenweg: Hier entstand auf einem Erbbaugrundstück der Stadt Konstanz ein Wohnhaus für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Auf rund 770 Quadratmeter Wohnfläche gibt es 18 Wohnungen und ein Begegnungsraum, der von der Stadt Konstanz mitgenutzt wird.
  • Schmidtenbühl (Dettingen): Hier entstehen etwa 1850 Quadratmeter Wohnfläche in 24 geförderten Mietwohnungen. Von den vier Gebäuden im Effizienzhaus 70-Standard wurden zwei zu Energie-Plus-Häusern weiterentwickelt. Bei den Energie-Plus-Häusern kann Dank Nutzung der Erdwärme über eine Wärmepumpe und weitere Energieerzeuger auf fossile Brennstoffe verzichtet werden. (sk)