Eine Mietpreisnotbremse. Das wäre die Lösung, schlägt Marco Radojevic, Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Uni Konstanz, vor. Er wirkt unaufgeregt im Gespräch – abgestumpft, nennt er es. Es sei jedes Jahr das gleiche Dilemma und auch dieses Jahr könnte wieder katastrophal werden. Sicher ist: Die Wohnungsnot für Studenten bleibt groß.

„Wir sind jedes Jahr zum Semesterstart immer mit dem gleichen Problem beschäftigt. Wir versuchen für Erstsemester ein Dach über dem Kopf zu finden“, erklärt Radojevic. Dabei blieben andere Aufgaben oft auf der Strecke. „Wir können den Studierenden eigentlich nur noch sagen, 2030 wird es vielleicht besser“, erklärt er und verweist auf das Handlungsprogramm Wohnen, das etwa zehn Jahre zu spät komme. „Dabei ist die Entwicklung nicht unvorhersehbar gewesen.“ Marco Radojevic ist seit sechs Jahren im AStA.

Nicht nur in Konstanz ist die Lage kritisch. In 52 von 91 deutschen Städten hat sich der Druck für den studentischen Wohnungsmarkt erhöht. Das zeigt der Anspannungs-Index des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) und des Immobilienportals wg-gesucht.de. Es ist die vierte Untersuchung in Folge, und zum vierten Mal ist der Index angestiegen. Am schwierigsten ist die Wohnungssuche in München. Konstanz liegt auf Platz 10. „In vielen Universitätsstädten macht sich jetzt die wachsende Zahl von Studierenden bemerkbar, die aus anderen Teilen Deutschlands oder aus anderen Ländern an die begehrten Hochschulen streben und deshalb keine Möglichkeit mehr haben, bei Eltern oder Verwandten zu wohnen“, erläutert Stefan Brauckmann, MMI-Direktor.

"Studenten gehen teils nicht mehr in die Studienmäßig attraktivste Stadt, sondern dorthin, wo sie leben können" Marco Radojevic (r.), AStA
"Studenten gehen teils nicht mehr in die Studienmäßig attraktivste Stadt, sondern dorthin, wo sie leben können" Marco Radojevic (r.), AStA | Bild: Rische

Die Lage sei angespannt, aber von einer extremen Wohnungsnot seien Studenten in Konstanz nicht betroffen, teilt Elke Vetter vom Studierendenwerk Bodensee Seezeit mit. Das Studierendenwerk bietet nach eigenen Angaben wie im vergangenen Jahr 2355 Betten an. Anfang Oktober lagen 500 Bewerbungen mehr vor, als es Plätze gibt. „Diese Zahl ist seit einigen Jahren relativ konstant und kommt unter anderem durch zahlreiche Mehrfachbewerbungen zustande, da sich Studierende bereits vor Zulassung um einen Wohnheim­platz bewerben können“, erklärt Vetter. Konstanz biete allerdings im Vergleich zu anderen Hochschulstandorten eine der höchsten Versorgungsquoten. Das belegt auch der Anspannungs-Index: Nach Ilmenau und Cottbus hat Konstanz die höchste Quote. „Wie in den Vorjahren gehen wir deshalb davon aus, dass alle Studierenden unterkommen werden“, sagt Vetter.

Wer keinen Platz in einer Studentenwohnanlage bekommt und in der Stadt leben will, hat mit hohen Mieten zu kämpfen. Der Anspannungs-Index zeigt, dass in Konstanz der Preis für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft von 355 Euro 2015 auf 370 Euro zum Semesterstart 2016 gestiegen ist. „Viele Studenten müssen arbeiten gehen, um hier leben zu können. Doch nicht jeder Studiengang lässt das zeitlich zu“, erklärt AStA-Sprecher Marc Lorenz.

Die Stadt hat zuletzt im Rahmen des Handlungsprogramms viel in den Wohnungsbau investiert. Dennoch zeigen die Zahlen, die Lage für Studenten hat sich verschärft. Walter Rügert, Pressesprecher der Stadt, erklärt, die Versorgung mit Wohnraum für Studierende bleibe ein wichtiges Thema. „Im Handlungsprogramm spielt der sogenannte preisgedämpfte Wohnungsbau eine wichtige Rolle. Davon werden auch Studierende profitieren“, erklärt Rügert. Die Situation bleibe katastrophal, sagt Marco Radojevic. Die Mietpreise seien halsabschneiderisch, fügt Marc Lorenz hinzu. Der AStA versucht, mit der Aktion „Haste mal‘n Sofa“ Erstis aus der Klemme zu helfen. Sonst seien ihnen im Großen die Hände gebunden. „Es ist frustrierend“, sagt Radojevic und warnt: „Studenten gehen teils nicht mehr in die studienmäßig attraktivste Stadt, sondern dorthin, wo sie leben können.“

Bild: Luisa Rische

Index und Sofa-Aktion

  • Der Anspannungs-Index: Seit 2013 gibt der Immobilienentwickler GBI die Untersuchung in Auftrag. Das Moses Mendelssohn Institut und das Immobilienportal wg-gesucht.de führen sie durch. Die Auswertung untersucht alle 91 Hochschulstädte mit mehr als 5000 Studenten. Ermittelt wird dabei ein Anspannungs-Index für den studentischen Wohnungsmarkt. Dieser kann maximal 100 Punkte betragen. In der Analyse werden 23 Faktoren untersucht, wie: WG-Preise, Immobilien-Angebot, Studierendenzahlen und Altersstruktur.
  • Haste mal‘n Sofa: Der AStA bietet mit der Aktion Unterstützung bei der Wohnungssuche für Erstis an. Die, die ein Sofa suchen oder ein Sofa anbieten, melden sich unter: www.uni.kn/asta/sofa